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Fachinformationen

Indikation

  • Behandlung von Infektionen, verursacht durch Nitrofurantoin empfindliche Erreger
    • akute, unkomplizierte Zystitis der Frau
  • Bei folgenden Anwendungen Verabreichung von Nitrofurantoin nur wenn risikoärmere Antibiotika oder Chemotherapeutika nicht einsetzbar sind:
    • Suppressivtherapie chronisch-obstruktiver Harnwegsinfektionen bei Patienten mit angeborener oder erworbener Abflussbehinderung der Harnwege
    • Reinfektionsprophylaxe chronisch rezidivierender aszendierender Harnwegsinfektionen
  • Hinweis:
    • Die offiziellen Richtlinien zum angemessenen Einsatz antibakteriell wirksamer Substanzen sind zu beachten

Dosierung

  • Behandlung von Infektionen, verursacht durch Nitrofurantoin empfindliche Erreger
    • Akuttherapie der unkomplizierten Zystitis
      • 5 mg kg KG / Tag Nitrofurantoin
      • 6 - 8 Tabletten / Tag in 3 - 4 Einzelgaben
      • Einnahmeintervall 6 - 8 Stunden
      • Anwendungsdauer: 5 - 7 Tage (max. 7 Tage)
    • intermittierende Therapie (Suppressivtherapie)
      • 2 - 3 mg kg KG / Tag Nitrofurantoin
      • 2 - 4 Tabletten / Tag in 1 - 2 Einzelgaben
      • Anwendungsdauer: 2 - 3 x 14 Tage, mit 14-tägigen Pausen (max. 3 Monate)
    • Rezidivtherapie (Reinfektionsprophylaxe)
      • 1, 2 mg kg KG / Tag Nitrofurantoin
      • 1 - 2 Tabletten nach dem letzten Wasserlassen mit etwas Flüssigkeit
      • Anwendungsdauer: max. 6 Monate

Dosisanpassung

  • Hinweise:
    • Eine Tagesdosis von 2,4 - 2,6 mg Vitamin B6 soll bei Schwangeren nicht überschritten werden
  • Kinder
    • nicht geeignet, hoher Wirkstoffgehalt
  • Frühgeborene und Säuglinge < 3. Lebensmonat
    • Anwendung kontrainzidiert (wegen Gefahr der hämolytischen Anämie)
  • ältere Patienten
    • Anwendung nur wenn zuvor durch einen Nierenfunktionstest eine Niereninsuffizienz ausgeschlossen wurde und keine Oligurie und Anurie vorliegt
  • Beeinträchtigung der Nierenfunktion (eGFR unter 45 ml/min)
    • kontraindiziert
  • Leberfunktion
    • kontraindiziert bei pathologischen Leberenzymwerten

Kontraindikationen

Nitrofurantoin - peroral
  • Überempfindlichkeit gegen Nitrofurantoin und andere Nitrofurane
  • Beeinträchtigung der Nierenfunktion (eGFR < 45 ml / Min.)
  • Oligurie oder Anurie
  • pathologische Leberenzymwerte
  • Mangel an Glucose-6-phosphat-Dehydrogenase (Symptom: hämolytische Anämie)
  • Polyneuropathien
  • Frühgeborene und Säuglinge bis zum 3. Lebensmonat (wegen Gefahr der hämolytischen Anämie)
  • Schwangerschaft (3. Trimenon)

Therapiehinweise

Mit Flüssigkeit einnehmen.

Nebenwirkungen

Nitrofurantoin - peroral
  • Infektionen und parasitäre Erkrankungen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Super-Infektionen durch Pseudomonas- oder Candida-Spezies (auf den Urogenitaltrakt begrenzt)
  • Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Blutbildveränderungen, z.B.
        • Eosinophilie
        • Thrombozytopenie
        • Agranulozytose und Neutropenie
        • Panzytopenie
        • akute hämolytische Anämie
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • megaloblastäre Anämie
  • Erkrankungen des Immunsystems
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Autoimmunreaktionen (sog. Lupusähnliche Syndrome, „lupus-like syndromes"), mit Symptomen wie
        • Exanthem
        • Arthralgie
        • Fieber
      • anaphylaktischer Schock
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • kutane Vaskulitis
  • Psychiatrische Erkrankungen
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Verwirrtheit
      • Depression
      • Euphorie
      • psychotische Reaktionen
  • Erkrankungen des Nervensystems
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • Schwindel
      • Ataxie
      • Nystagmus
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Kopfschmerzen (besonders zu Therapiebeginn)
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • periphere Polyneuropathien (inkl. optische Neuritis), mit den Symptomen
        • Parästhesie
        • Sensibilitätsminderung
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Erhöhung des intrakraniellen Drucks
  • Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Lungenreaktionen (akute, subakute und chronische)
        • allergisches Lungenödem
        • interstitielle Pneumonie
        • Pleuritis
        • Atemnot
        • Husten
        • Brustkorbschmerz
      • Hinweise
        • akute Lungenreaktionen
          • treten meist innerhalb der ersten Behandlungswoche auf und sind reversibel nach Beendigung der Therapie
          • häufige Zeichen von akuten Lungenreaktionen sind
            • Fieber
            • Schüttelfrost
            • Husten
            • Schmerzen in der Brust
            • Atemnot
            • pulmonale Infiltration mit Lungenverdichtung oder Pleuraerguss auf Röntgen-Thorax
            • Eosinophilie
        • subakute pulmonale Reaktionen
          • Fieber und Eosinophilie treten seltener auf als in der akuten Form
        • chronische Lungenreaktionen
          • treten selten bei Patienten auf, die dauerhaft für sechs Monate oder länger behandelt wurden
          • treten häufiger bei älteren Patienten auf
          • EKG-Veränderungen im Zusammenhang mit Lungenreaktionen wurden beobachtet
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Lungenfibrose
      • Asthmaanfälle
  • Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • gastrointestinale Beschwerden (besonders zu Therapiebeginn), wie
        • Appetitlosigkeit
        • Übelkeit
        • Erbrechen
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Diarrhoe (besonders zu Therapiebeginn)
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Pankreatitis infolge Reexposition
      • Parotitis
  • Leber- und Gallenerkrankungen
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Leberreaktionen
        • reversible Cholestase bis zur chronisch aktiven oder granulomatösen Hepatitis
        • Anstieg der Transaminasen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Lebernekrosen mit tödlichem Leberversagen
      • autoimmune Hepatitis
  • Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • allergische Reaktionen
        • Arzneimittelfieber
        • Pruritus
        • urtikarielle Hautveränderungen
        • angioneurotisches Ödem
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Stevens-Johnson-Syndrom
      • Lyell-Syndrom
      • transitorische Alopezie
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • DRESS-Syndrom
  • Erkrankungen der Nieren und Harnwege
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Kristallurie
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • interstitielle Nephritis
  • Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • reversible Hemmung der Spermatogenese / Azoospermie

Anwendungshinweise

  • Einnahme während oder nach einer Mahlzeit mit etwas Flüssigkeit

Stillzeithinweise

Nitrofurantoin - peroral
  • Nifurantin soll während der Stillzeit nicht eingenommen werden es sei denn, dies ist aus klinischer Sicht eindeutig erforderlich
  • bei Kindern mit einem Glucose-6-Phosphatdehydrogenasemangel bzw. Verdacht darauf und bei Neugeborenen
    • sollte Nifurantin während der Stillzeit wegen der Gefahr einer hämolytischen Anämie entweder nicht eingenommen werden oder das Stillen sollte für die Zeit der Behandlung unterbrochen werden
  • Nitrofurantoin geht in geringen Mengen in die Muttermilch über
    • in seltenen Fällen kann es beim gestillten Kind zu einer Diarrhoe kommen

Schwangerschaftshinweise

Nitrofurantoin - peroral
  • 3. Trimenon
    • Einnahme von Nifurantin während des letzten Trimenons der Schwangerschaft kontraindiziert, wegen der Gefahr einer hämolytischen Anämie beim Neugeborenen
  • 1. und 2. Trimenon
    • in den ersten 6 Monaten der Schwangerschaft soll Nifurantin nicht eingenommen werden, es sei denn, dies ist aus klinischer Sicht eindeutig erforderlich
  • keine hinreichenden Daten für die Anwendung von Nitrofurantoin bei Schwangeren vorliegend
  • weitreichende Erfahrungen an schwangeren Frauen im 1. Trimenon (mehr als 1000 Schwangerschaftsausgänge) deuten nicht auf ein Fehlbildungsrisiko oder eine fetale / neonatale Toxizität hin
  • Studien
    • in einzelnen Studien fanden sich schwach signifikante Hinweise auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko
    • eindeutiges Fehlbildungsmuster konnte jedoch nicht nachgewiesen werden und die Studien weisen methodische Mängel auf
  • tierexperimentelle Studien
    • haben Reproduktionstoxizität gezeigt
    • potentielles Risiko für den Menschen nicht bekannt
  • Nitrofurantoin passiert die Plazentaschranke
  • Fertilität
    • Möglichkeit, dass Nitrofurantoin auch beim Mann zu einer reversiblen Hemmung der Spermienbildung und Beeinträchtigung der Fertilität führt, ist nicht auszuschließen
    • Nitrofurantoin wird im Organismus zu einem Metaboliten mit potentiellen karzinogenen Eigenschaften abgebaut (Aminofurantoin)
    • in tierexperimentellen Studien
      • beeinträchtigte Nitrofurantoin die Fertilität
      • wurde eine erhöhte Missbildungsrate beobachtet

Warnhinweise

Nitrofurantoin - peroral
  • offizielle Richtlinien zum angemessenen Einsatz antibakteriell wirksamer Substanzen beachten
  • Nitrofurantoin nicht indiziert zur Behandlung von Pyelonephritis, Prostatitis oder irgendeiner systemischen Infektion
  • Lungenreaktionen
    • unter der Anwendung von Nitrofurantoin akute, subakute oder chronische Lungenreaktionen, wie interstitielle Pneumonie, bis hin zu tödlich verlaufenden Lungenfibrosen beobachtet
    • beim Auftreten von Lungenreaktionen wie z.B. Atemnot, Husten, Lungeninfiltrationen und Fieber
      • Therapie sofort abbrechen und entsprechende Maßnahmen einleiten
      • Behandlung mit Corticosteroiden wird empfohlen
      • Reexpositionsversuch darf nicht durchgeführt werden
    • chronische Lungenreaktionen (diffuse interstitielle Pneumonitiden sowie zum Teil tödlich verlaufende Lungenfibrosen) können sich schleichend entwickeln
    • Häufigkeit und Schwere dieser Reaktionen nimmt mit der Dauer der Anwendung zu
    • diese seltenen Reaktionen traten meist bei Patienten unter Langzeittherapie mit Nitrofurantoin über mehr als 6 Monate auf
      • aber auch von Fällen bei kürzerer Anwendungsdauer oder bei intermittierender Anwendung berichtet
    • je früher diese Reaktionen erkannt und behandelt werden, desto eher sind diese reversibel
      • Patienten darauf hinweisen sich ärztlichen Rat einzuholen, wenn sich Anzeichen und Symptome einer Lungenreaktion wie Atembeschwerden / Atemnot, Husten und Schmerzen im Brustkorb entwickeln
    • Nitrofurantoin darf daher in der Rezidivtherapie / Prophylaxe nicht länger als 6 Monate angewendet werden
  • Überwachungsmaßnahmen
    • vor Verordnung von Nitrofurantoin sollten Nieren- und Leberfunktion überprüft werden, da bei Störungen dieser Funktionen mit erheblichen Nebenwirkungen zu rechnen ist
    • unter der Therapie mit Nitrofurantoin Kontrollen von Blutbild, Leber- und Nierenwerten notwendig; besonders achten auf
      • Erhöhung der Transaminasen
      • Nachweis von Antikörpern (SMA, ANA)
      • frühzeitige klinische Symptome von Leberschäden
    • insbesondere bei längerer Anwendung bis zu 6 Monaten ist eine strikte Überwachung erforderlich
  • Überempfindlichkeit
    • Überempfindlichkeits- und allergische Reaktionen, einschließlich anaphylaktische und anaphylaktoide Reaktionen, können bereits nach einer Einzeldosis auftreten und können lebensbedrohlich sein
    • in diesen Fällen ist Nitrofurantoin abzusetzen und eine adäquate ärztliche Behandlung erforderlich
  • Hepatotoxizität
    • Leberreaktionen, einschließlich Hepatitis, autoimmune Hepatitis, cholestatische Gelbsucht, chronisch aktive Hepatitis und Lebernekrose treten selten auf
      • es wurden Todesfälle berichtet
    • das Einsetzen chronisch aktiver Hepatitis kann schleichend stattfinden und Patienten müssen regelmäßig auf Änderungen in biochemischen Tests hin überwacht werden, die auf eine Leberschädigung hinweisen können
    • sollte Hepatitis auftreten
      • muss das Arzneimittel sofort abgesetzt werden
      • es sind geeignete Maßnahmen zu treffen
    • beim Auftreten von Anzeichen und Symptomen einer Lebererkrankung (wie Appetitlosigkeit, Ikterus, dunkler Urin, Pruritus oder schmerzempfindliches Abdomen) sollte die Behandlung abgesetzt werden
    • gelb-grüne oder braune Färbung des Urins
      • ist häufig ohne klinische Bedeutung, sollte jedoch ärztlich abgeklärt werden
  • Polyneuropathien
    • bei Patienten mit vorbestehender Polyneuropathie darf Nitrofurantoin nicht eingesetzt werden
    • Fälle von Polyneuropathie einschließlich optischer Neuritis (beruhend auf beobachteten neurologischen Symptomen wie Schmerz, Brennen, sensorische Störungen oder Muskelschwäche, allein oder in Kombination) bei Patienten, die mit Nitrofurantoin behandelt wurden, berichtet
      • Risikofaktoren wie Niereninsuffizienz, Anämie, Diabetes mellitus, Elektrolyt-Ungleichgewichte und Vitamin B-Mangel können das Auftreten verstärken
    • Behandlung mit Nitrofurantoin sollte bei Patienten, die Neuropathiesymptome entwickeln, einschließlich Schmerz, Brennen, Kribbeln, Benommenheit und / oder Schwäche, sofort abgebrochen werden, um der Entwicklung irreversibler Schädigung vorzubeugen
  • schwere Hautreaktionen
    • unter der Verwendung von Nitrofurantoin Fälle von schweren Hautreaktionen (Erythema multiforme, Stevens-Johnson Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse, DRESS Syndrom) berichtet
    • beim Auftreten solcher Reaktionen Therapie sofort abbrechen
      • keinen Reexpositionsversuch durchführen
  • Glucose-6-Phosphatdehydrogenasemangel / hämolytische Reaktionen
    • Patienten mit bekanntem Glucose-6-Phosphatdehydrogenasemangel dürfen Nitrofurantoin nicht einnehmen
    • hämolytische Reaktionen unter der Behandlung mit Nitrofurantoin bei Patienten mit Glucose-6-Phosphatdehydrogenasemangel berichtet
    • bei Anzeichen einer Hämolyse muss die Behandlung abgebrochen werden
  • Kinder
    • Dosierung von Nitrofurantoin richtet sich nach Art der Behandlung und dem Körpergewicht
    • geeignete Dosisstärke wählen
  • ältere Patienten
    • bei älteren Patienten, bei denen stets mit einer eingeschränkten Nierenfunktion gerechnet werden muss, sollte Nitrofurantoin nicht angewendet werden
    • Nitrofurantoin darf bei älteren Menschen nur verordnet und angewendet werden, wenn zuvor durch einen Nierenfunktionstest eine Niereninsuffizienz ausgeschlossen wurde und keine Oligurie und Anurie vorliegt
  • Schwangerschaft und Stillzeit
    • im letzten Trimenon ist die Anwendung von Nitrofurantoin kontraindiziert
    • in den ersten 6 Monaten der Schwangerschaft und in der Stillzeit darf Nitrofurantoin nicht angewendet werden, es sei denn, dies ist eindeutig erforderlich
  • Kanzerogenität
    • aufgrund der vorliegenden Daten zum genotoxischen Profil in vitro und in vivo sollte Nitrofurantoin möglichst nicht dauerhaft angewendet werden, da ein therapeutisch relevantes mutagenes Potenzial derzeit zumindest nicht ausgeschlossen werden kann
  • Interaktionen mit Laboruntersuchungen
    • die Ergebnisse einiger Laboruntersuchungen, wie z.B. auf Glucose, Harnstoff, alkalische Phosphatase, Bilirubin oder Kreatinin können durch Nitrofurantoin falsch erhöht sein