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Fachinformationen

Indikation

  • schwach potentes Neuroleptikum bei
    • Schlafstörungen
      • insbesondere bei geriatrischen Patienten
    • psychomotorischen Erregungszuständen

Dosierung

  • Schlafstörungen, psychomotorische Erregungszustände
    • allgemein:
      • individuelle Dosierung
      • bei längerfristiger Therapie durch regelmäßige Dosisanpassungen jeweils niedrigste erforderliche Dosis bestimmen
    • Behandlung von Schlafstörungen
      • geringe Dosis in vielen Fällen ausreichend
        • z.B. 1 Tablette (40 mg) / Tag
    • ansonsten empfohlene Anfangsdosis
      • 1 Tablette (40 mg) 3mal / Tag
    • Dosissteigerung, optional
      • auf bis zu 3 Tabletten (120 mg) 3mal / Tag
        • Dosis nicht überschreiten

Dosisanpassung

  • ältere Patienten
    • mit niedrigeren Dosen einschleichend beginnen
      • z.B. Hälfte der initialen Erwachsenendosis
      • diese langsam bei regelmäßiger Blutdruckkontrolle steigern
    • mittlere Dosis
      • 20 - 40 mg 3mal / Tag
      • erforderlichenfalls auch höhere Dosierungen möglich
  • Kinder und Jugendliche (unter 18 Jahren)
    • Jugendliche unter 18 Jahren
    • reduzierte Dosen ähnlich wie ältere Patienten
    • Kinder unter 14 Jahren
      • Anfangsdosis: 1 mg Pipamperon / kg KG / Tag
      • Dosissteigerung, optional um 1 mg / kg KG / Tag bis zur optimalen Dosierung
    • im Allgemeinen
      • Dosis von 2 - 4 mg / kg KG / Tag ausreichend
      • kein Erreichen der gewünschten Wirkung bei dieser Dosierung
        • Dosissteigerung, optional auf bis zu 6 mg / kg KG / Tag
  • Tagesdosis
    • auf 3 Gaben verteilen
    • aufgrund des hohen Wirkstoffgehaltes der Tabletten im unteren Dosierungsbereich Pipamperon-Sirup verwenden

Kontraindikationen

Pipamperon - peroral
  • Überempfindlichkeit gegen Pipamperon oder andere Butyrophenone
  • Zustände, die mit einer Dämpfung des zentralen Nervensystems einhergehen (z.B. Koma, akute Alkohol-, Schlafmittel-, Analgetika-, Psychopharmaka-Intoxikationen)
  • Erkrankungen der Basalganglien, z.B. Parkinson-Krankheit
  • Schwangerschaft
  • Stillzeit

Therapiehinweise

Ausschleichend dosieren.

Nebenwirkungen

Pipamperon - peroral
  • Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Leukopenie
  • Erkrankungen des Immunsystems
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Überempfindlichkeit
  • Endokrine Erkrankungen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Hyperprolaktinämie (schließt Hyperprolaktinämie und erhöhte Prolaktinspiegelein)
  • Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • im Zusammenhang mit Antipsychotika berichtet:
        • Hyponatriämie und SyndromSyndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH)
  • Psychiatrische Erkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Depression
  • Erkrankungen des Nervensystems
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • Somnolenz
      • Zahnradphänomen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Hypertonie
      • Akathisie
      • oculogyrische Krise
      • Opisthotonus
      • Dyskinesie
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Krämpfe (schließt Krämpfe und Grand-Mal-Anfall ein)
      • Malignes Neuroleptisches Syndrom
      • Parkinsonismus
      • Synkope
      • Tardive Dyskinesie
      • Tremor
      • Kopfschmerz
  • Augenerkrankungen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Verschwommensehen
  • Herzerkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Tachykardie
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • im Zusammenhang mit Antipsychotika berichtet:
        • kardiale Effekte wie Verlängerung des QT-Intervalls im EKG, Torsades de pointes, ventrikuläre Arrhythmien einschließlich Kammerflimmern, ventrikulärer Tachykardie und Herzstillstand
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Kammerflimmern
  • Gefäßerkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • orthostatische Hypotension
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Hypotonie
      • im Zusammenhang mit Antipsychotika berichtet:
        • venöse Thromboembolien, einschließlich Fälle von pulmonalen Embolien und tiefer Venenthrombosen
  • Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Epistaxis
  • Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Erbrechen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Übelkeit
      • verminderter Appetit
      • im Zusammenhang mit Antipsychotika berichtet:
        • Hypersalivation
  • Leber- und Gallenerkrankungen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Erhöhung der hepatischen Enzyme
      • Leberfunktionsstörungen
      • cholestatische Hepatitis
  • Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Urtikaria
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Hautausschlag
      • toxische epidermale Nekrolyse
      • im Zusammenhang mit Antipsychotika berichtet:
        • Hyperhidrosis
  • Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • muskuläre Spastizität
  • Erkrankungen der Nieren und Harnwege
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Harnretention
  • Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Amenorrhö
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Galaktorrhö
      • Gynäkomastie (schließt Gynäkomastie und Brustanschwellung ein)
      • Oligomenorrhö
      • Priapismus
  • Schwangerschaft, Wochenbett und perinatale Erkrankungen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Arzneimittelentzugssyndrom des Neugeborenen
  • Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Gangstörungen
      • Asthenie
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Fatigue
      • Hypothermie
      • Ödeme (schließt Ödeme, Gesichtsödeme und periphere Ödeme ein)
      • Fieber
      • im Zusammenhang mit Antipsychotika berichtet:
        • plötzliche Todesfälle

Anwendungshinweise

  • Pipamperon mit oder zwischen den Mahlzeiten einnehmen

Stillzeithinweise

Pipamperon - peroral
  • kontraindiziert während der Stillzeit
  • keine ausreichenden Erfahrungen über die Sicherheit der Anwendung bei stillenden Frauen

Schwangerschaftshinweise

Pipamperon - peroral
  • kontraindiziert während der Schwangerschaft
  • keine ausreichenden Erfahrungen bei schwangeren Frauen
  • keine ausreichenden Untersuchungen an trächtigen Tieren
  • Frauen im gebärfähigen Alter
    • vor Behandlungsbeginn sollte eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden
    • während der Behandlung mit Pipamperon sollte ein sicherer Konzeptionsschutz gewährleistet sein
  • Neugeborene, die während des 3. Trimenons der Schwangerschaft gegenüber Antipsychotika (einschließlich Pipamperon) exponiert sind
    • sind durch Nebenwirkungen einschließlich extrapyramidaler Symptome und/oder Entzugserscheinungen gefährdet, deren Schwere und Dauer nach der Entbindung variieren können
    • gab Berichte über Agitiertheit, erhöhten oder erniedrigten Muskeltonus, Tremor, Somnolenz, Atemnot oder Störungen bei der Nahrungsaufnahme
    • dementsprechend sollten Neugeborene sorgfältig überwacht werden

Warnhinweise

Pipamperon - peroral
  • Plötzliche Todesfälle bei Patienten, die Antipsychotika erhielten
    • in seltenen Fällen wurde über plötzliche und ungeklärte Todesfälle bei psychiatrischen Patienten berichtet, die antipsychotische Arzneimittel, einschließlich Dipiperon, erhalten hatten
      • ob ein Kausalzusammenhang besteht, ist unklar
  • Kinder und Jugendliche (< 18 Jahre)
    • nur begrenzte Studien zur Wirksamkeit und Verträglichkeit von Pipamperon bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren vorliegend
    • deshalb sollte Pipamperon bei Kindern und Jugendlichen < 18 Jahren nur unter besonderer Berücksichtigung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses verordnet werden
  • Erhöhte Mortalität bei älteren Menschen mit Demenz-Erkrankungen
    • Daten zweier großer Anwendungsstudien zeigten, dass ältere Menschen mit Demenz-Erkrankungen, die mit konventionellen (typischen) Antipsychotika behandelt wurden, einem leicht erhöhten Mortalitätsrisiko im Vergleich zu nicht mit Antipsychotika Behandelten ausgesetzt sind
      • anhand der vorliegenden Studiendaten kann eine genaue Höhe dieses Risikos nicht angegeben werden
      • Ursache für die Risikoerhöhung ist nicht bekannt
    • aufgrund dieser Risiken ist im Einzelfall durch den behandelnden Arzt zu prüfen, ob Pipamperon zur Behandlung von Verhaltensstörungen, die mit Demenzerkrankungen zusammenhängen, angewendet werden soll
  • Erhöhtes Risiko für das Auftreten von unerwünschten zerebrovaskulären Ereignissen
    • in randomisierten, placebokontrollierten klinischen Studien mit an Demenz erkrankten Patienten, die mit einigen atypischen Antipsychotika behandelt wurden, ein etwa um das dreifache erhöhtes Risiko für unerwünschte zerebrovaskuläre Ereignisse beobachtet
      • Mechanismus, der zu dieser Risikoerhöhung führt, ist unbekannt
      • kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese Wirkung auch bei der Anwendung anderer Antipsychotika oder bei anderen Patientengruppen auftritt
    • Pipamperon sollte daher bei Patienten, die ein erhöhtes Schlaganfallrisiko haben, mit Vorsicht angewendet werden
    • Patienten/Pflegepersonal sollte(n) dazu angehalten werden, dass sie Anzeichen für ein mögliches zerebrovaskuläres Ereignis wie plötzliche Erschlaffung, Taubheit in Gesicht, Armen oder Beinen sowie Sprach- oder Sehstörungen unverzüglich an den behandelnden Arzt berichten sollen
      • unverzüglich sind alle Behandlungsmöglichkeiten oder ein Abbruch der Therapie in Betracht zu ziehen
  • Thromboembolie-Risiko
    • im Zusammenhang mit der Anwendung von Antipsychotika Fälle von venösen Thromboembolien (VTE) berichtet
    • da Patienten, die mit Antipsychotika behandelt werden, häufig erworbene Risikofaktoren für VTE aufweisen, sollten alle möglichen Risikofaktoren für VTE vor und während der Behandlung mit Pipamperon identifiziert und Präventivmaßnahmen ergriffen werden
  • Kardiovaskuläre Effekte
    • Vorsicht
      • bei Patienten mit kardiovaskulären Erkrankungen wegen der möglichen hypotensiven Effekte
      • bei Patienten mit prolaktinabhängigen Tumoren
    • Vorsicht wegen möglicher QT-Intervall Verlängerung bei
      • Hypotonie, Hypertonie, orthostatischer Dysregulation, Bradykardie, Hypokaliämie, Hypomagnesiämie
      • angeborenem langen QT-Syndrom oder anderen klinisch signifikanten kardialen Störungen (insbes. koronare Herzkrankheit, Erregungsleitungsstörungen, Arrhythmien)
      • gleichzeitiger Behandlung mit Arzneimitteln, die ebenfalls das QT-Intervall verlängern oder eine Hypokaliämie hervorrufen können
  • Malignes Neuroleptisches Syndrom (MNS)
    • wie bei anderen Antipsychotika wurde Pipamperon mit Fällen eines Malignen Neuroleptischen Syndroms (MNS) in Zusammenhang gebracht
      • seltene, spezifische Reaktion, die durch Hyperthermie, generalisierte Muskelrigidität, vegetative Instabilität und Bewusstseinsstörungen charakterisiert ist
      • Hyperthermie tritt häufig als frühes Anzeichen dieses Syndroms auf
    • im Falle eines Auftretens des Malignen Neuroleptischen Syndroms sollte die antipsychotische Therapie umgehend abgebrochen werden und eine entsprechende unterstützende Therapie sowie eine sorgfältige Überwachung erfolgen
  • Tardive Dyskinesie
    • wie bei allen antipsychotischen Arzneimitteln können tardive Dyskinesien bei manchen Patienten unter Langzeittherapie oder nach Absetzen der Therapie auftreten
    • das Syndrom ist hauptsächlich gekennzeichnet durch rhythmische, unfreiwillige Bewegungen von Zunge, Gesicht, Mund oder Kiefer
      • Symptome können fortbestehen und scheinen bei einigen Patienten irreversibel zu sein
    • Syndrom kann verschleiert werden
      • wenn die Therapie wieder aufgenommen wird
      • wenn die Dosierung erhöht
      • wenn auf ein anderes Antipsychotikum umgestellt wird
    • Behandlung sollte umgehend beendet werden
  • Extrapyramidale Symptome
    • wie bei allen Neuroleptika können extrapyramidale Symptome wie Tremor, Rigidität, Hypersalivation, Bradykinese, Akathisie, akute Dystonie auftreten
      • Auftreten von extrapyramidalen Effekten proportional zur Dosis, variiert aber sehr von Patient zu Patient
    • insbesondere ältere Patienten können sensibel sein
      • empfohlen, bei diesen Patienten mit niedrigen Dosen, z.B. der Hälfte der initialen Erwachsenendosis, einschleichend zu beginnen und diese langsam bei regelmäßiger Blutdruckkontrolle zu steigern
    • Dosisreduktion, falls möglich, oder die Verabreichung anticholinerger Medikation hilft bei der Kontrolle der Symptome
  • Krampfanfälle / Konvulsionen
    • Pipamperon kann die Krampfschwelle senken
    • bestehende Antiepileptika-Therapie ggf. entsprechend anpassen
  • Schwerwiegende immunologische Hautreaktionen
    • toxische epidermale Nekrolyse (TEN) und/oder dem Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) in sehr seltenen Fällen berichtet
  • Endokrine Effekte
    • hormonale Effekte schließen Hyperprolaktinämie, Galaktorrhö, Gynäkomastie und Oligo- oder Amenorrhö ein
  • Therapie bei bestehender Depression
    • wie alle antipsychotischen Substanzen sollte Dipiperon bei einer bestehenden Depression nicht alleine gegeben werden
    • kann mit Antidepressiva kombiniert werden, um solche Zustände zu behandeln, bei denen eine Depression kombiniert mit einer Psychose auftritt