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Fachinformationen

Indikation

  • Therapie der Schilddrüsenüberfunktion
  • diagnostische Indikation: Blockade der Schilddrüse bei szintigraphischen Untersuchungen anderer Organe mit radioaktiv markiertem Iod
  • diagnostische Indikation: Immunszintigraphien zur Tumorsuche mit radioiodmarkierten Antikörpern
  • diagnostische Indikation: Nachweis eines angeborenen Defektes der Iodorganifikation (Perchlorat-Discharge-Test)

Dosierung

Basiseinheit: 1 ml Lösung (ca. 15 Tropfen) enthält 300 mg Natriumperchlorat

  • Therapie Schilddrüsenüberfunktion
    • Erwachsene
      • Initialdosis in den ersten 1 - 2 Wochen: 10 Tropfen 4 - 5 mal / Tag (entsprechend 800 - 1000 mg Natriumperchlorat)
        • in Ausnahmefällen: 15 Tropfen 5 mal / Tag (entspr. 1500 mg Natriumperchlorat)
      • mittlere Erhaltungsdosis: 5 Tropfen 4mal / Tag (entsprechend 400 mg Natriumperchlorat)
    • Kinder (6 - 14 Jahre)
      • Dauerdosis: 1 Tropfen 3 - 6 mal / Tag oder 2 Tropfen 4 - 6 mal / Tag (entsprechend 60 - 240 mg Natriumperchlorat)
    • Behandlungsdauer:
      • entsprechend klinischem Bild
      • entsprechend therapiebegleitenden Funktionstests
      • bei ausbleibender Remission trotz 2jähriger thyreostatischer Therapie oder bei bereits vorliegendem Hyperthyreoserezidiv
        • andere altersentsprechende Therapie (Strumaresektion/Radioiodtherapie)
  • diagnostische Indikation: Blockade der Schilddrüse bei szintigraphischen Untersuchungen anderer Organe mit radioaktiv markiertem Iod in Kombination mit Thioharnstoffderivaten
    • 10 - 20 Tropfen (entsprechend 200 - 400 mg Natriumperchlorat) / Tag
      • tägliche Maximaldosis: 50 Tropfen (entsprechend 1000 mg Natriumperchlorat)
    • Behandlungsdauer: zur Absenkung der Strahlenbelastung der Schilddrüse und wegen Rebound-Phänomen
      • 4 Tage vor Nuklidapplikation bis 2 - 3 Wochen nach Nuklidapplikation
  • diagnostische Indikation: Immunszintigraphien zur Tumorsuche mit radioiodmarkierten Antikörpern
    • 10 - 20 Tropfen (entsprechend 200 - 400 mg Natriumperchlorat)
    • in Einzelfällen: max. 50 Tropfen (entsprechend 1000 mg Natriumperchlorat)
  • diagnostische Indikation Nachweis eines angeborenen Defektes der Iodorganifikation (Perchlorat-Discharge-Test)
    • nach Gabe der Radioiod-Tracer-Dosis
      • Erwachsene
        • 30 - 50 Tropfen (entsprechend 600 - 1000 mg Natriumperchlorat) als Einmaldosis
      • Kinder
        • 300 - 600 mg Natriumperchlorat / m2 KOF als Einmaldosis

Kontraindikationen

  • bekannte Überempfindlichkeit gegen Perchlorate
  • restrosternaler Struma
  • bereits zuvor unter Perchlorate-Gabe aufgetretene Blutbildveränderungen, insbesondere
    • Agranulozytose
  • Anwendung während Plummerung zur Operationsvorbereitung

Therapiehinweise

Mit Flüssigkeit einnehmen.

Nebenwirkungen

Nebenwirkungen, wirkstoffbezogenKeine Berücksichtigung des arzneimittelrechtlichen Zulassungsstatus des Präparates

  • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
    • teils flüchtiges Exanthem
    • Übelkeit
    • Brechreiz
    • Mundtrockenheit
    • pharyngitische Reizung
    • Lymphadenopathie
    • Leukopenie
    • Purpura
    • fieberhafte Arthralgie
    • Arzneimittelfieber
  • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
    • anfänglicher Durchfall
    • leichte Muskelkrämpfe
    • Brennen in den Füssen
    • Schwere im Kopf
    • Eosinophilie
    • Juckreiz
    • Ikterus
    • Agranulozytose
      • gewöhnlich rasche und folgenlose Rückbildung nach Absetzen des Perchchlorats
    • schwere toxische Reaktionen
  • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
    • Agranulozytose mit letalem Ausgang
    • Thrombozytopenie mit letalem Ausgang
    • aplastischen Anämie mit letalem Ausgang
    • minimale Albuminurie
    • zumeist ohne bewiesenem Kausalzusammenhang
      • partiell reversibles nephrotisches Syndrom
      • vollständig reversibles nephrotisches Syndrom
      • Haarausfall
      • Akne
      • generalisierte Dermatitis
      • Urticaria
      • arzneimittelbedingte Serumkrankheit
      • Leberschädigung mit akuter Leberdystrophie
      • Ikterus
      • Erythema nodosum mit Fieberschüben
      • antinukleäre Antikörper
      • antierythrozytäre Antikörper
      • Eosinophilie
      • Perforation eines Duodenalulcus
  • ohne Häufigkeitsangabe
    • das Auftreten von Nebenwirkungen ist dosisabhängig
    • bei unverdünnter Einnahme der Tropfen, z.B. bei Kindern
      • starke lokale Reizwirkung mit Symptomen, wie
        • Erbrechen
        • Leibschmerzen
        • Durchfall

Anwendungshinweise

  • Einnahme der Tropfen
    • wegen möglicher gastrointestinaler Nebenwirkungen
      • am besten nach dem Essen
      • mit ausreichend Wasser
    • wegen kurzer Wirkdauer
      • 4 - 6 Einzeldosen verteilt über den Tag

Stillzeithinweise

  • in der Stillzeit (relativ) kontraindiziert
  • Untersuchungen über Ausscheidung von Natriumperchlorat in die Muttermilch nicht vorhanden
  • bei erforderlicher Therapie mit Natriumperchlorat während der Stillzeit Abstillen

Schwangerschaftshinweise

  • in der Schwangerschaft (relativ) kontraindiziert
  • keine ausreichenden Erfahrungen über mögliches Risiko für das Ungeborene vorhanden
  • Übertritt von Natriumperchlorat diaplazentar ungehindert auf den Feten
    • möglicherweise empfindlichere Reaktion der fetalen Schilddrüse auf Thyreostatika als der Schilddrüse Erwachsener

Warnhinweise

  • Therapieüberwachung/Kontrollmassnahmen
    • regelmässige Blutbild-Kontrollen
    • während thyreostatischer Therapie
      • regelmässige und wiederholte Kontrollen der Schilddrüsenfunktion
        • zur Dosisanpassung an die aktuelle Stoffwechsellage
        • zur Vermeidung einer Überdosierung mit möglichen Folgen von
          • Strumawachstum
          • Hypothyreose-Symptomatik
        • zur Vermeidung der Gefahr negativer Auswirkungen einer inadäquat hohen Dosierung, v. a. bei intrathorakaler Struma
  • sonstige Hinweise
    • Radiojod- bzw. 99mTc-Pertechnetat-Aufnahme wird dosisabhängig durch Perchlorat gehemmt
    • TSH-Stimulierbarkeit der Radioiodaufnahme wird durch Perchlorat nicht beeinflusst
    • Absetzen des Arzneimittels
      • mind. 3 Tage vor Anfertigung einer Schilddrüsenszintigraphie oder Radionuklidaufnahmemessung