ISOZID COMP 100MG N

Esteve Pharmaceuticals GmbH
Rezeptpflichtig
Wirkstoff: Isoniazid/Pyridoxin →

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Packungsgröße Menge Apothekenpreis
N2 50 ST 28,96 €
N3 100 ST 41,01 €

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Fachinformationen

Indikation

Erwachsene, Jugendliche und Kinder

  • Chemotherapie aller Formen und Stadien der Tuberkulose
    • immer in Kombination mit anderen antimykobakteriell wirksamen Mitteln
  • Chemoprophylaxe der Tuberkulose
    • bei nichtinfizierten, tuberkulin-negativen Exponierten
  • Chemoprävention der Tuberkulose bei
    • gefährdeten Patienten mit festgestellter Tuberkulinkonversion oder
    • Tuberkulin-Positivität ohne klinische oder sonstige tuberkulose-spezifische Befunde
  • Hinweise
    • fixe Kombination von Isoniazid und Pyridoxin (Vitamin B6)
      • vorzugsweise angezeigt bei Patienten, bei denen
        • Vitamin B6-Mangel vorliegt oder zu erwarten ist
        • ein erhöhtes Risiko für das Auftreten einer Isoniazid-bedingten Neuropathie besteht
      • besondere Risikogruppe für diese Indikationen z. B. mangelernährte Patienten, Patienten mit chronischer Alkoholabhängigkeit, HIV-Patienten, Patienten mit Diabetes oder Niereninsuffizienz sowie Schwangere und Stillende
    • die üblichen und allgemein anerkannten Richtlinien für den angemessenen Gebrauch von antimikrobiellen Wirkstoffen bei der Anwendung berücksichtigen

Dosierung

Basiseinheit: 1 Tablette enthält 100 mg Isoniazid und 20 mg Pyridoxinhydrochlorid

  • Chemotherapie, Chemoprophylaxe und Chemoprävention der Tuberkulose
    • Höhe der Dosierung von Isoniazid abhängig vom KG (Körpergewicht) des Patienten
    • Erwachsene und Jugendliche (> 30 kg KG)
      • 5 (4 - 6) mg / kg KG als Einmaldosis
      • max. Tagesdosis: 300 mg
    • Kinder > 3 Monate - 12 Jahre (</= 30 kg KG)
      • 10 (10 - 15) mg / kg KG als Einzeldosis
      • max. Tagesdosis: 300 mg
    • Kinder < 6 Jahre
      • Einnahme der ermittelten Dosis in von der Apotheke aus den Filmtabletten fachgerecht abgeteilter Menge und Form (zerkleinert und in einer geeigneten Einzeldosis abgefüllt) in Flüssigkeit, breiiger oder halbfester Nahrung empfohlen
      • Dosierungsempfehlungen
        • Gewichtsbereich (kg): > 3,5 bis </= 5
          • Empfohlene Dosis (1mal täglich): 50 mg
        • Gewichtsbereich (kg): > 5 bis </= 7,5
          • Empfohlene Dosis (1mal täglich): 75 mg
        • Gewichtsbereich (kg): > 7,5 bis </= 10
          • Empfohlene Dosis (1mal täglich): 100 mg
        • Gewichtsbereich (kg): > 10 bis </= 15
          • Empfohlene Dosis (1mal täglich): 150 mg
        • Gewichtsbereich (kg): > 15 bis </= 20
          • Empfohlene Dosis (1mal täglich): 200 mg
        • Gewichtsbereich (kg): > 20 bis </= 25
          • Empfohlene Dosis (1mal täglich): 250 mg
        • Gewichtsbereich (kg): > 25 bis </= 30
          • Empfohlene Dosis (1mal täglich): 300 mg
    • Kinder < 3 Monate
      • keine Dosierungsempfehlung, da unzureichende Daten
      • in der klin. Praxis werden Dosierungen von 10 - 15 mg / kg KG / Tag häufig verwendet
      • Jede Tuberkulose im Kindesalter sollte in enger Abstimmung mit erfahrenen Fachzentren versorgt werden
    • Intermittierende Therapie bei Tuberkulose
      • empfohlen, die Medikamente zur Therapie der Tuberkulose täglich über den gesamten Therapiezeitraum zu verabreichen, da dieses Vorgehen eine max. Therapiesicherheit garantiert
      • intermittierende Therapie der Tuberkulose wird für Deutschland nicht empfohlen
      • falls sich tägliche Medikamentengabe aus zwingenden Gründen nicht realisieren lässt, sollte die intermittierende Therapie nur in der Kontinuitätsphase und nur bei HIV-negativen Patienten mit voll medikamentensensibler Tuberkulose und als überwachte Therapie erfolgen
      • Erwachsene
        • 10 (8 - 12) mg / kg KG 3mal / Woche
        • Tagesmaximaldosis: 900 mg
    • Chemoprophylaxe und Chemoprävention der Tuberkulose
      • Chemoprophylaxe sollte (nach Ausschluss einer Tuberkuloseerkrankung) bei allen Kindern bis zum 5. Lebensjahr zeitnah nach Kontakt mit einem infektiösen, an Tuberkulose erkrankten Patienten begonnen werden
      • bei älteren Kindern und Erwachsenen ist prophylaktische Chemotherapie altersunabhängig insbesondere dann zu erwägen, wenn sie eine angeborene, erworbene oder medikamentös induzierte Immunschwäche haben
      • Indikation zur Chemoprävention ist bei Risikopatienten mit einem positiven Tuberkulin- oder IGRA-Testergebnis, bei denen eine behandlungsbedürftige Tuberkulose mittels Thorax-Röntgenaufnahme (TRU) weitgehend ausgeschlossen wurde, gegeben
      • Erwachsene und Jugendliche > 30 kg
        • 5 (4 - 6) mg / kg KG
        • max. 300 mg Isoniazid / Tag
      • Kinder </= 30 kg
        • 10 (10 - 15) mg / kg KG
        • max. 300 mg Isoniazid / Tag
      • Kinder < 6 Jahre
        • es gelten dieselben Dosierungsempfehlungen, wie für die Therapie beschrieben (siehe oben)
        • ebenso gelten die Hinweise auf die Interaktion von Isoniazid mit Getränken bzw. Nahrungsmitteln
    • Dosierung nach Therapieunterbrechung
      • bei Wiederaufnahme der Behandlung nach längerer Unterbrechung muss Isoniazid einschleichend dosiert werden
        • beginnend mit 50 mg / Tag
        • dann Steigerung über 3 - 7 Tage auf 200 - 300 mg / Tag (Erwachsene)
    • Behandlungsdauer
      • im Rahmen der allg. Standardtherapie der Tuberkulose wird Isoniazid in der 8-wöchigen Initialphase mit weiteren antimykobakteriell wirksamen Antiinfektiva (Rifampicin, Pyrazinamid und Ethambutol) kombiniert, in der sich anschließenden 4-monatigen Kontinuitätsphase werden Isoniazid und Rifampicin ohne zusätzliche Kombinationspartner verabreicht
      • Dauer der Anwendung richtet sich grundsätzlich nach dem jeweils verwendeten Therapieschema, das dem Ergebnis der Resistenztestung entsprechend ausgewählt wird
      • alle Therapieregime der Tuberkulose, in denen Isoniazid und/oder Rifampicin nicht über den gesamten Therapiezeitraum gegeben werden können, müssen entsprechend dem modifizierten Kombinationsschema in unterschiedlichem Ausmaß verlängert werden
      • nur zur Chemoprophylaxe und zur Chemoprävention wird Isoniazid als Monosubstanz eingesetzt
        • Chemoprophylaxe erfolgt über 8 - 12 Wochen, danach erneuter IGRA- oder Tuberkulintest
          • beiben die Tests negativ und Patient beschwerdefrei: Isoniazid-Therapie beenden
          • positive Testergebnisse: Therapie muss als Chemoprävention über die Gesamtdauer von 9 Monaten fortgeführt werden

Dosisanpassung

  • eingeschränkte Nierenfunktion
    • leichte bis schwer eingeschränkte Nierenfunktion (Glomeruläre Filtrationsrate (GFR) > 15 ml/min)
      • bei normaler Leberfunktion: Verabreichung in unveränderter Dosis und unverändertem Dosierungsintervall
    • selbst bei GFR von < 15 ml / min wird empfohlene Normaldosis von 300 mg / Tag, die gleichzeitig auch der Tageshöchstdosis entspricht, i.d.R. gut toleriert
    • niereninsuffiziente Langsamacetylierer
      • ggf. verlängerte Plasmahalbwertszeit von Isoniazid, daher Überwachung der Isoniazid-Serumspiegel empfohlen
        • Talspiegel sollten 24 Std. nach letzter Applikation, also vor der nächsten Dosis, unter 1 mg / l liegen
      • Gabe von Isoniazid sollte nach der Dialyse erfolgen
      • Isoniazid wird mäßig durch Hämodialyse (9,2 % der initialen Dosis) und Peritonealdialyse (0,19 l / Std. in den ersten 6 Stunden) entfernt
  • eingeschränkte Leberfunktion
    • hepatische Vorerkrankungen, wie einer überstandenen akuten Hepatitis, positiver Antigen-Antikörper-Nachweis für Hepatitis B und C oder Alkoholabusus
      • Anwendung in normaler Dosierung möglich
      • allerdings wöchentliche bis mehrfach wöchentliche Kontrollen der entsprechenden Laborparameter in den ersten Monaten nötig (erhöhtes Risiko von Leberschäden)
      • einschleichende Dosierung, beginnend mit 50 mg / Tag, welches bis auf 200 - 300 mg / Tag (Erwachsene) über 3 - 7 Tage gesteigert wird, in Betracht ziehen
      • liegen Serumtransaminasewerte bereits vor der Tuberkulosetherapie 3-fach über dem Normwert, Therapie mit nur einem oder zwei hepatotoxischen Antituberkulotika erwägen
    • schwere Leberfunktionsstörungen wie Verschlussikterus, akute Hepatitis, Leberzirrhose (Child Pugh C); vorausgegangene medikamenteninduzierte Hepatitis durch Isoniazid
      • kontraindiziert

Kontraindikationen

Isoniazid, Pyridoxin hydrochlorid - peroral
  • Überempfindlichkeit gegen Isoniazid und/oder Pyridoxinhydrochlorid
  • vorausgegangene medikamenteninduzierte Hepatitis durch Isoniazid
  • schwere Leberfunktionsstörungen wie Verschlussikterus, akute Hepatitis, Leberzirrhose (Child Pugh C)
  • Polyneuropathien
  • Störungen der Hämostase und Hämatopoese

Therapiehinweise

Mit Flüssigkeit einnehmen.

Nebenwirkungen

Isoniazid, Pyridoxin hydrochlorid - peroral
  • Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Eosinophilie
      • Knochenmarksdepression mit z. B. Granulozytopenie
      • Thrombozytopenie
      • Agranulozytose
      • sideroachrestische, hämolytische und megaloblastäre Anämie
      • Pyridoxinmangelanämie
      • Auftreten einer hämorrhagischen Diathese durch Vasculitiden
      • Immunthrombopenien und humorale Gerinnungsstörungen
      • Panmyelopathie (aplastische Anämie)
  • Erkrankungen des Immunsystems
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Exantheme (a u. a. akneiform besonders bei jüngeren Patienten)
      • pellagraähnliche Hautsymptome
      • exfoliative Dermatitis
      • Stevens-Johnson-Syndrom
      • Photosensitivität
      • Fieber
      • Asthma
      • Myalgien und Arthralgien
      • Quincke-Ödem
      • anaphylaktische Reaktionen
      • anaphylaktischer Schock
      • Lupus erythematodes
  • Endokrine Erkrankungen
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Hypoglykämie
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • meist reversible Überfunktion von Nebennierenrinde (Cushing-Syndrom) und Hypophysenvorderlappen (mit Menstruationsstörungen bei der Frau bzw. gonadotropen Störungen/Gynäkomastie beim Mann)
      • psychische Störungen (Reizbarkeit, Ängstlichkeit), Konzentrationsschwäche, Depression, Psychosen (maniform, kataton oder paranoid)
  • Erkrankungen des Nervensystems
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • periphere Polyneuropathie mit Parästhesien
      • Sensibilitätsstörungen
      • Kopfschmerzen
      • Schwindel
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Krampfanfälle
      • Schläfrigkeit
      • Lethargie
  • Augenerkrankungen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Optikusneuritis
      • Diplopie
      • Strabismus
  • Herzerkrankungen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Herzrhythmusstörungen
      • Blutdruck-Dysregulation mit Schwindel
  • Gefässerkrankungen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Vaskulitis
  • Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • acute respiratory distress syndrome (ARDS)
  • Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Gastrointestinale Störungen wie
        • Diarrhoe
        • Obstipation
        • Aufstoßen
        • Völlegefühl
        • Erbrechen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Pankreatitis
  • Leber- und Gallenerkrankungen
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • Anstieg der Transaminasenaktivität
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Hepatitis
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • akute Hepatitis (in schweren Fällen tödlicher Verlauf möglich)
  • Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • toxische epidermale Nekrolyse (TEN)
      • Arzneimittelexanthem mit Eosinophilie und systemischen Symptomen
  • Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Muskelzittern
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Rheumatoide Symptome (Gelenke und Muskulatur)
      • Rhabdomyolyse
  • Erkrankungen der Nieren und Harnwege
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Glomerulonephritis (meist reversibel)

Hinweis

  • Isoniazid-bedingte Nebenwirkungen treten überwiegend alters- und dosisabhängig auf und finden sich häufiger bei „Langsamacetylierern"
  • Pyridoxin (Vitamin B6) ist allgemein gut verträglich, jedoch kann bei chronischer Einnahme hoher Dosen folgendes auftreten
    • periphere Neuropathien
    • Kopfschmerzen

Anwendungshinweise

  • um optimale Resorption zu gewährleisten, Einnahme auf nüchternen Magen (d.h. am besten mind. 1/2 Stunde vor dem Frühstück)
  • bei starken gastrointestinalen Beschwerden wie Erbrechen und Übelkeit: Einnahme mit einer leichten Mahlzeit empfohlen
  • Einnahme mit reichlich Flüssigkeit
  • Kinder < 6 Jahre
    • Einnahme der ermittelten Dosis in Flüssigkeit, breiiger oder halbfester Nahrung empfohlen

Stillzeithinweise

Isoniazid, Pyridoxin hydrochlorid - peroral
  • die Anwendung von Isoniazid plus Pyridoxinhydrochlorid sollte nur nach sorgfältiger Abwägung des Nutzen-Risiko-Verhältnisses erfolgen
  • eine zusätzliche Pyridoxin-Supplementation der Mutter während der Stillzeit wird empfohlen
  • Isoniazid geht in die Muttermilch über
    • bisher wurden keine unerwünschten Wirkungen bei Säuglingen beobachtet
    • die Konzentrationen in der Muttermilch entsprechen den maternalen Blutspiegeln
    • die durch die Milch aufgenommene Isoniazid-Konzentration beim Säugling entspricht etwa 1,2 % der maternalen Dosis

Schwangerschaftshinweise

Isoniazid, Pyridoxin hydrochlorid - peroral
  • Isoniazid
    • wegen der in einzelnen Fällen aufgetretenen Enzephalopathien sollte das Arzneimittel in der Schwangerschaft nur zusammen mit Pyridoxin gegeben werden
    • passiert die Plazenta
    • Daten über eine begrenzte Anzahl von Schwangeren lassen nicht auf schädigende Wirkungen in therapeutischer Dosierung auf die Schwangerschaft oder auf die Gesundheit des Fetus/Neugeborenen schließen
    • über zwei Fälle von Fehlbildungen nach hohen Dosen Isoniazid ist berichtet worden
    • obwohl die allgemeine Fehlbildungsrate nicht erhöht ist, deuten die bekannt gewordenen Anomalien auf Schädigungen des ZNS hin
      • neurotoxische Effekte (Zusammenhang kann nicht ausgeschlossen werden)
    • bisher sind keine anderen einschlägigen epidemiologischen Daten verfügbar
    • Fertilität
      • Humandaten zur Wirkung von Isoniazid auf die Fertilität liegen nicht vor
  • Pyridoxin
    • ist plazentagängig und die fetalen Konzentrationen sind höher als die maternalen
    • tierexperimentelle Studien
      • ist im Tierversuch unzureichend geprüft
      • in einer Embryotoxizitätsstudie an der Ratte ergaben sich keine Hinweise auf ein teratogenes Potential von Pyridoxin
    • Fertilität
      • bei männlichen Ratten führte die Gabe sehr hoher Pyridoxin-Dosen zu Spermatogeneseschäden

Warnhinweise

Isoniazid, Pyridoxin hydrochlorid - peroral
  • Nierenfunktionsstörungen
    • bei leichter bis schwer eingeschränkter Nierenfunktion (GFR < 90 ml/min)
    • das Arzneimittel kann unter der Voraussetzung, dass die Leberfunktion normal ist, in unveränderter Dosierung/Dosierungsintervall verabreicht werden
  • Leberfunktionsstörungen
    • unter der Therapie mit Isoniazid plus Pyridoxinhydrochlorid kann es aufgrund des lebertoxischen Potenzials von Isoniazid zu Leberfunktionsstörungen kommen
    • Generell muss bei der Kombinationstherapie der Tuberkulose die additive hepatotoxische Wirkung der eingesetzten Kombinationspartner beachtet werden
    • Klinische Konsequenzen, wie mögliche Therapieabbrüche oder Therapieanpassungen müssen im Einzelfall entsprechend eingeschätzt werden
    • Während der Behandlung mit Isoniazid plus Pyridoxinhydrochlorid sollten Patienten keinen Alkohol zu sich nehmen
    • folgende Patientengruppen haben ein erhöhtes Risiko für Leberschädigungen (wie z. B. Hepatitis)
      • Ältere und unterernährte Patienten
      • Patienten, die täglich Alkohol konsumieren
      • Patienten mit vorbestehenden bzw. chronischen Leberschäden
    • des Weiteren sollten folgende Patienten genauestens überwacht werden
      • Patienten, die gleichzeitig andere leber bzw. pankreasschädigende Medikamenteeinnehmen
      • Patienten mit Nierenschäden
      • Patienten mit neurologischen und psychiatrischen Erkrankungen
      • Diabetiker
    • die Patienten sollten genau über das Auftreten früher Zeichen von Lebertoxizität oder Pankreastoxizität (Schwächegefühl, Appetitlosigkeit, Übelkeit oder Erbrechen) oder anderer Nebenwirkungen informiert werden
    • zusätzlich sollten Patienten angewiesen werden, sich beim Auftreten jeglicher Anzeichen von Nebenwirkungen unverzüglich an den Arzt zu wenden
    • bei Hinweisen auf Leberschädigungen (z. B. Hepatitis) ist Isoniazid sofort abzusetzen
    • ist eine weitere Behandlung mit Isoniazid erforderlich, darf diese erst nach dem vollständigen Abklingen der Symptomatik und Normalisierung der Parameter erneut begonnen werden
    • in diesem Fall muss Isoniazid zunächst einschleichend dosiert werden
    • bei Wiederauftreten von Anzeichen einer Leberschädigung muss die Anwendung von Isoniazid unverzüglich und endgültig beendet werden
    • während der Behandlung sollten regelmäßig Leberenzym- (einschließl. Cholestaseparameter) und Bilirubinkontrollen durchführen, um Schädigung der Leber frühzeitig zu erkennen
    • Anstieg der Leberblutwerte während der Therapie möglich
    • verbleiben Transaminasenwerte < 100 U/l, kann es trotz Fortsetzung der Therapie zu Normalisierung der Werte kommen
    • bei Zunahme der Transaminasen über 100 U/l, einem Anstieg der Bilirubinkonzentration und entsprechender klinischer Symptomatik ist ein sofortiges Absetzen notwendig
      • da schwere Hepatitiden mit beschriebenen Todesfällen unter Isoniazid beobachtet wurden
      • in Einzelfällen können periphere Neuropathien auftreten (obwohl das Medikament Pyridoxinhydrochlorid (Vitamin B6) zur optimalen Vorbeugung dieser Nebenwirkung enthält)
        • diese bilden sich unter zusätzlicher Verabreichung einer höheren Pyridoxin-Dosis zurück
  • Interaktion von Isoniazid mit anderen Wirkstoffen und Einfluss von Isoniazid auf körpereigene Stoffe
    • CYP450-inhibierende Eigenschaften
    • kann die Anwendung von Isoniazid den Metabolismus zahlreicher anderer Arzneimittel beeinflussen
    • bei Beginn und bei Beendigung einer Isoniazid plus Pyridoxinhydrochlorid-Therapie kann es daher notwendig werden die Dosis gleichzeitig verabreichter Arzneimittel, vor allem solcher mit enger therapeutischer Breite, anzupassen
      • abhängig vom Einfluss des Isoniazids auf deren Metabolismus
  • Vitamin D
    • bei Behandlung mit Isoniazid plus Pyridoxinhydrochlorid kann es zur Reduktion der Vitamin D-Serumspiegel kommen
    • eine prophylaktische Vitamin D-Gabe in üblicher Dosierung sollte in Betracht gezogen werden
    • in diesem Zusammenhang sind entsprechende Kontrollen erforderlich z. B.
      • Serum-Calciumspiegel
      • Serum-Phosphatspiegel
      • Überwachung der Nierenfunktion
  • Paracetamol
    • im Falle einer gleichzeitigen Verabreichung von Isoniazid plus Pyridoxinhydrochlorid und Paracetamol kann es zu einer Leberschädigung durch üblicherweise unschädliche Dosen von Paracetamol kommen
    • die Verabreichung von Paracetamol und Isoniazid plus Pyridoxinhydrochlorid sollte daher nur unter strenger Nutzen-Risiko-Abschätzung erfolgen
  • Antiepileptika
    • Isoniazid kann die Toxizität von antikonvulsiv wirkenden Arzneimitteln erhöhen
    • es kann notwendig sein, bei der gleichzeitigen Gabe von Isoniazid plus Pyridoxinhydrochlorid und Antiepileptika die Dosis der Antiepileptika zu reduzieren
    • die Serumspiegel der Antiepileptika, v.a. von Phenytoin und Carbamazepin, sollten überwacht werden
  • Kontrolle des Blutbildes
    • regelmäßige Blutbildkontrollen müssen ebenfalls durchgeführt werden, da unter Isoniazid plus Pyridoxinhydrochlorid unerwünschte Arzneimittelwirkungen auf Blut und Blutbestandteile auftreten können