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Fachinformationen

Indikation

  • alle Formen des Parkinsonismus
  • medikamentös bedingte extrapyramidale Symptome wie
    • exzitomotorische Phänomene
    • Parkinsonoid
    • Akinesie
    • Rigidität
    • Akathisie
    • akute Dystonien

Dosierung

  • alle Formen des Parkinsonismus; medikamentös bedingte extrapyramidale Symptome
    • allgemein
      • Arzneimittel muss individuell dosiert werden
      • Behandlung soll mit der niedrigsten Dosis begonnen und dann bis zu der für den Patienten günstigsten Dosis gesteigert werden
      • Therapie erfolgt in der Regel einschleichend
      • Umstellung auf Retardtabletten
        • zunächst die im Einzelfall günstigste Dosis mit 2 mg schnell freisetzenden Tabletten ermitteln
        • bei Anwendung der Retardtabletten kann evtl. eine niedrigere Dosierung als die mit 2 mg Tabletten ermittelte Dosierung ausreichend sein
          • im Einzelfall abhängig vom therapeutischen Effekt und den Nebenwirkungen
        • Dosierungsumstellung von 2 mg-Tabletten auf 4 mg-Retardtabletten Biperidenhydrochlorid
          • Dosis 2 mg-Tabletten: 1/2 Tablette 3mal / Tag (entspricht 3 mg Biperidenhydrochlorid)
            • entspricht Dosis 4 mg-Retardtabletten: 1 Retardtablette 1mal / Tag (entspricht 4 mg Biperidenhydrochlorid)
          • Dosis 2 mg-Tabletten: 1 Tablette 2 - 3mal / Tag (entspricht 4 - 6 mg Biperidenhydrochlorid)
            • entspricht Dosis 4 mg-Retardtabletten: 1 Retardtablette 1mal / Tag (entspricht 4 mg Biperidenhydrochlorid)
          • Dosis 2 mg-Tabletten: 2 Tabletten 2 - 3mal / Tag (entspricht 8 - 12 mg Biperidenhydrochlorid)
            • entspricht Dosis 4 mg-Retardtabletten: 2 Retardtabletten / Tag (entspricht 8 mg Biperidenhydrochlorid)
        • Umstellung auf die benötigte Wirkstoffmenge bei Anwendung der Retardtabletten nicht abrupt, sondern über einen Zeitraum von 10 - 20 Tagen
      • falls rascher Wirkungseintritt erforderlich ist, andere Darreichungsform wählen
    • Parkinsonsyndrom
      • 1 - 2 Retardtabletten (entsprechend 4 - 8 mg Biperidenhydrochlorid) / Tag
      • max. Tagesdosis: 3 Retardtabletten (entsprechend 12 mg Biperidenhydrochlorid)
    • medikamentös bedingte extrapyramidale Symptome
      • 1 Retardtablette (entsprechend 4 mg Biperidenhydrochlorid) / Tag, begleitend zum Neuroleptikum
      • benötigte Dosis kann von 2 mg bis zu 6 mg Biperidenhydrochlorid / Tag, je nach Stärke der Symptome, variieren
    • Behandlungsdauer
      • richtet sich nach Art und Verlauf der Erkrankung
      • kann von einer kurzfristigen Gabe bis zur Dauermedikation reichen
      • Absetzen der Behandlung
        • sollte nicht abrupt, sondern schrittweise erfolgen

Dosisanpassung

  • Kinder und Jugendliche (</=18 Jahre)
    • Anwendung nicht empfohlen
    • Erfahrungen begrenzt (in erster Linie auf die zeitlich befristete Anwendung bei medikamentös ausgelösten Dystonien begrenzt)
  • ältere Patienten
    • vorsichtige Dosierung erforderlich
      • mit der niedrigsten Dosis beginnen
      • dann, je nach Ansprechen des Patienten, die Dosis langsam steigern
  • Patienten mit eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion
    • keine pharmakokinetischen Daten
    • Anwendung nicht empfohlen

Kontraindikationen

Biperiden - peroral
  • Überempfindlichkeit gegen Biperiden
  • unbehandeltes Engwinkelglaukom
  • mechanische Stenosen im Magen-Darm-Kanal
  • Megakolon
  • Ileus

Therapiehinweise

Mit Flüssigkeit einnehmen.

Nebenwirkungen

Biperiden - peroral
  • Infektionen und parasitäre Erkrankungen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Parotitis
  • Erkrankungen des Immunsystems
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Überempfindlichkeitsreaktionen
  • Psychiatrische Erkrankungen
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • bei höheren Dosen
        • Unruhe
        • Agitiertheit
        • Angst
        • Verwirrtheit
        • delirante Syndrome
        • Halluzinationen
        • Schlaflosigkeit
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Nervosität
      • Euphorie
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • vorübergehende Reduktion des REM-Schlafes (Schlafstadium mit schnellen Augenbewegungen)
      • zentral erregende Wirkung
        • ist häufig bei Patienten mit Hirnleistungsstörungen
  • Erkrankungen des Nervensystems
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Müdigkeit
      • Schwindelgefühl
      • Gedächtnisstörungen
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Kopfschmerzen
      • Dyskinesien
      • Ataxie
      • Sprachstörungen
      • erhöhte zerebrale Anfallsbereitschaft
      • Konvulsionen
  • Augenerkrankungen
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Akkommodationsstörungen
      • Mydriasis
      • Lichtempfindlichkeit
      • Engwinkelglaukom
        • Augeninnendruck kontrollieren
  • Herzerkrankungen
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Tachykardie
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Bradykardie
  • Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Mundtrockenheit
      • Magenbeschwerden
      • Übelkeit
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Obstipation
  • Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Verminderung der Schweißabsonderung
      • allergische Hautausschläge
  • Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Muskelzuckungen
  • Erkrankungen der Nieren und Harnwege
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Miktionsstörungen, insb.
        • bei Patienten mit Prostataadenom (Dosisreduktion)
      • Harnverhaltung (seltener)
  • Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Benommenheit

Anwendungshinweise

  • bei Einnahme von 1 Retardtablette pro Tag sollte diese am Morgen eingenommen werden
  • bei Dosierung mit 2 Retardtabletten täglich muss individuell ermittelt werden, ob die Einnahme von
    • 1 Retardtablette morgens und 1 Retardtablette abends oder
    • 2 Retardtabletten morgens zu einem besseren Behandlungsergebnis führt
  • falls in Ausnahmefällen 3 Retardtabletten täglich eingenommen werden müssen, so sollte eine Einzeldosis von 2 Retardtabletten (entsprechend 8 mg Biperidenhydrochlorid) nicht überschritten werden
  • Retardtabletten mit ausreichend Flüssigkeit unzerkaut und ohne zu teilen während oder nach einer Mahlzeit einnehmen
  • Nebenwirkungen auf den MagenMagen-Darm-Trakt lassen sich durch die Einnahme unmittelbar nach den Mahlzeiten vermindern

Stillzeithinweise

Biperiden - peroral
  • Abstillen empfohlen
  • aufgrund der chemischen Struktur des Wirkstoffes ist anzunehmen, dass Biperiden in die Muttermilch übergeht
  • Anticholinergika können die Milchbildung hemmen

Schwangerschaftshinweise

Biperiden - peroral
  • Biperiden soll während der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abschätzung angewendet werden
    • keine Erfahrungen mit der Anwendung in der Schwangerschaft vorliegend
  • Fertilität
    • zur Auswirkung auf die Fertilität liegen keine Daten vor

Warnhinweise

Biperiden - peroral
  • Krampfbereitschaft
    • zentralwirksame Anticholinergika wie Biperiden können zu einer erhöhten zerebralen Anfallsbereitschaft führen
      • vorsichtige Dosierung bei Patienten mit erhöhter Krampfbereitschaft
  • Harnverhalt
    • beim Auftreten von Harnverhalten sollte der Patient jeweils vor der Anwendung von Biperiden die Blase entleeren
    • vereinzelt kann Biperiden, insbesondere bei Patienten mit Prostatahypertrophie, zu Miktionsbeschwerden, seltener zu Harnverhaltung führen
  • Augeninnendruck
    • Augeninnendruck sollte regelmäßig kontrolliert werden
    • Vorsicht bei bestehenden Glaukomen
  • Myasthenia gravis
    • Biperiden darf bei Patienten mit Myasthenia gravis nur unter besonderer Vorsicht angewendet werden
  • Tachykardien
    • bei Patienten, die unter Erkrankungen leiden, die zu Tachykardien führen können ist Biperiden mit Vorsicht anzuwenden
  • Mundtrockenheit
    • tritt ausgeprägte Mundtrockenheit auf, lässt sich diese durch häufiges Trinken kleiner Flüssigkeitsmengen oder durch Kauen von zuckerfreiem Kaugummi bessern
  • Vorsichtsmaßnahmen bei bestimmten Patientengruppen
    • ältere Patienten, insbesondere solchen mit hirnorganischer Symptomatik
      • vorsichtige Dosierung erforderlich
      • ältere Patienten, insbesondere solche mit hirnorganischen Veränderungen vaskulärer oder degenerativer Art, weisen häufig schon gegenüber therapeutischen Dosen des Wirkstoffes eine erhöhte Empfindlichkeit auf
    • Kinder und Jugendliche (< 18 Jahre)
      • Erfahrungen mit Biperiden sind begrenzt
      • erstrecken sich in erster Linie auf die zeitlich befristete Anwendung bei medikamentös ausgelösten Dystonien (z.B. durch Neuroleptika oder Metoclopramid und analoge Verbindungen), die als Nebenwirkungen oder Intoxikationssymptome auftreten können
  • Gedächtnisstörungen
    • durch Anwendung von Biperiden können Gedächtnisstörungen hervorgerufen werden
  • Missbrauch und Abhängigkeitsentwicklung
    • sind wegen der gelegentlich beobachteten stimmungsaufhellenden und euphorisierenden Wirkung vereinzelt berichtet worden
  • Absetzen
    • außer beim Auftreten lebensbedrohlicher Komplikationen abruptes Absetzen wegen der Gefahr überschießender Gegenregulationen vermeiden
  • Nebenwirkungen
    • treten besonders zu Beginn der Behandlung und bei zu rascher Dosissteigerung auf
    • zentral erregende Wirkung
      • ist häufig bei Patienten mit Hirnleistungsstörungen
      • kann zu einer Dosisverminderung zwingen