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Fachinformationen

Indikation

  • Hochdruckkrisen und Hochdruckfälle, sofern nicht durch ein Phäochromozytom bedingt, in denen eine orale Anwendung vorübergehend nicht möglich ist, wie z.B. bei bewusstlosen Patienten
  • Einleitung einer stationären Behandlung bei entsprechend schwer beeinflussbaren Hochdruckfällen

Dosierung

Basiseinheit: 1 Ampulle (1,0 ml) enthält 150 Mikrogramm Clonidinhydrochlorid

  • Hochdruckkrisen und Hochdruckfälle
    • Erwachsene
      • individuell dosieren, beginnend mit niedrigen Dosen
      • erforderliche Tagesdosen: 0,15 - 0,6 mg Clonidinhydrochlorid, gerichtet nach blutdrucksenkendem Effekt
      • max. Tagesdosis: 0,9 mg Clonidinhydrochlorid
      • notwendige Dosissteigerung allmählich und erst nach ca. 2 - 4 Wochen
      • zur Einstellung schwerer Hochdruckkrisen
        • in Ausnahmefällen Verabreichung erforderlicher Maximaldosen von 1,2 - 1,8 mg Clonidinhydrochlorid (parenteral) über den Tag verteilt
      • initial: 1/2 Ampulle (entsprechend 0,075 mg Clonidinhydrochlorid)
        • unverdünnt s.c. oder i.m. bzw.
        • sehr langsam vorzunehmende i.v. Gabe nur mit verdünnter Lösung
          • Infusionsrate: 0,2 µg Clonidinhydrochlorid / kg / Min
          • zur Vermeidung eines vorübergehenden Blutdruckanstiegs
            • max. 0,5 µg / kg / Min
          • max. Dosis: 0,15 mg Clonidinhydrochlorid / Infusion
          • ggf. Wiederholung: bis 1 Ampulle 4mal / Tag (entsprechend 0,6 mg Clonidinhydrochlorid / Tag)
      • ausschleichend Absetzen, ggf. Umstellung auf niedriger dosierte Form (durch plötzliches Absetzen sog. Rebound-Phänomene möglich)
      • bei unter kombinierter Therapie mit beta-Rezeptorenblocker notwendiger Unterbrechung der blutdrucksenkenden Therapie (Vermeidung lebensbedrohlicher unerwünschter Wirkungen durch sympathische Überaktivität)
        • zuerst beta-Rezeptorenblocker langsam ausschleichend absetzen
        • danach Clonidin absetzen (ebenfalls ausschleichend über mehrere Tage)
      • Behandlungsdauer: bestimmt behandelnder Arzt
    • Kinder und Jugendliche (< 18 Jahre)
      • keine ausreichenden wissenschaftlichen Belege
      • Anwendung nicht empfohlen
    • ältere Patienten (> 65 Jahre)
      • vorsichtige, langsame Blutdrucksenkung
      • Behandlungsbeginn mit niedrigen Dosen
    • Niereninsuffizienz
      • Einstellung und Therapie bedarf bes. Sorgfalt mit häufigen Blutdruckkontrollen
      • Dosisanpassung entsprechend dem Schweregrad
      • bei schwerster Einschränkung der Nierenfunktion (prädialytisches Stadium)
        • 0,3 mg Clonidinhydrochlorid / Tag ausreichend
      • Dialysepatienten
        • zusätzliche Gabe von Clonidinhydrochlorid nicht erforderlich (es werden nur sehr geringe Mengen an Clonidinhydrochlorid durch die Hämodialyse entfernt)

Kontraindikationen

Clonidin - invasiv
  • Überempfindlichkeit gegen Clonidin
  • bestimmte Erregungsbildungs- und Erregungsleitungsstörungen des Herzens, z.B. Sinusknotensyndrom oder AV-Block II. und III. Grades
  • Herzschlagfolge < 50 Schläge/Min. (Bradykardie)
  • Depressionen, Major Depression (depressive Störung)
  • ausgeprägte Hypotonie
    • eine hypovolämiebedingte Hypotonie ist vor Therapiebeginn auszugleichen
  • Schwangerschaft
  • Stillzeit

Therapiehinweise

Ausschleichend dosieren.

Nebenwirkungen

Clonidin - invasiv
  • Psychiatrische Erkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Depression
      • Schlafstörungen
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Albträume
      • wahnhafte Wahrnehmung
      • Halluzination
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Verwirrtheitszustand
  • Erkrankungen des Nervensystems
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • Schwindel
      • Sedierung
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Kopfschmerzen
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Parästhesien
  • Augenerkrankungen
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Verminderung des Tränenflusses
      • Akkommodationsstörungen
  • Herzerkrankungen
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Sinusbradykardie
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • AV-Blockierungen
      • AV-Dissoziation
      • Bradyarrhythmie
      • Verstärkung einer bestehenden Herzinsuffizienz
  • Gefäßerkrankungen
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • orthostatische Hypotonie
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Raynaud-Syndrom
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • anfänglicher (paradoxer) Blutdruckanstieg
  • Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Trockenheit der Nasenschleimhäute
  • Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • Mundtrockenheit
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Obstipation
      • Übelkeit
      • Erbrechen
      • Schmerzen in den Speicheldrüsen
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Pseudoobstruktion des Kolons
  • Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Hautausschlag (Exanthem)
      • Juckreiz (Pruritus)
      • Nesselsucht (Urtikaria)
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Alopezie
  • Erkrankungen der Nieren und ableitenden Harnwege
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Miktionsstörungen
      • Abnahme der Harnproduktion (durch Minderperfusion der Niere)
  • Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • erektile Dysfunktion
      • Abnahme der Libido
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Gynäkomastie
  • Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Müdigkeit
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Unwohlsein
  • Untersuchungen
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Anstieg der Blutzuckerwerte
      • Veränderung der Leberfunktionstests
      • positiver Coombs-Test
      • Gewichtsabnahme
  • Hinweise
    • bei intravenöser Injektion sind initial für einige Minuten systolische Blutdruckerhöhungen beobachtet worden
    • Bradykardie kann durch Dosisreduktion oder mit Anticholinergika behandelt werden
    • Patienten mit Alkoholentzugssyndrom
      • bei Patienten mit Alkoholentzugssyndrom kann spontan Darmträgheit bis hin zum paralytischen Ileus auftreten, die durch die Behandlung mit Clonidin noch verstärkt werden kann
        • kann eine Dosisreduktion bis hin zum Absetzen des Arzneimittels sowie eine symptomatische Therapie erforderlich machen

Anwendungshinweise

  • Applikation der Injektionslösung s.c., i.m. und nach Verdünnung i.v.
  • bei s.c.- und i.m.-Applikation mit inkompletter Resorption rechnen
  • Verabreichung der i.v. Injektion nur in Verdünnung (z. B. 1 Ampulle Clonidinhydrochlorid in mind. 10 ml 0,9%iger NaCl-Lösung) langsam über ca. 10 Min. (Vermeidung unerwünschter, vorübergehender Blutdruckanstiege)
  • Injektion in jedem Fall nur am liegenden Patienten vornehmen
  • versehentliche intraarterielle Anwendung von Präparaten, die nicht ausdrücklich zur intraarteriellen Therapie empfohlen werden, kann zu Schäden führen; i.v.-, i.m.- oder s.c.-Verabreichung von Clonidin muss gewährleistet sein!
  • Anwendung unter regelmäßiger Kontrolle des Blutdrucks in vorgeschriebener Dosierung
  • wirkungsvolle Unterstützung des blutdrucksenkenden Effekts durch kochsalzarme Kost sowie Gewichtsabnahme bei bestehendem Übergewicht

Stillzeithinweise

Clonidin - invasiv
  • in der Stillzeit kontraindiziert
  • Übergang von Clonidin in die Muttermilch
  • nur unzureichende Daten über eine Anwendung in der Stillperiode
  • Indikation Behandlung eines akuten Alkoholentzugssyndroms
    • Erfahrungen in der Stillzeit mit Clonidinhydrochlorid-Dosen, wie sie zur Behandlung eines akuten Alkoholentzugssyndroms notwendig sind, liegen nicht vor

Schwangerschaftshinweise

Clonidin - invasiv
  • darf in der Schwangerschaft nicht angewendet werden
  • nur unzureichende Daten über die Anwendung in der Schwangerschaft
  • Anwendung in der Schwangerschaft nur bei strenger Indikationsstellung, fehlenden Therapiealternativen und unter sorgfältiger Überwachung von Mutter und Kind
    • intravenöse Injektion von Clonidin darf in der Schwangerschaft nicht erfolgen
  • Clonidin passiert die Plazentaschranke
    • beim Feten kann eine Herzfrequenzsenkung auftreten
    • in Einzelfällen vorübergehender Blutdruckanstieg beim Neugeborenen post partum beobachtet
  • keine hinreichenden Erfahrungen zu den Langzeitauswirkungen einer pränatalen Exposition
    • präklinische Untersuchungen ergaben keine Hinweise auf indirekten oder direkten schädigenden Einfluss hinsichtlich der Reproduktionstoxizität
  • Indikation Behandlung eines akuten Alkoholentzugssyndroms
    • Erfahrungen in der Schwangerschaft mit Clonidinhydrochlorid-Dosen, wie sie zur Behandlung eines akuten Alkoholentzugssyndroms notwendig sind, liegen nicht vor
  • Fertilität
    • keine Untersuchungen zu Clonidin hinsichtlich der Wirkung auf die menschliche Fertilität durchgeführt
    • präklinische Untersuchungen ergaben keine Hinweise auf indirekten oder direkten schädigenden Einfluss hinsichtlich der Fertilität

Warnhinweise

Clonidin - invasiv
  • besonders sorgfältige ärztliche Überwachung erforderlich bei
    • koronarer Herzkrankheit, insbesondere im ersten Monat nach einem Herzinfarkt
    • schwerer Herzinsuffizienz (NYHA IV)
    • fortgeschrittener chronischer arterieller Verschlusskrankheit sowie bei Raynaud-Syndrom und bei derThrombendangiitis obliterans
    • zerebrovaskulärer Insuffizienz
    • fortgeschrittener Niereninsuffizienz
    • Obstipation
    • Polyneuropathie
  • parenterale Behandlung des akuten Alkoholentzugssyndroms
    • bedarf kontinuierlicher intensivmedizinischer Überwachung
  • Herzfrequenz
    • Absinken der Herzfrequenz auf < 56 Schläge / Minute sollte während Therapie mit Clonidinhydrochlorid vermieden werden
    • bei vorbestehenden Erkrankungen des Erregungsbildungs- und Erregungsleitungssystems des Herzens kann in seltenen Fällen nach der Anwendung von Clonidinhydrochlorid die Herzschlagfolge weiter verlangsamt bzw. eine bestehende AV-Überleitungsstörung (AV Block II. und III. Grades) verstärkt werden
      • Störungen nach Verminderung der Dosis wieder reversibel
  • vorsichtige Dosierung, um einen stärkeren Blutdruckabfall zu vermeiden, bei Patienten mit
    • frischem Myokardinfarkt
    • schwerer koronarer Herzkrankheit
    • arteriosklerotisch bedingten Durchblutungsstörungen des Gehirns
  • Behandlung des Bluthochdrucks mit Clonidin in Injektionsform
    • besondere ärztliche Aufsicht erforderlich
    • bei unsachgemäß rascher intravenöser Injektion (Bolus) in Einzelfällen initial für einige Minuten systolische Blutdruckerhöhungen bis max. 20 mmHg beobachtet
  • Träger von Kontaktlinsen
    • sollten die selten zu beobachtende Verminderung des Tränenflusses beachten
  • akutes Absetzsyndrom
    • nach plötzlichem Absetzen von Clonidinhydrochlorid, insbesondere nach langfristiger Behandlung und bei hohen Dosierungen, akute Absetzerscheinungen beschrieben:
      • starke, evtl. auch lebensbedrohende Blutdrucksteigerung
      • Herzjagen
      • Herzrhythmusstörungen
      • Unruhe
      • Nervosität
      • Zittern
      • Kopfschmerzen
      • und/oder Übelkeit
    • übermäßiger Blutdruckanstieg in Folge des Absetzens der Clonidinhydrochlorid-Therapie kann durch i.v. Gabe von Phentolamin oder Tolazolin behandelt werden
    • diese Beschwerden sind durch eine ausschleichende Dosierung über mehrere Tage zu verhindern
  • Kinder und Jugendliche
    • Anwendung und Sicherheit von Clonidinhydrochlorid bei Kindern und Jugendlichen nicht ausreichend durch randomisierte, kontrollierte Studien belegt
      • Behandlung dieser Patienten nicht empfohlen
    • insbesondere bei der nicht zugelassenen Anwendung von Clonidinhydrochlorid mit Methylphenidat bei Kindern mit ADHS schwerwiegende unerwünschte Reaktionen, einschließlich Todesfällen, beobachtet
      • von Clonidinhydrochlorid in dieser Kombination wird abgeraten