GLIANIMON

Desitin Arzneimittel GmbH
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Wirkstoff: Benperidol →

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Fachinformationen

Indikation

  • akute psychotische Syndrome mit Wahn, Halluzinationen, Denk-Störungen und Ich-Störungen; katatone Syndrome; delirante und andere exogen-psychotische Syndrome
  • chronisch verlaufende endogene und exogene Psychosen (zur Symptomsuppression)
  • maniforme Syndrome
  • psychomotorische Erregungszustände

Dosierung

Basiseinheit: 1 Ampulle mit 2 ml Injektionslösung enthält 2 mg Benperidol

  • akute psychotische Syndrome mit Wahn, Halluzinationen, Denk-Störungen und Ich-Störungen; katatone Syndrome; delirante und andere exogen-psychotische Syndrome; chronisch verlaufende endogene und exogene Psychosen (zur Symptomsuppression); maniforme Syndrome; psychomotorische Erregungszustände
    • allgemein
      • Dosierung, Darreichungsform und Dauer der Anwendung an Indikation, Schwere der Krankheit und individuelle Reaktionslage anpassen
      • sobald der Krankheitsverlauf es zulässt, von parenteralen auf orale Darreichungsformen übergehen
      • bei gleichzeitiger Behandlung mit Lithium und Benperidol: beide Arzneimittel so niedrig wie möglich dosieren
      • angeführte Tagesdosen dienen als Richtwerte
      • Tagesdosis kann auf 3 Einzeldosen verteilt werden
        • höheren Dosierungen: häufigere Einzeldosen
      • ambulante Therapie: mit niedriger Dosierung beginnen, langsam steigern
      • stationäre Behandlung: mit höheren Anfangsdosen kann ein rascherer Wirkungseintritt erzielt werden
      • abrupte Dosisänderungen erhöhen das Nebenwirkungsrisiko
      • nach längerfristiger Therapie: Dosisabbau in sehr kleinen Schritten über große Zeiträume
      • antipsychotische Wirkung erreicht manchmal erst nach 1 - 3wöchiger Behandlung ihr Maximum, psychomotorisch dämpfende Wirkung tritt sofort ein
      • bei therapieresistenten Fällen ist auch eine höhere Dosierung möglich
    • akute psychotische und katatone sowie delirante und exogen-psychotische Syndrome und maniformes Syndrom
      • initial
        • 1 - 3 Ampullen (2 - 6 ml bzw. 2 - 6 mg Benperidol) / Tag
        • max. Tagesdosis: 40 mg Benperidol
      • Erhaltungsdosis, nach Abklingen der akuten Symptome
        • 1 - 6 mg Benperidol / Tag oral, entsprechend 0,5 - 3 ml Lösung / Tag
    • psychomotorische Erregungszustände
      • initial
        • 0,5 - 1,5 Ampullen (1 - 3 ml bzw. 1 - 3 mg Benperidol) / Tag
        • max. Tagesdosis: 40 mg Benperidol
      • Erhaltungsdosis, nach Abklingen der akuten Symptome
        • 1 - 6 mg Benperidol / Tag oral, entsprechend 0,5 - 3 ml Lösung / Tag
    • Dauer der Behandlung
      • abhängig vom Krankheitsbild und vom individuellen Krankheitsverlauf
      • Anstreben der niedrigsten notwendigen Erhaltungsdosis
      • über die Notwendigkeit einer Fortdauer der Behandlung ist laufend kritisch zu entscheiden

Dosisanpassung

  • ältere Patienten
    • i. d. R. erzielen bereits niedrigere Tagesdosen die gewünschte Wirkung
    • initial, bei allen Indikationen
      • 0,3 - 3 mg Benperidol / Tag
  • Kinder und Jugendliche (< 18 Jahre)
    • keine ausreichenden Studien zu Wirksamkeit und Verträglichkeit
    • Anwendung nur unter besonderer Berücksichtigung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses
  • Leberinsuffizienz
    • Anwendung nur unter besonderer Vorsicht

Kontraindikationen

Benperidol - invasiv
  • Überempfindlichkeit gegen Benperidol oder andere Butyrophenone
  • Parkinson-Syndrom
  • aus der Anamnese bekanntes malignes Neuroleptika-Syndrom nach Benperidol

Therapiehinweise

Ausschleichend dosieren.

Nebenwirkungen

Benperidol - invasiv
  • Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Blutbildungsstörungen in Form einer Leukopenie
  • Erkrankungen des Immunsystems
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • allergische Hautreaktionen (z.B. Juckreiz)
  • Endokrine Erkrankungen
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Diabetes mellitus
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Gewichtszunahme
      • Erhöhung des Blutzuckerspiegels
      • Hyperprolaktinämie, mit den Symptomen:
        • Amenorrhoe
        • Galaktorrhoe
        • Brustvergrößerung
        • Abnahme von Libido
        • Potenzstörungen
  • Erkrankungen des Nervensystems
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • extrapyramidalmotorische Symptome
        • Frühdyskinesien (v.a. in den ersten Tagen und Wochen)
        • Parkinson-Syndrom (im Allgemeinen weniger früh)
        • Akathisie (im Allgemeinen weniger früh)
        • Spätdyskinesien (nach zumeist längerer und hochdosierter Therapie oder nach Abbrechen der Therapie)
          • anhaltende, vielfach irreversible hyperkinetische Syndrome mit abnormen unwillkürlichen Bewegungen v.a. im Bereich von Kiefer- und Gesichtsmuskulatur, aber auch athetoide und ballistische Bewegungen der Extremitäten
          • bei langandauernder Behandlung mit Benperidol können Spätdyskinesien maskiert werden und dann erst nach Beendigung der Behandlung in Erscheinung treten
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Schwindel
      • Lethargie
      • Kopfschmerzen
      • depressive Verstimmungen (insbesondere bei Langzeittherapie)
      • Erregungszustände
      • delirante Symptome
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • malignes Neuroleptika-Syndrom
        • unter der Behandlung mit Neuroleptika kann es zu einem lebensbedrohlichen malignen Neuroleptika-Syndrom kommen (Fieber > 40°C, Muskelstarre, vegetative Entgleisung mit Herzjagen und Bluthochdruck, Bewusstseinstrübung bis zum Koma), das ein sofortiges Absetzen der Medikation erfordert
          • intensivmedizinische Maßnahmen erforderlich
        • Häufigkeit dieses Syndroms wird mit 0,07 - 2,2% angegeben
  • Herzerkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • reflektorische Beschleunigung der Herzfrequenz (insbesondere zu Beginn der Behandlung)
      • Verlängerung des QT-Intervalls
      • ventrikuläre Arrythmien
  • Gefäßerkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Hypotonie bzw. orthostatische Dysregulation
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Thromboembolien (einschließlich Fälle von Lungenembolie und Fällen von tiefer Venenthrombose)
  • Leber- und Gallenerkrankungen
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • passagere Erhöhungen der Leberenzymaktivitäten
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • cholestatische Hepatose
  • Schwangerschaft, Wochenbett und perinatale Erkrankungen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Arzneimittelentzugssyndrom des Neugeborenen
  • Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • Müdigkeit

Anwendungshinweise

  • intramuskuläre (i.m.) oder intravenöse (i.v.) Applikation
    • bei Behandlung mit Antikoagulanzien oder schweren Blutgerinnungsstörungen: keine i. m. Injektion!
  • sobald der Krankheitsverlauf es zulässt: auf orale Darreichungsformen übergehen
  • nach Anbruch restliche Injektionslösung verwerfen

Stillzeithinweise

Benperidol - invasiv
  • unter Benperidol-Behandlung sollte nicht gestillt werden
  • Benperidol geht in die Muttermilch über
  • extrapyramidale Symptome bei gestillten Kindern beobachtet

Schwangerschaftshinweise

Benperidol - invasiv
  • Eintritt einer Schwangerschaft während der Behandlung mit Benperidol sollte nach Möglichkeit vermieden werden
    • vor Beginn der Behandlung sollte Schwangerschaftstest vorgenommen werden
    • während der Behandlung geeignete schwangerschaftsverhütende Maßnahmen durchführen
  • sollte Behandlung während der Schwangerschaft erforderlich werden, müssen Nutzen und Risiko sorgfältig gegeneinander abgewogen werden
    • da keine Untersuchungen zur Anwendung von Benperidol in der Schwangerschaft vorliegen
  • tierexperimentelle Studien
    • tierexperimentelle Studien mit vergleichbaren Arzneimitteln haben Hinweise auf Fruchtschädigungen ergeben
  • Neugeborene, die während des 3. Trimenons der Schwangerschaft gegenüber Antipsychotika (einschließlich Benperidol) exponiert sind
    • sind durch Nebenwirkungen einschließlich extrapyramidaler Symptome und/oder Entzugserscheinungen gefährdet, deren Schwere und Dauer nach der Entbindung variieren können
    • Berichte über Agitiertheit, erhöhten oder erniedrigten Muskeltonus, Tremor, Somnolenz, Atemnot oder Störungen bei der Nahrungsaufnahme
      • Neugeborene dementsprechend sorgfältig überwachen

Warnhinweise

Benperidol - invasiv
  • Benperidol darf nur unter besonderer Vorsicht angewendet werden bei:
    • akuten Intoxikationen durch Alkohol, Opioide, Hypnotika oder zentraldämpfende Psychopharmaka
    • Leberinsuffizienz
    • prolaktinabhängigen Tumoren, z.B. Mammatumoren
    • schwerer Hypotonie bzw. orthostatischer Dysregulation
    • depressiver Erkrankung
    • Erkrankungen des hämatopoetischen Systems
    • hirnorganischen Erkrankungen und Epilepsie
    • Hyperthyreose
    • Hypokaliämie
    • Bradykardie
    • angeborenem langen QT-Syndrom oder anderen klinisch signifikanten kardialen Störungen (insbesondere Erregungsleitungsstörungen, Arrhythmien)
  • Kinder und Jugendliche (< 18 Jahre)
    • keine ausreichenden Studien zur Wirksamkeit und Verträglichkeit
    • Benperidol sollte nur unter besonderer Berücksichtigung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses verordnet werden
  • besondere Vorsicht bei
    • Patienten mit neurologisch erkennbaren subkortikalen Hirnschäden und Neigung zu Krampfanfällen (anamnestisch, bei Alkoholentzug)
      • besondere Vorsicht, da Benperidol die Schwelle für das Auftreten von Krampfanfällen senkt und Grand-mal-Anfälle auftreten können
      • Epileptiker sollten nur unter Beibehaltung der antikonvulsiven Therapie behandelt werden
    • Patienten mit organischen Hirnschäden, arteriosklerotischen Hirngefäßerkrankungen und depressiver Erkrankung
  • erhöhte Mortalität bei älteren Menschen mit Demenzerkrankungen
    • Benperidol ist nicht zur Behandlung von Verhaltensstörungen, die mit Demenz-Erkrankungen zusammenhängen, zugelassen
    • Daten zweier großer Anwendungsstudien zeigten, dass ältere Menschen mit Demenz-Erkrankungen, die mit konventionellen (typischen) Antipsychotika behandelt wurden, einem leicht erhöhten Mortalitätsrisiko im Vergleich zu nicht mit Antipsychotika Behandelten ausgesetzt sind
      • genaue Höhe dieses Risikos kann nicht angegeben werden
      • Ursache für die Risikoerhöhung nicht bekannt
  • erhöhtes Risiko für das Auftreten von unerwünschten cerebrovaskulären Ereignissen
    • in randomisierten, placebokontrollierten klinischen Studien mit an Demenz erkrankten Patienten, die mit einigen atypischen Antipsychotika behandelt wurden, ein etwa um das dreifache erhöhtes Risiko für unerwünschte cerebrovaskuläre Ereignisse beobachtet
      • Mechanismus, der zu dieser Risikoerhöhung führt, unbekannt
      • kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese Wirkung auch bei der Anwendung anderer Antipsychotika oder bei anderen Patientengruppen auftritt
    • Benperidol sollte daher bei Patienten, die ein erhöhtes Schlaganfallrisiko haben, mit Vorsicht angewendet werden
  • Thromboembolie-Risiko
    • im Zusammenhang mit der Anwendung von Antipsychotika Fälle von venösen Thromboembolien (VTE) beobachtet
    • da Patienten, die mit Antipsychotika behandelt werden, häufig erworbene Risikofaktoren für VTE aufweisen, sollten alle möglichen Risikofaktoren für VTE vor und während der Behandlung identifiziert und Präventivmaßnahmen ergriffen werden
  • extrapyramidalmotorische Symptome
    • Spätdyskinesien
      • anscheinend ältere Patienten, insbesondere ältere Frauen, besonders dafür prädisponiert, obgleich die Prävalenz von Spätdyskinesien noch nicht hinreichend erforscht ist
      • Risiko der Spätdyskinesien (besonders das der Irreversibilität) nimmt vermutlich mit der Therapiedauer und der Höhe der neuroleptischen Dosierung zu
        • allerdings kann sich eine Spätdyskinesie auch nach kurzer Behandlungsdauer und niedriger Dosierung entwickeln
      • neuroleptische Behandlung selbst kann die Symptome einer beginnenden Spätdyskinesie zunächst maskieren
        • nach Absetzen der Medikation tritt diese dann sichtbar in Erscheinung
      • Manifestation von Spätdyskinesien nach zumeist längerer und hochdosierter Therapie oder nach Abbrechen der Therapie
        • anhaltende, vielfach irreversible hyperkinetische Syndrome mit abnormen unwillkürlichen Bewegungen vor allem im Bereich von Kiefer- und Gesichtsmuskulatur
        • athetoide und ballistische Bewegungen der Extremitäten
        • gesicherte Therapie dieser Symptome ist derzeit nicht bekannt
      • bei langandauernder Behandlung mit Benperidol können Spätdyskinesien maskiert werden und dann erst nach Beendigung der Behandlung in Erscheinung treten
      • auf erste dyskinetische Anzeichen, vorwiegend im lingualen und digitalen Bereich, unbedingt achten
        • Beendigung der Neuroleptikatherapie erwägen
    • beim Auftreten von Frühdyskinesien oder Parkinson-Syndromen (Nebenwirkungen)
      • Dosisreduktion bzw. Behandlung mit einem anticholinergen Antiparkinsonmittel erforderlich
        • diese Medikation sollte jedoch nur im Bedarfsfall und nicht routinemäßig durchgeführt werden
      • falls Antiparkinson-Medikation erforderlich ist, deren Exkretion schneller erfolgt als diejenige von Benperidol, kann es zur Vermeidung des Auftretens oder der Verschlechterung extrapyramidalmotorischer Symptome notwendig sein, diese Antiparkinson-Medikation auch nach dem Absetzen von Benperidol weiterzuführen
      • auf den möglichen Anstieg des Augeninnendrucks bei gleichzeitigem Verabreichen von Benperidol und anticholinergen Medikamenten inklusive Antiparkinson-Medikamenten achten
    • beim Auftreten von Akathisie (Nebenwirkung)
      • Behandlung der Akathisie ist schwierig
      • zunächst kann Dosisreduktion versucht werden, bei Erfolglosigkeit kann ein Therapieversuch mit Sedativa, Hypnotika oder Beta-Rezeptorenblockern durchgeführt werden
  • malignes Neuroleptika-Syndrom
    • bei Auftreten von hohem Fieber und Muskelstarre an malignes Neuroleptika-Syndrom denken, welches nicht selten als Katatonie fehldiagnostiziert wird
    • Differentialdiagnose von entscheidender Bedeutung, da hier eine erneute Neuroleptikum-Gabe lebensbedrohliche Konsequenzen haben kann, ist die Differentialdiagnose von entscheidender Bedeutung
      • Medikamentenanamnese
      • Prüfung auf Rigor, Fieber und CK-Anstieg in Blut und Harn
  • Patienten mit Hyperthyreose, Thyroxin
    • da Thyroxin die Nebenwirkungsrate steigern kann, sollten Patienten mit Hyperthyreose nur bei gleichzeitiger adäquater Therapie mit Benperidol behandelt werden
  • Kontrollen
    • Blutbild, Leberfunktion und Kreislaufsituation während der Therapie in regelmäßigen Abständen überwachen
    • Ausgangs-EEG und -EKG sollte für spätere Verlaufskontrollen vorliegen
  • Behandlung mit Antikoagulanzien
    • bei Behandlung mit Antikoagulanzien (blutgerinnungshemmende Arzneimittel) oder schweren Blutgerinnungsstörungen darf das Präparat nicht intramuskulär injiziert werden