Leustatin 10 mg/10 ml Konz.z.Herst.e.Inf.-Lsg.

Atnahs Pharma Nordics A/S
Rezeptpflichtig
Wirkstoff: Cladribin →

Packungsgrößen & Preise

Packungsgröße Menge Apothekenpreis
N1 1X10 ML 507,59 €

Deutschlands medizinische KI – mit Ärzten entwickelt.

Jetzt Fragen zu Medikamenten und Behandlungen stellen. Kostenlos, anonym und ohne Anmeldung.

Jetzt KI fragen

Fachinformationen

Indikation

  • Behandlung der Haarzell-Leukämie (HCL)

Dosierung

Basiseinheit: 1 Durchstechflasche mit 10 ml Konzentrat zur Herstellung einer Infusionslösung enthält 10 mg Cladribin

  • Haarzell-Leukämie
    • 1 Behandlungszyklus
      • 0,09 mg Cladribin / kg / Tag (3,6 mg / m2 / Tag)
      • kontinuierliche intravenöse Infusion über 7 aufeinanderfolgende Tage
    • Behandlungsdauer:
      • 1 Behandlungszyklus
      • bei Nichtansprechen des Patienten auf den initialen Behandlungszyklus Nutzen zusätzlicher Behandlungszyklen unwahrscheinlich
      • begrenzte Erfahrungen deuten jedoch darauf hin, dass bei Patienten, die nach einem anfänglichen Ansprechen einen Rückfall erleiden, zusätzliche Zyklen von Nutzen sein können

Kontraindikationen

Cladribin - invasiv
  • Überempfindlichkeit gegen Cladribin
  • Schwangerschaft und Stillzeit
  • Patienten < 18 Jahre
  • mäßige bis schwere Niereninsuffizienz (Kreatininclearance </= 50 ml/min)
  • mäßige bis schwere Leberinsuffizienz (Child-Pugh-Klassifikation > 6)
  • Gleichzeitige Anwendung anderer knochenmarksuppressiver Arzneimittel

Nebenwirkungen

Cladribin - invasiv
  • Infektionen und parasitäre Erkrankungen
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • Infektionen, einschl.
        • Pneumonie
        • Septikämie
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • septischer Schock
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • opportunistische Infektionen
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • progressive multifokale Leukoenzephalopathie
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Herpes-Infektionen
        • einschl. Herpesretinitis, Herpes zoster
        • Auftreten auch noch mehrere Monate bis Jahre nach einer Therapie mit Cladribin
  • Gutartige, bösartige und unspezifische Neubildungen (einschl. Zysten und Polypen)
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • sekundäre Malignome
      • primäre hämatologische Malignome
  • Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • Panzytopenie/Knochenmarksuppression
      • Neutropenie
      • Thrombozytopenie
      • Anämie
      • Lymphopenie
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • hämolytische Anämie, einschl.
        • autoimmun-hämolytische Anämie
      • febrile Neutropenie
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • aplastische Anämie
      • Hypereosinophilie
      • myelodysplastisches Syndrom
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Amyloidose
  • Erkrankungen des Immunsystems
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • Immunsuppression
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Überempfindlichkeit
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Graft-versus-Host-Reaktion
  • Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • Appetitverlust
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Tumorlyse-Syndrom
      • Kachexie
  • Psychiatrische Erkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Verwirrtheit, einschl.
        • Desorientiertheit
      • Schlaflosigkeit
      • Angstgefühl
  • Erkrankungen des Nervensystems
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • Kopfschmerzen
      • Schwindel
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Benommenheit
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • herabgesetztes Bewusstsein
      • Neurotoxizität
        • einschl.
          • periphere sensorische Neuropathie
          • motorische Neuropathie (Lähmung)
          • Polyneuropathie
          • Paraparese
        • schwere Neurotoxizität wurde nur selten berichtet
      • Somnolenz
      • Parästhesie
      • Lethargie
      • Ataxie
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Apoplex
      • neurologische Sprech- und Schluckstörungen
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Depression
      • epileptische Anfälle
  • Augenerkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Konjunktivitis
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Lidentzündung
  • Herzerkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Tachykardie
      • Myokardischämie
      • Herzgeräusch
      • Hypotonie
      • Epistaxis
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Herzinsuffizienz
      • Herzrhythmusstörungen
      • Vorhofflimmern
      • kardiale Dekompensation
  • Gefäßerkrankungen
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • Purpura
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Petechien
      • Blutungen
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Phlebitis
  • Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • auffällige Atemgeräusche
      • auffällige Geräusche in der Brust
      • Husten
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • pulmonale interstitielle Infiltrate mit vorwiegend infektiöser Ätiologie, einschl.
        • Lungeninfiltration
        • interstitielle Lungenerkrankung
        • Lungenentzündung
        • pulmonale Fibrose
      • Dyspnoe einschl.
        • Belastungsdyspnoe
        • Keuchen
      • Rasselgeräusche
      • Kurzatmigkeit
      • Mukositis
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Pharyngitis
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Lungenembolie
  • Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • Übelkeit
      • Erbrechen
      • Diarrhö
      • Obstipation
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • abdominaler Schmerz, einschl.
        • Bauchbeschwerden
        • Bauchschmerz
        • Unter- oder Oberbauchschmerz
      • gastrointestinale Schmerzen
      • Blähungen
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Ileus
  • Leber- und Gallenerkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • reversible, meistens leichte Erhöhung der Bilirubinwerte
      • reversible, meistens leichte Erhöhung der Transaminasespiegel
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Leberinsuffizienz
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Gallenblasenentzündung
  • Erkankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • Hautausschlag, einschl.
        • Erythem
        • makulärer, makulär-papulöser, papulöser, juckender, pustulöser, erythematöser Hautausschlag
      • lokales Exanthem
      • Diaphorese
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Urtikaria
      • Hyperhidrose
      • Ekchymose
      • Pruritus
      • Hautschmerzen
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Stevens-Johnson-Syndrom /Lyell-Syndrom
  • Sklelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Schmerz einschl.
        • Rücken-, Brust-, Arthritis- und Knochenschmerz
        • Schmerz in den Extremitäten
      • Myalgie
      • Arthralgie
  • Erkrankungen der Nieren und Harnwege
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Nierenversagen, einschl.
        • akutes Nierenversagen
        • Beeinträchtigung der Nierenfunktion
  • Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • Pyrexie
      • Fatigue
      • Reaktionen am Verabreichungsort, einschl.
        • Katheter-bedingte Beschwerden (Zellgewebsentzündung, Erythem, Hämorrhagie oder Schmerz)
        • Reaktion an der Injektionsstelle (Erythem, Ödem und Schmerz)
      • Asthenie
      • Schüttelfrost
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Unwohlsein
      • Ödeme/peripheres Ödem
      • Muskelschwäche
      • Schmerzen
      • verminderter Appetit
  • Verletzung, Vergiftung und durch Eingriffe bedingte Komplikationen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Erguss

Anwendungshinweise

  • Präparat vor der Anwendung verdünnen
  • Herstellung der Infusionslösung unter aseptischen Bedingungen und angemessenen Vorsichtsmaßnahmen bezüglich des Umfeldes
  • Vollständige Anweisungen zur Verdünnung des Arzneimittels vor der Anwendung siehe Fachinformation
  • Im Falle einer versehentlichen extravenösen Anwendung des Arzneimittels
    • lokale Schädigung des Gewebes unwahrscheinlich
  • Bei Extravasation
    • Anwendung unverzüglich beenden und in einer anderen Vene wieder aufnehmen
  • Andere empfohlene lokale Maßnahmen
    • Hochlagern des Arms und die Anwendung einer Eispackung, um eine Schwellung zu vermindern

Stillzeithinweise

Cladribin - invasiv
  • das Stillen ist während und bis zu 6 Monate nach Behandlungsende mit Cladribin kontraindiziert
  • Risiko schwerer unerwünschter Reaktionen beim gestillten Säugling
  • beschränkte Daten aus Fallberichten haben gezeigt, dass Cladribin in die Muttermilch übertritt
    • über die Menge gibt es noch keine ausreichenden Informationen

Schwangerschaftshinweise

Cladribin - invasiv
  • Cladribin ist während der Schwangerschaft kontraindiziert
  • keine oder nur sehr begrenzte Erfahrungen mit der Anwendung von Cladribin bei Schwangeren
  • Cladribin verursacht schwerwiegende Schädigungen des Ungeborenen, wenn es während der Schwangerschaft angewendet wird
  • tierexperimentelle Studien
    • haben eine Reproduktionstoxizität gezeigt
    • Teratogenität und Mutagenität von Cladribin wurden in Tierstudien und im Rahmen von in vitro-Studien an Humanzelllinien aufgezeigt
  • bei Anwendung von Cladribin während einer Schwangerschaft oder eingetretener Schwangerschaft während der Behandlung mit Cladribin:
    • Patientin über die potentiellen gesundheitsschädlichen Wirkungen für das ungeborene Kind aufklären
    • Schwangerschaftsberatung sollte in Anspruch genommen werden
  • Kontrazeption bei Männern und Frauen
    • Cladribin kann das Erbgut schädigen
    • Frauen im gebärfähigen Alter müssen während und bis zu 6 Monate nach Behandlungsende mit Cladribin eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden
    • Männern, die mit Cladribin behandelt werden, wird empfohlen, während der Behandlung und bis zu 6 Monate nach der Behandlung kein Kind zu zeugen
      • mit Männern sollte gegebenenfalls vor Therapiebeginn über die Familienplanung gesprochen und auf die Möglichkeit einer Spermakonservierung hingewiesen werden
  • Fertilität
    • Wirkung auf die Fertilität beim Menschen ist nicht bekannt
    • bei antineoplastischen Arzneistoffen mit einer Wirkung auf die DNA-, RNA- und Proteinsynthese, zu denen Cladribin gehört, sind unerwünschte Wirkungen auf die menschliche Keimzellenbildung zu erwarten
    • tierexperimentelle Studien
      • es liegen keine Untersuchungen über die Wirkungen von Cladribin auf die Fertilität im Tiermodell vor
      • allerdings wurde im Rahmen einer Toxizitätsstudie an Cynomolgus-Affen (Makaken) nachgewiesen, dass Cladribin die Reifung von rasch reifenden Zellen unterdrückt, was auch Hodenzellen einschließt

Warnhinweise

Cladribin - invasiv
  • Cladribin ist ein potentes, antineoplastisches Arzneimittel und kann möglicherweise schwere toxische Nebenwirkungen haben, z.B. eine Knochenmark- und Immunsuppression, lang anhaltende Lymphozytopenie sowie opportunistische Infektionen
    • Verabreichung nur durch einen in der Anwendung von Zytostatika erfahrenen Arzt
    • engmaschige Überwachung hinsichtlich des Auftretens von hämatologischen und nicht-hämatologischen Toxizitätserscheinungen
  • Infektionen
    • Berichte über schwere Infektionen (z. B. Atemwegsinfektionen, Pneumonie und virale Infektionen der Haut) einschließlich mit letalem Ausgang (z. B. Sepsis)
    • Behandlung aktiver Infektionen vor einer Behandlung mit Cladribin
    • sorgfältige Überwachung hinsichtlich einer potentiellen Hämolyse bei Patienten mit positivem Coombs-Test
    • bei initial hohen Leukozytenwerten sollten Allopurinol und eine adäquate Hydratation erwogen werden, um die Folgen eines möglichen Tumorlyse-Syndroms zu mildern
    • engmaschige Überwachung zur Erkennung möglicher Infektionen
    • im Falle von Herpesvirus-Infektionen, umgehende Behandlung mit Aciclovir
    • besondere Vorsicht und sorgfältige Abschätzung des Risiken/Nutzen-Verhältnisses bei Patienten mit erhöhtem Infektionsrisiko, manifestem Knochenmarksversagen oder -infiltration, vorangegangener Knochenmarksuppressionstherapie sowie bei Patienten mit vermuteter oder manifester Nieren- und Leberinsuffizienz
    • Infektionsprophylaxe wird nicht allgemein empfohlen, kann aber bei Patienten mit geschwächten Immunsystem oder mit früheren Agranulozytose vor der Behandlung mit Cladribin von Vorteil sein
    • bei Auftreten von schweren Toxizitätserscheinungen ist eine verzögerte Anwendung oder das Absetzen des Arzneimittels bis zum Rückgang der ernsten Komplikationen in Betracht zu ziehen
    • beim Auftreten von Infektionen: Einleitung einer geeigneten Antibiotikabehandlung
    • Patienten sollen bestrahlte Blutbestandteile/-produkte erhalten, um eine transfusionsbedingte Graft-versus-Host-Reaktion (Ta-GVHD) zu vermeiden
  • Fieber
    • Fieber unbekannter Herkunft ist bei Patienten mit Haarzell-Leukämie häufig und tritt vorwiegend in den ersten 4 Therapiewochen auf
    • klinische Studien:
      • Fieber unter Anwendung von Cladrabin bei ca. 72 % (89/124) der Patienten
      • Auftreten der meisten febrilen Episoden während des ersten Monats
      • in den meisten Fällen kein Erreger nachweisbar
    • Fieber meist bei neutropenischen Patienten
      • vor allem während des ersten Therapiemonats engmaschige Überwachung und bei klinischer Indikation (Infektion oder Agranulozytose) Einleitung einer Antibiose
    • Ermittlung der Fieberursache durch angemessene diagnostische (Labor- und Radiologie-)Tests
      • weniger als ein Drittel der Fieberfälle tritt im Zusammenhang mit einer dokumentierten Infektion auf
    • sorgfältigen Nutzen-Risiko-Abwägung bei Anwendung dieses Arzneimittels an Patienten mit bestehender Infektion
      • stets gute Hydratation, da Fieber mit erhöhtem Flüssigkeitsverlust einhergehen kann
    • Folgende Faktoren wurden mit einem erhöhten Risiko für eine Infektion in Verbindung gebracht:
      • vorherige Chemotherapie
      • Infektion vor der Cladribin-Behandlung
      • Diagnose einer chronisch lymphatischen Leukämie oder eines Non-Hodgkin-Lymphoms
  • Ältere Patienten
    • individuelle Einschätzung für die Behandlung und sorgfältige Überwachung hinsichtlich des Blutbildes und der Nieren- und Leberfunktion
    • Risiko erfordert eine Fall-zu-Fall-Beurteilung
  • Progressive multifokale Leukoenzephalopathie (PML)
    • Berichte über PML einschließlich Fälle mit tödlichem Ausgang im Zusammenhang mit Cladribin (6 Monate bis mehrere Jahre nach der Behandlung)
    • Berichte über einen Zusammenhang mit einer verlängerten Lymphopenie bei mehreren dieser Fälle
    • Berücksichtigung einer PML bei ärztlicher Differenzialdiagnose bei Patienten mit neuen oder sich verschlechternden neurologischen, kognitiven oder verhaltensbezogenen Zeichen oder Symptomen
    • vorgeschlagenes Vorgehen in Bezug auf PML:
      • neurologische Konsultation
      • Magnetresonanztomographie des Gehirns
      • Analyse der Zerebrospinalflüssigkeit im Hinblick auf DNS des JC-Virus (JCV) mittels Polymerasekettenreaktion (PCR) oder
      • Biopsie des Gehirns mit Untersuchung auf JCV
    • negative JCV-PCR schließt PML nicht aus
    • zusätzliche Nachbeobachtung und Beurteilung, wenn keine alternative Diagnose gestellt werden kann
    • keine weiteren Behandlungen mit Cladribin bei Patienten mit Verdacht auf PML
  • Hämatologische Toxizität
    • Knochenmarksuppression
      • muss mit normalerweise rückbildungsfähiger und scheinbar dosisabhängiger Neutropenie, Anämie und Thrombozytopenie gerechnet werden
      • kann eine Transfusion von Erythrozyten oder Thrombozyten erfordern
      • sorgfältige hämatologische Überwachung, besonders während der ersten 4 bis 8 Wochen nach der Behandlung wird empfohlen
        • Knochenmarksuppression ist während des 1. Monats nach der Behandlung besonders stark ausgeprägt
        • in klinischen Studien nahmen während der ersten zwei Wochen nach Behandlungsbeginn die mittleren Zellzahlen der Thrombozyten und der gesamten neutrophilen Granulozyten und die Hämoglobin-Konzentration ab
          • Normalisierung erfolgte nach 15 Tagen, 5 Wochen bzw. 8 Wochen
      • Vorsichtiges Vorgehen bei schwerer Knochenmarksuppression jeglicher Ursache (weitere Unterdrückung der Knochenmarkfunktion kann erwartet werden)
      • Panzytopenie erweist sich normalerweise als reversibel, und die Intensität einer Knochenmarkaplasie ist dosisabhängig
    • bei Patienten mit akuten Infektionen oder einem Verdacht auf Infektionen
      • therapeutisches Risiko sorgfältig gegen den Nutzen abwägen
    • bei Patienten mit krankheitsbedingter Knochenmarksinfiltration oder einer vorangegangenen myelosuppressiven Behandlung
      • erhöhtes Risiko für das Auftreten einer schwerwiegenden Knochenmarkstoxizität und lang anhaltenden Immunsuppression
        • Dosisreduktion und eine regelmäßige Überwachung des Patienten erforderlich
    • im Verlauf der Behandlung mit Cladribin und in den daran anschließenden 6 Monaten ist mit einer erhöhten Inzidenz von opportunistischen Infektionen zu rechnen
    • sorgfältige und regelmäßige Überwachung des peripheren Blutbildes ist während und in den anschließenden 2 bis 4 Monaten der Behandlung mit Cladribin von größter Wichtigkeit und dient der Erkennung möglicher unerwünschter Wirkungen und Folgekomplikationen (Anämie, Neutropenie, Thrombozytopenie, Infektionen, Hämolyse oder Blutungen) sowie der Überwachung der hämatologischen Erholung
  • Malignome
    • Risiko für sekundäre Malignome durch ausgedehnte Immunsuppression durch Purin-Nukleosid-Analoga wie Cladribin und auch durch primäre hämatologische Malignome
      • regelmäßige Nachuntersuchung
    • Häufigkeit sekundärer maligner Neoplasien bei Patienten mit Haarzell-Leukämie schwankt beträchtlich zwischen 2 % bis 21 %
      • Risiko ist 2 Jahre nach der Diagnose am höchsten, der Median liegt zwischen 40 und 66 Monaten
      • kumulierte Häufigkeiten von sekundären malignen Erkrankungen betragen nach der Diagnose der Haarzell-Leukämie nach 5 Jahren 5 %, nach 10 Jahren 10-12 % und nach 15 Jahren 13-14 %
      • nach der Behandlung mit Cladribin beträgt die Häufigkeit der sekundären malignen Neoplasien nach einer medianen Beobachtungszeit von 2,8 bis 8,5 Jahren zwischen 0 % und 9,5 %
      • Häufigkeit der sekundären malignen Erkrankungen nach einer Behandlung mit Cladribin betrug bei allen 232 Patienten mit Haarzell-Leukämie, die in einem Zeitraum von 10 Jahren behandelt wurden, 3,4 %
      • das höchste Vorkommen von sekundären malignen Erkrankungen bei der Behandlung mit Cladribin lag nach einer medianen Beobachtungszeit von 8,4 Jahren bei 6,5 %
      • daher sollten die mit Cladribin behandelten Patienten regelmäßig einer Nachuntersuchung unterzogen werden
    • nach Ergebnissen einer retrospektiven Studie:
      • Inzidenz von Prostatakarzinomen bei mit Cladribin behandelten Patienten mit Haarzell-Leukämie gegenüber nicht mit Cladribin behandelten Patienten mit Haarzell-Leukämie erhöht
      • sorgfältige Überwachung von Patienten nach einer Therapie mit Cladribin im Hinblick auf das Auftreten eines Prostatakarzinoms
  • Neurotoxizität
    • bei Patienten, die mit hohen Cladribin-Dosen durch kontinuierliche Infusion (das 4- bis 9-fache als für die Haarzell-Leukämie empfohlen) behandelt wurden, wurde über schwere periphere axonale Neurotoxizität (einschließlich irreversibler Paraparese und Tetraparese) berichtet
    • neurologische Untersuchungen ergaben Hinweise auf eine Demyelinisierung
    • Neurotoxizität scheint dosisabhängig zu sein, jedoch wurde auch bei der empfohlenen Dosierung selten über schwerwiegende Neurotoxizität berichtet (siehe Rubrik Nebenwirkungen)
    • bei Auftreten von Neurotoxizität sollte die Therapie verschoben oder beendet werde
  • Effekte bei hohen Dosen (4 - 9mal höher als zur Therapie der Haarzell-Leukämie empfohlen)
    • eine Behandlung mit Cladribin über 7 bis 14 Tage in Verbindung mit der Gabe von Cyclophosphamid und einer Ganzkörperbestrahlung zur Vorbereitung auf eine Knochenmarktransplantation zeigte
      • Symptome schwerer, irreversibler Nervenschädigungen
      • akutes Nierenversagen
      • schwere Knochenmarksuppression
      • oder gastrointestinale Symptome
  • Tumorlyse-Syndrom
    • Berichte über seltene Fälle von Tumorlyse-Syndrom bei Patienten mit Tumoren des blutbildenden Systems, die eine große Tumormasse hatten und mit Cladribin behandelt wurden
    • Prophylaxe:
      • bei Patienten mit starker Tumorbelastung: 24 Stunden vor dem Beginn der Chemotherapie Einleitung einer prophylaktischen Allopurinol-Therapie zur Kontrolle der Harnsäure-Serumspiegel zusammen mit einer ausreichenden oder vermehrten Wasserzufuhr
      • 100mg Allopurinol / Tag für 2 Wochen
      • bei Anstieg der Serum-Harnsäure über den Normalbereich: Erhöhung auf 300mg Allopurinol / Tag
  • Auswirkungen auf die Nieren- und Leberfunktion
    • Entwicklung von akutem Nierenversagen bei einigen Patienten, die Cladribin in hohen Dosen erhielten
    • keine adäquaten Daten zur Dosierung bei Patienten mit Nieren- oder Leberinsuffizienz
      • Einsatz des Arzneimittels mit Vorsicht, da keine gesicherten Daten über die Sicherheit bei diesen Patienten
    • Überwachung der Nieren- und Leberfunktion insbesondere bei Patienten mit vorhandener Nieren- oder Leberfunktionsstörung bei klinischer Indikation
    • bei Auftreten von Nephrotoxizität sollte die Therapie verschoben oder beendet werden
  • Laboruntersuchungen
    • regelmäßige Untersuchung des hämatologische Profils des Patienten während und nach der Behandlung hinsichtlich des Ausmaßes der hämatopoetischen Suppression
  • Karzinogenese/Mutagenese
    • keine Durchführung tierexperimenteller Studien zur Karzinogenität von Cladribin
    • basierend auf der nachgewiesenen Genotoxizität von Cladribin, kann sein karzinogenes Potential jedoch nicht ausgeschlossen werden
    • in Säugetierzellen in Kultur verursacht Cladribin ein Ungleichgewicht der intrazellulären Desoxyribonukleotidtriphosphat-Pools
      • dieses Ungleichgewicht resultiert in der Hemmung der DNS-Synthese und DNS-Reparatur, woraus sich DNS-Strangbrüche mit nachfolgendem Zelltod ergeben
      • bei Konzentrationen von 0,3 mmol betrug die Hemmung des Thymidineinbaus in die DNS humaner lymphoblastischer Zellen 90 %
      • auch Cladribin wurde in die DNS dieser Zellen inkorporiert
    • Cladribin induzierte sowohl im Knochenmark-Mikronucleus-Assay in vivo an Mäusen als auch in einem in-vitro-Assay an CHO-WBL-Zellen chromosomale Effekte
    • Cladribin war gegenüber Bakterien nicht mutagen und verursachte keine DNS-Synthese in primären Leberzellkulturen von Ratten
  • Beeinträchtigung der Fertilität
    • Männern, die mit Cladribin behandelt werden sollen bis zu 6 Monate nach der letzten Cladribin-Dosis kein Kind zu zeugen
    • Beratung über eine Spermakonservierung vor Therapiebeginn wegen der Möglichkeit einer irreversiblen Infertilität durch die Therapie mit Cladribin
    • bei intravenöser Anwendung an Cynomolgus-Affen supprimierte Cladribin schnell wachsende, einschließlich testikuläre Zellen
  • Kinder und Jugendliche
    • bislang kein Nachweis über Unbedenklichkeit und Wirksamkeit bei Kindern und Jugendlichen
    • Phase-I-Studie mit Patienten im Alter von 1 - 21 Jahren mit Leukämie
      • Anwendung einer Dosierung von 3 - 10,7 mg / m2 KG / Tag (1,5 - 2- fache empfohlene Dosis für Haarzell-Leukämie) für 5 Tage durch kontinuierliche intravenöse Infusion
      • Dosis-limitierende Toxizität:
        • schwerwiegende Knochenmarksuppression mit ausgeprägter Neutropenie und Thrombozytopenie
        • irreversible Knochenmarksuppression und letale systemische bakterielle oder Pilzinfektionen bei 3 von 7 Patienten unter der höchsten Dosis
      • keine Beobachtung von Einzel-Toxizitäten