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Fachinformationen

Indikation

  • nicht-insulinabhängiger Diabetes mellitus bei Erwachsenen (NIDDM, Typ 2), wenn andere Maßnahmen wie konsequente Einhaltung der Diabetes-Diät, Gewichtsreduktion bei Übergewicht, ausreichende körperliche Betätigung nicht zu einer befriedigenden Einstellung des Blutglukosespiegels geführt haben
  • Hinweis
    • Einsatz als Monotherapie oder in Kombination mit Metformin

Dosierung

  • nicht-insulinabhängiger Diabetes mellitus bei Erwachsenen
    • Dosierung richtet sich nach Ergebnis der Stoffwechseluntersuchung (Blut- und Harnzucker)
    • Behandlungsbeginn einschleichend mit einer möglichst niedrigen Dosierung, v.a. bei Neigung zu Hypoglykämien oder < 50 kg KG
    • Ersteinstellung
      • 1/2 (- 1) Tabletten (1,75 - (3,5) mg Glibenclamid) / Tag
      • schrittweise Dosiserhöhung, bei unzureichender Stoffwechsellage, im Abstand von einigen Tagen bis ca. 1 Woche, auf therapeutisch erforderliche Tagesdosis
      • max. Tagesdosis: 3 Tabletten (10,5 mg Glibenclamid)
    • Umstellung von anderen Arzneimitteln zur Senkung des Blutzuckers
      • vorsichtig dosieren
      • initial: 1/2 (- 1) Tabletten / Tag
    • Behandlungsdauer
      • richtet sich nach Verlauf der Erkrankung
    • Kinder und Jugendliche
      • Anwendung nicht empfohlen (keine ausreichenden Erkenntnisse)
    • ältere Patienten (> 65), geschwächte oder unterernährte Patienten sowie bei gestörter Nieren- oder Leberfunktion
      • Initial- und Erhaltungsdosis reduzieren (Gefahr einer Hypoglykämie)
    • Änderungen von KG oder des Lebensstils
      • Dosiskorrektur erwägen
    • Kombination mit anderen blutzuckersenkenden Arzneimitteln
      • bei Metformin-Unverträglichkeit in begründeten Fällen zusätzliche Gabe von Glitazonen (Pioglitazon) angezeigt
      • Kombination mit nicht-insulinfreisetzenden oralen Antidiabetika (Guarmehl oder Acarbose) möglich
      • bei beginnendem Sekundärversagen, Versuch einer Kombinationsbehandlung mit Insulin (falls körpereigene Insulinausschüttung vollständig versiegt: Insulinmonotherapie)

Kontraindikationen

Glibenclamid - peroral
  • Überempfindlichkeit gegen Glibenclamid
  • Überempfindlichkeit gegenüber anderen Sulfonylharnstoffen, Sulfonamiden, Sulfonamid-Diuretika und Probenecid
    • Kreuzreaktionen möglich
  • folgende Fälle des Diabetes mellitus, in denen Insulin erforderlich ist
    • insulinabhängiger Diabetes mellitus Typ 1
    • bei komplettem Sekundärversagen der Glibenclamid-Therapie bei Diabetes mellitus Typ 2
    • bei azidotischer Stoffwechsellage
    • bei Präcoma oder Coma diabeticum
    • Pankreasresektion
  • schwere Leberfunktionsstörung
  • schwere Einschränkung der Nierenfunktion
  • gleichzeitige Behandlung mit Bosentan

Therapiehinweise

Mit Flüssigkeit einnehmen.

Nebenwirkungen

Glibenclamid - peroral
  • Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Thrombozytopenie
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • folgende Blutbildveränderungen nach Absetzen im Allgemeinen reversibel, können sehr selten aber auch lebensbedrohlich sein
        • Leukozytopenie
        • Erythrozytopenie
        • Granulozytopenie bis hin zu Agranulozytose
        • Panzytopenie
        • hämolytische Anämie
  • Erkrankungen des Immunsystems
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Kreuzallergie zu Sulfonamiden, Sulfonamidderivaten und Probenecid
  • Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Gewichtszunahme
      • Hypoglykämie
        • kann bei Glibenclamid protrahiert verlaufen und zu schwerer Hypoglykämie mit lebensbedrohlichem Koma führen
        • siehe Therapiehinweise
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Hyponatriämie
  • Augenerkrankungen
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • vorübergehende Seh- und Akkomodationsstörungen durch die Änderung des Blutzuckerspiegels
        • insbesondere zu Beginn der Behandlung
  • Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • folgende Beschwerden sind oft vorübergehend (erfordern im Allgemeinen kein Absetzen der Medikation)
        • Übelkeit
        • Magendruck
        • Völlegefühl
        • Erbrechen
        • Bauchschmerzen
        • Durchfall
        • Aufstoßen
        • metallischer Geschmack
  • Leber- und Gallenerkrankungen
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • vorübergehende Erhöhung von
        • SGOT
        • SGPT
        • alkalischer Phosphatase
      • arzneimittelinduzierte Hepatitis
        • nach Absetzen von Glibenclamid rückbildungsfähig, kann aber auch zum lebensbedrohlichen Leberversagen führen
      • intrahepatische Cholestase, evtl. verursacht durch eine allergisch-hyperergische Reaktion des Lebergewebes
        • nach Absetzen von Glibenclamid rückbildungsfähig, kann aber auch zum lebensbedrohlichen Leberversagen führen
  • Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • folgende Beschwerden sind vorübergehende Überempfindlichkeitsreaktionen, können sich jedoch sehr selten zu lebensbedrohlichen Situationen mit Atemnot und Blutdruckabfall bis hin zum lebensbedrohlichen Schock entwickeln
        • Pruritus
        • Urtikaria
        • Erythema nodosum
        • morbilliforme oder makulopapulöse Exantheme
        • erhöhte Photosensibilität
        • Purpura
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • lebensbedrohliche allergische Vaskulitis
      • generalisierte Überempfindlichkeitsreaktionen mit
        • Hautausschlag
        • Arthralgie
        • Fieber
        • Proteinurie
        • Ikterus
  • Erkrankungen der Nieren und Harnwege
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • schwach diuretische Wirkung
      • vorübergehende Proteinurie
  • Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Disulfiram-ähnliche Reaktion

Anwendungshinweise

  • Einstellung des Patienten auf das Arzneimittel nur durch den Arzt und zusammen mit einer Diäteinstellung
  • Einnahme der Tabletten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit (vorzugsweise 1 Glas Wasser) vor der Mahlzeit
  • Tagesdosis > 2 Tabletten: Einnahme verteilt auf 2 Einzeldosen (morgens und abends) im Verhältnis 2 : 1
  • Einnahme zum jeweils gleichen Zeitpunkt wichtig
  • Einnahmefehler, z.B. vergessene Tabletteneinnahme niemals durch erhöhte Tabletteneinnahme ausgleichen

Stillzeithinweise

Glibenclamid - peroral
  • da nicht bekannt ist, ob Glibenclamid in die Muttermilch übergeht, darf Glibenclamid während der Stillzeit nicht eingenommen werden
  • stillende Patientinnen sollten zur Diabeteseinstellung mit Insulin behandelt werden oder abstillen

Schwangerschaftshinweise

Glibenclamid - peroral
  • Glibenclamid darf in der Schwangerschaft nicht angewendet werden
  • da orale Antidiabetika den Blutzucker nicht so zuverlässig regulieren wie Insulin, sind sie für die Behandlung eines Diabetes in der Schwangerschaft grundsätzlich ungeeignet
  • in der Schwangerschaft ist die Diabeteseinstellung mit Insulin die Therapie der Wahl
  • nach Möglichkeit sollten orale Antidiabetika schon vor einer geplanten Schwangerschaft abgesetzt und durch Insulin ersetzt werden

Warnhinweise

Glibenclamid - peroral
  • Patient anweisen
    • bei Auftreten anderer Erkrankungen während der Therapie unverzüglich den behandelnden Arzt zu Rate zu ziehen
    • bei Arztwechsel (z.B. im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts, nach einem Unfall, bei Erkrankung im Urlaub) den behandelnden Arzt auf die bestehende Zuckerkrankheit hinzuweisen
  • Hypoglykämie
    • Hypoglykämie ist die häufigste unerwünschte Wirkung einer Therapie mit Glibenclamid
      • kann bei Glibenclamid protrahiert verlaufen und zu schwerer Hypoglykämie mit lebensbedrohlichem Koma führen
    • Patient sollte auf das Hypoglykämierisiko bei der Behandlung mit blutglukosesenkenden Arzneimitteln hingewiesen werden
    • Umstände, die ein hohes Risiko für das Auftreten einer Unterzuckerung darstellen sind
      • längere Nahrungskarenz
      • unzureichende Kohlenhydratzufuhr
      • ungewohnte physische Belastung
      • Diarrhoe oder Erbrechen
    • Patienten mit deutlichen Zeichen einer Zerebralsklerose und nicht kooperative Patienten sind generell stärker hypoglykämiegefährdet
    • Warnsymptome der Hypoglykämie können verschleiert werden durch
      • zentral wirkende Arzneimittel
      • sympatholytische Begleittherapie wie Betarezeptorenblocker
      • autonome Neuropathien
      • sehr schleichendem Verlauf
    • trotz anfänglich erfolgreicher Behandlung der Hypoglykämie, kann diese wiederkehren
      • Patienten sind daher unter ärztlicher Beobachtung zu behalten
    • schwere Hypoglykämien oder protrahierte Episoden, die nur kurzfristig durch übliche Mengen Zucker unter Kontrolle gebracht werden können, bedürfen einer sofortigen Behandlung
    • Hypoglykämie ist definiert als ein Blutzuckerabfall unter etwa 50 mg / dl
    • folgende Warnsymptome können den Patienten oder seine Umwelt auf einen zu starken Blutzuckerabfall aufmerksam machen
      • plötzliches Schwitzen
      • Herzklopfen
      • Zittern
      • Hungergefühl
      • Unruhe
      • Kribbeln im Mundbereich
      • Blässe
      • Kopfschmerzen
      • Schläfrigkeit
      • Schlafstörungen
      • Ängstlichkeit
      • Unsicherheit der Bewegungen
      • vorübergehende neurologische Ausfallerscheinungen, z.B.
        • Sprech- und Sehstörungen
        • Lähmungserscheinungen
        • Empfindungsstörungen
      • klinisches Bild einer Hypoglykämie kann dem eines Schlaganfalls gleichen
      • bei fortschreitender Hypoglykämie kann der Patient die Selbstkontrolle verlieren und bewusstlos werden
        • er hat dann meist eine feuchte, kühle Haut und neigt zu Krämpfen
      • leichte Hypoglykämie kann der Diabetiker durch Aufnahme von Zucker oder stark zuckerhaltiger Nahrung oder Getränken beheben
        • deshalb sollte er immer 20 Gramm Traubenzucker bei sich haben
    • kann die Hypoglykämie nicht sofort behoben werden, muss sofort ein Arzt gerufen werden
  • Hyperglykämie
    • Blutzucker kann ansteigen
      • bei Nichteinhaltung des Behandlungsplans
      • noch nicht ausreichender blutzuckersenkender Wirkung von Glibenclamid
      • in besonderen Stresssituationen
    • Symptome der Hyperglykämie können sein
      • starkes Durstgefühl
      • Mundtrockenheit
      • häufiges Wasserlassen
      • juckende und / oder trockene Haut
      • Pilzerkrankungen oder Infektionen der Haut
      • verminderte Leistungsfähigkeit
    • in außergewöhnlichen Stresssituationen (z.B. bei Verletzungen, Operationen, fieberhaften Infekten) kann es zu einer Verschlechterung der Stoffwechsellage mit der Folge einer Hyperglykämie kommen
      • eine vorübergehende Insulinbehandlung kann erforderlich sein
  • Laxantien
    • chronischer Missbrauch von Abführmitteln kann zu einer Verschlechterung der Stoffwechsellage führen
  • Alkohol
    • Alkohol kann bei akuter und chronischer Zufuhr die blutglukosesenkende Wirkung von Glibenclamid in unvorhersehbarer Weise verstärken oder abschwächen
  • eingeschränkte Leber- und Nierenfunktion und endokrine Störungen
    • besondere Vorsicht bei Patienten mit
      • eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion
      • einer Unterfunktion der Schilddrüse, der Hypophyse, der Nebennierenrinde
  • Glukose-6-Phosphatdehydrogenase-Mangel (G6PD-Mangel)
    • bei Patienten mit Glucose-6-Phosphatdehydrogenase-Mangel (G6PD-Mangel) kann durch Behandlung mit Sulfonylharnstoffen eine hämolytische Anämie verursacht werden
      • Glibenclamid sollte bei Patienten mit G6PD-Mangel nur vorsichtig angewendet
      • Umstellung der Medikation auf Alternativen zu Sulfonylharnstoffen erwägen
  • ältere Patienten
    • bei Patienten unter Behandlung mit Sulfonylharnstoffen wurde ein Alter ab 65 Jahren als Risikofaktor für eine Hypoglykämie identifiziert
    • es kann schwierig sein, eine Hypoglykämie bei älteren Menschen zu erkennen
    • Initial- und Erhaltungsdosen von Glibenclamid müssen vorsichtig eingestellt werden, um das Risiko einer Hypoglykämie zu reduzieren
    • bei Patienten im höheren Lebensalter besteht die Gefahr einer prolongierten Hypoglykämie
      • deshalb müssen die Patienten dieser Altersgruppe
        • besonders sorgfältig auf das Arzneimittel eingestellt
        • während der initialen Phase der Behandlung engmaschig überwacht werden
      • gegebenenfalls ist in dieser Altersgruppe zunächst ein Sulfonylharnstoff mit einer geringeren Wirkungsdauer vorzuziehen
  • Hautreaktionen
    • beim Auftreten von Hautreaktionen sollte umgehend der Arzt verständigt werden