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Fachinformationen

Indikation

  • Behandlung der Hyperkaliämie

Dosierung

Basiseinheit: 15 g Granulat enthalten 13,2 g Poly(styrol-co-divinylbenzol)sulfonsäure (92:8), Natriumsalz (1 gestrichener Messlöffel entspricht ca. 5 g Granulat)

  • Hyperkaliämie
    • Dosierung individuell und nach täglicher Kontrolle der Serum-Kaliumspiegel festlegen
    • orale Anwendung
      • 15 g Granulat 1 - 4mal / Tag
    • rektale Anwendung
      • 30 g Granulat 1 - 2mal / Tag
      • Einlauf ggf. wiederholen
    • Behandlungsdauer
      • richtet sich nach dem Kaliumspiegel im Blut (täglich bestimmen)
      • Kaliumwert < 5 mmol / l: Präparat absetzen

Dosisanpassung

  • Neugeborene und Kinder
    • 0,5 - 1 g Granulat / kg Körpergewicht / Tag, verteilt auf mehrere Einzeldosen
    • Erhaltungstherapie: 0,5 g Granulat / kg KG / Tag
  • ältere Patienten
    • keine Dosisanpassung erforderlich
  • Patienten mit eingeschränkter Nieren- und Leberfunktion
    • keine Dosisanpassung erforderlich

Kontraindikationen

Polystyrolsulfonat - rektal
  • Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff Polystyrolsulfonat (Poly(styrol-codivinylbenzol)sulfonsäure)
  • Hypokaliämie, Serum-Kaliumspiegel < 5 mmol/l
  • stenosierende Darmerkrankungen
  • eingeschränkte Darmmotilität
  • bei Anwendung von Natriumpolystyrolsulfonat:
    • kontraindiziert bei Hypernatriämie
    • kontraindiziert bei erheblicher Natriumretention
    • bei stark erhöhtem Blutdruck sollte Natriumpolystyrolsulfonat wegen der erhöhten Natriumaufnahme nur mit entsprechender Vorsicht und unter begleitender Kontrolle gegeben werden
  • bei Anwendung von Calciumpolystyrolsulfonat:
    • kontraindiziert bei Hyperkalzämie (z.B. bei Hyperparathyreoidismus, Sarkoidose, Plasmozytom oder metastasierendes Karzinom mit gleichzeitiger Niereninsuffizienz)

Therapiehinweise

Mit Flüssigkeit einnehmen.

Nebenwirkungen

Polystyrolsulfonat - rektal
  • Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Hypokaliämie, einschließlich deren klinischer Manifestationen
      • Hypernatriämie, einschließlich deren klinischer Manifestationen (bei Anwendung von Natriumustauscherharzen)
      • Hypomagnesiämie
      • Hypokalzämie
      • Hyperkalzämie (bei Anwendung von Calciumaustauscherharzen)
        • bei Dialysepatienten, die Calciumaustauscher erhalten, sowie bei Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz beobachtet worden
        • obgleich viele Patienten mit chronischer Niereninsuffizienz niedrige Serum-Calcium- und hohe Serum- Phosphatspiegel haben, wird bei einigen Patienten ein plötzlicher Anstieg des Serum- Calciums nach der Behandlung beobachtet
  • Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • gastrointestinale Ischämien und ischämische Kolitis
      • Ulzerationen und Nekrosen des Gastrointestinaltrakts, die zur Perforation führen können
        • Fälle mit tödlichem Ausgang berichtet, die mehrheitlich mit einer gleichzeitigen Anwendung von Sorbitol assoziiert waren
      • Magen-Darm-Unverträglichkeit
      • Appetitlosigkeit
      • Übelkeit
      • Erbrechen
      • Diarrhö
      • Obstipation
        • besonders bei Kindern Fälle von massiver Obstipation nach rektaler Verabreichung und Fälle von Magen-Darm-Konkrementen nach oraler Verabreichung beobachtet
      • gastrointestinale Stenosen und Obstruktionen
        • möglicherweise lag diesen Fällen eine gleichzeitig bestehende Erkrankung oder eine ungenügende Verdünnung der Suspension zugrunde
      • Hämatochezien (Blutstühle)
        • bei Frühgeborenen und Neugeborenen mit geringem Geburtsgewicht unter der Anwendung von Kationenaustauscherharzeinläufen beobachtet
        • Zusammenhang mit gleichzeitig verabreichtem Sorbitol als ursächlichem Faktor kann nicht ausgeschlossen werden

Anwendungshinweise

  • Granulat zur Herstellung einer Suspension für die orale oder rektale Anwendung
    • orale Gabe der rektalen aufgrund der besseren Wirksamkeit vorziehen
    • schnellerer Wirkungseintritt bei rektaler Anwendung (zu Beginn der Behandlung empfehlenswert, beide Anwendungsarten zu nutzen)
  • Suspension unmittelbar vor Gebrauch herstellen und nicht > 24 Stunden aufbewahren
  • Granulat zunächst mit einer kleinen Menge Wasser anrühren und durchmischen, erst nachfolgend die angegebenen Flüssigkeitsmengen zusetzen
  • dem Ionenaustauscher-Arzneimittel kein Sorbitol beifügen und nicht gleichzeitig mit Sorbitol anwenden
  • für die Dauer der Behandlung kaliumarme, aber kalorienreiche Diät empfohlen
  • Orale Gabe
    • Granulat in ca. 100 ml Wasser aufrühren und sofort trinken
    • keine Fruchtsäfte für Zubereitung oder zum Nachspülen verwenden (zur Geschmacksverbesserung Zusatz von Honig, Sirup oder Süßstoff möglich)
    • Einnahme möglichst in sitzender Haltung (vermeiden, dass Partikel aspiriert werden)
    • Patienten mit Magensonde: mit Sondennahrung verabreichen
      • Granulat in etwa 100 ml Wasser aufrühren
      • Suspension der Sondennahrung zufügen
      • bei Verabreichung darauf achten, dass die Sonde nicht verstopft
  • Rektale Verabreichung
    • v. a. für Patienten mit Erbrechen oder Problemen im oberen Gastrointestinaltrakt
    • als Verweilklysma
    • Granulat in 150 - 250 ml körperwarmer Flüssigkeit (Wasser oder 10%ige wässrige Glucoselösung) geben
    • Patient sollte Klysma möglichst lange (mind. 9 Stunden) halten
      • ist dies nicht möglich: Klysma mit der gleichen Menge Substanz häufiger wiederholen
    • zur Entfernung des Granulats eine Darmspülung mit ca. 2 l körperwarmem Leitungswasser vornehmen (u. a. zur Vermeidung einer Obstipation)
  • Neugeborene und Kinder
    • bei Neugeborenen keine orale Verabreichung
    • rektale Anwendung nur mit besonderer Vorsicht
    • Granulat in einer 10%igen wässrigen Lösung von Dextrose (Glucose) suspendieren
    • zum Entfernen des Ionenaustauschers Darmspülungen mit warmem Leitungswasser vornehmen (vgl. Erwachsene)

Stillzeithinweise

Polystyrolsulfonat - rektal
  • darf während der Stillzeit nicht angewendet werden, es sei denn, dass die Behandlung auf Grund des klinischen Zustandes der Frau erforderlich ist
    • Entscheidung muss darüber getroffen werden, ob das Stillen zu unterbrechen ist oder ob auf die Behandlung verzichtet werden soll / die Behandlung zu unterbrechen ist; dabei sowohl Nutzen des Stillens für das Kind als auch der Nutzen der Therapie für die Frau berücksichtigen
  • bisher keine oder nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung bei Stillenden vorliegend
  • nicht bekannt ob Polystyrolsulfonat und Metabolite in die Muttermilch übergehen
  • Risiko für das Neugeborene kann nicht ausgeschlossen werden

Schwangerschaftshinweise

Polystyrolsulfonat - rektal
  • darf während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, dass die Behandlung auf Grund des klinischen Zustandes der Frau erforderlich ist
  • Anwendung bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten, nicht empfohlen
  • bisher keine oder nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung bei Schwangeren vorliegend
  • keine tierexperimentellen Studien in Bezug auf eine Reproduktionstoxizität vorliegend
  • das potenzielle Risiko für den Menschen ist nicht bekannt
  • Fertilität
    • keine Daten vorliegend

Warnhinweise

Polystyrolsulfonat - rektal
  • Sorbitol
    • unter der Behandlung, insbesondere bei Patienten, die gleichzeitig Sorbitol anwenden, gastrointestinale Stenosen und intestinale Ischämien berichtet worden, mitunter verbunden mit Nekrosen und Perforationen als Komplikationen
      • Fälle mit fatalem Ausgang berichtet
    • Polystyrolsulfonat sollte daher nicht gleichzeitig mit Sorbitol angewendet werden
  • zeitliche Verzögerung
    • Wirkung von Kationenaustauscherharzen wie Polystyrolsulfonat setzt mit zeitlicher Verzögerung ein
    • bei der Behandlung einer lebensbedrohlichen Hyperkaliämie stehen daher sofort wirksame therapeutische Maßnahmen wie Glucose/Insulin-, Calciumgluconat- oder NaHCO3-Infusionen im Vordergrund
  • vor der Anwendung
    • sind der Elektrolythaushalt und der SäureSäure-Basen-Haushalt, der Herzrhythmus und die Nierenfunktion zu kontrollieren
  • bei der Therapie müssen zur Vermeidung einer Hypokaliämie tägliche Kontrollen der Serum-Kalium- und Serum-Natriumspiegel vorgenommen werden
    • sobald der Kaliumspiegel 5 mmol/l erreicht hat, muss das Präparat abgesetzt werden
  • Herzglykoside
    • Vorsicht bei digitalisierten Patienten: der gesenkte Kaliumspiegel verstärkt die Wirkung und v.a. die Nebenwirkungen der Herzglykoside
  • Vorsicht bei gleichzeitiger Gabe von Schleifendiuretika
  • Calcium
    • zur Vermeidung einer Hypokalzämie sind über mehrere Tage Messungen der Calciumspiegel erforderlich
      • ggf. Calciumausgleich notwendig
    • bei Anwendung eines Calciumaustauscherharzes: zur Vermeidung einer Hyperkalzämie müssen wöchentliche Kontrollen der Serum-Calciumspiegel vorgenommen werden
  • Flüssigkeitsbilanz
    • wenn mit Flüssigkeitsansammlungen im Gewebe gerechnet werden muss, sorgfältige Überprüfung der Flüssigkeitsbilanz mit Drosselung der Flüssigkeitszufuhr angezeigt
  • Herzinsuffizienz
    • Vorsicht bei drohender oder bestehender akuter Herzinsuffizienz: in derartigen Fällen ist die Flüssigkeitsaufnahme insgesamt einzuschränken
  • Nierenversagen
    • Vorsicht bei chronischem und akutem Nierenversagen: Gefahr der Ödembildung, von Hypertonie und Herzinsuffizienz durch Rückhaltung des beim Austauschvorgang frei gewordenen und aufgenommenen Natriums
    • tägliche Kontrolle des Natriumspiegels angezeigt
  • Blutdruck
    • bei stark erhöhtem Blutdruck sollte Polystyrolsulfonat wegen der erhöhten Natriumaufnahme mit entsprechender Vorsicht und unter begleitender Kontrolle gegeben werden
  • Hypomagnesiämie, Hypokalzämie
    • da das Austauscherharz keine absolute Selektivität für Kalium aufweist, besteht Möglichkeit einer Hypomagnesiämie oder Hypokalzämie
    • Elektrolytspiegel sollten kontrolliert werden
  • Obstipation
    • beim Auftreten von klinisch bedeutsamer Obstipation sollte die Behandlung mit bis zur Normalisierung der Verdauung unterbrochen werden
    • Magnesiumhaltige Abführmittel vermeiden
    • bei Neigung zu chronischer Obstipation igleichzeitige Einnahme eines Laxans empfehlenswert
  • Bindung anderer oral angewendeter Arzneimittel
    • Polystyrolsulfonat kann an andere oral angewendete Arzneimittel binden, wodurch deren gastrointestinale Resorption und Wirksamkeit vermindert werden kann
      • gleichzeitige Anwendung mit anderen oralen Arzneimitteln vermeiden
    • Applikation von Polystyrolsulfonat hat mit mind. 3 Stunden Abstand vor oder nach anderen oralen Arzneimitteln zu erfolgen
      • bei Patienten mit Gastroparese sollte ein zeitlicher Abstand von 6 Stunden in Betracht gezogen werden
  • Kinder
    • bei Neugeborenen und Kindern sollte die rektale Verabreichung nur mit besonderer Vorsicht erfolgen, da eine Überdosierung oder unzureichende Verdünnung zu einer Ablagerung des Harzes im Darm führen könnte
    • bei Frühgeborenen und Neugeborenen mit niedrigem Geburtsgewicht sollte auf Grund des Risikos von Blutungen des Verdauungstraktes und Nekrosen des Kolons die rektale Verabreichung nur mit besonderer Vorsicht erfolgen
  • Natriumbelastung durch das Präparat beachten