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Fachinformationen

Indikation

  • Erwachsene und Jugendliche >/= 12 Jahre
    • starke Schmerzen, die nur mit Opioid-Analgetika ausreichend behandelt werden können

Dosierung

  • starke Schmerzen
    • allgemein
      • Dosierung individuell an Schmerzintensität und individuelle Empfindlichkeit des Patienten anpassen
      • individuell richtige Dosierung ist die niedrigste Dosis, die die Schmerzen ausreichend kontrolliert und keine oder erträgliche Nebenwirkungen hat
      • Hinweis:
        • wird eine Opioidformulierung mit sofortiger Wirkstofffreisetzung als Bedarfsmedikation zusätzlich zu einem Retard-Präparat verwendet, könnte die Notwendigkeit von mehr als zwei "Bedarfsmedikationen" pro Tag ein Hinweis darauf sein, dass eine Dosiserhöhung des Retard-Präparates erforderlich ist
    • Dosierung
      • Erwachsene
        • Initialdosis
          • Opioid-naive Patienten
            • 10 mg Oxycodonhydrochlorid / 12 Stunden
          • Patienten, die bereits Opioide erhalten haben
            • unter Berücksichtigung ihrer Opioid-Erfahrungen höhere Initialdosis möglich
          • Umstellung von Morphium auf Oxycodon
            • Beginn der Umstellung ggf. mit Dosis, die niedriger als das Dosis-Äquivalent ist
            • 10 mg orales Oxycodon entspricht 20 mg oralem Morphium
        • Dosisanpassung
          • Einnahme nach festem Zeitschema
            • z. T. sind nicht-retardierte Analgetika als Bedarfsmedikation zur Beherrschung von Durchbruchschmerzen erforderlich
              • Einzeldosis der Bedarfsmedikation:
                • 1/4 der Tagesdosis der Oxycodon-Retardtabletten
                • Einzeldosis kann alle 6 Std. verabreicht werden
            • falls Bedarfsmedikation > 2mal / Tag erforderlich
              • Dosissteigerung von Oxycodon erforderlich
                • nicht häufiger als alle 1 - 2 Tage bis zum Erreichen einer stabilen 12-stündlichen Dosierung
                • nach Dosiserhöhung von 10 mg Oxycodonhydrochlorid auf 20 mg Oxycodonhydrochlorid / 12 Stunden: weitere Dosiserhöhungen in Schritten von jeweils etwa 1/3 der Tagesdosis
            • Ziel: Dosierung, die bei 12-stündlicher Gabe eine adäquate Schmerzlinderung mit tolerierbaren Nebenwirkungen bei minimaler Bedarfsmedikation ermöglicht, solange die Schmerztherapie benötigt wird
          • Abweichung von festem Zeitschema (Dosis alle 12 Stunden)
            • kann in Abhängigkeit von der individuellen Schmerzsituation für einige Patienten von Vorteil sein
            • i. A. sollte die geringste analgetisch ausreichend wirksame Dosis ausgewählt werden
            • Behandlung von nonmalignen Schmerzen
              • i. A. 40 mg Oxycodonhydrochlorid / Tag ausreichend
              • ggf. Dosissteigerung erforderlich
            • Behandlung von Tumorschmerzen
              • i. A. 80 - 120 mg Oxycodonhydrochlorid / Tag erforderlich
              • Dosissteigerung in Einzelfällen auf bis zu 400 mg Oxycodonhydrochlorid / Tag
        • Behandlungsdauer
          • nicht länger als unbedingt nötig
          • Missbrauch und Abhängigkeit
            • bei wiederholter Anwendung von Opioiden wie Oxycodon können sich eine Toleranz und/oder eine psychische Abhängigkeit entwickeln
            • höhere Dosis und längere Dauer der Opioidbehandlung kann das Risiko erhöhen, eine Opioidgebrauchsstörung zu entwickeln
            • Missbrauch oder absichtliche Falschanwendung der Retardtabletten kann Überdosierung und/oder Tod zur Folge haben
            • erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Opioidgebrauchsstörung bei Patienten mit Substanzgebrauchsstörungen (einschließlich Alkoholgebrauchsstörung) in der persönlichen oder familiären (Eltern oder Geschwister) Vorgeschichte, bei Rauchern oder bei Patienten mit anderen psychischen Erkrankungen (z. B. Major Depression, Angststörungen und Persönlichkeitsstörungen) in der Anamnese
            • Hinweis:
              • vor und während der Behandlung den Patienten auch über die Risiken und Anzeichen einer Opioidgebrauchsstörung aufklären
              • bei Auftreten dieser Anzeichen mit dem Arzt in Verbindung setzen
        • Behandlungsziele und Beendigung der Therapie
          • vor Beginn der Behandlung
            • Behandlungsstrategie, wie z. B. die Behandlungsdauer und die Behandlungsziele sowie ein Plan für das Behandlungsende gemeinsam mit dem Patienten und in Übereinstimmung mit den Leitlinien zum Schmerzmanagement vereinbaren
          • während der Behandlung
            • häufiger Kontakt zwischen Arzt und Patient, um die Notwendigkeit einer fortgesetzten Behandlung zu beurteilen, die Beendigung der Behandlung in Erwägung zu ziehen und die Dosis bei Bedarf anzupassen
          • wenn ein Patient die Behandlung mit Oxycodonhydrochlorid nicht mehr benötigt
            • allmähliche Reduktion der Tagesdosis ratsam (Vermeiden der Symptome eines Entzugssyndroms)
          • bei fehlender adäquater Schmerzkontrolle Möglichkeit einer Hyperalgesie, einer Toleranz und einer Progression der zugrundeliegenden Erkrankung in Erwägung ziehen

Dosisanpassung

  • ältere Patienten ohne klinisch manifeste Leber- oder Nierenfunktionsstörungen
    • Dosisanpassung i. d. R. nicht erforderlich
  • eingeschränkte Leber- oder Nierenfunktion
    • bei der Verabreichung ist Vorsicht geboten
    • konservative Dosiseinstellung
    • initial: 50 % der für Erwachsene empfohlenen Dosis (z. B. Gesamttagesdosis von 10 mg Oxycodonhydrochlorid oral bei Opioid-naiven Patienten)
    • individuelle Dosistitration bis zur ausreichenden Schmerzkontrolle
  • Opioid-naive Risikopatienten, z. B. Patienten mit geringem Körpergewicht oder langsamer Metabolisierung von Arzneimitteln
    • initial: 50 % der für Erwachsene empfohlenen Dosis
  • Kinder und Jugendliche
    • Anwendung nur bei geeigneten Indikationen und von einem Facharzt verschrieben, der Erfahrung in der Behandlung starker Schmerzen bei Kindern hat
    • Vorteile und Risiken sorgfältig abwägen
    • Jugendliche >/= 12 Jahre
      • Initialdosis
        • Opioid-naive Patienten
          • 10 mg Oxycodonhydrochlorid / 12 Stunden
          • ggf. bei einigen pädiatrischen Patienten geringere Anfangsdosis sinnvoll (Verringerung von Nebenwirkungen)
            • 5 mg Oxycodonhydrochlorid / 12 Stunden
        • Patienten, die bereits Opioide erhalten haben
          • unter Berücksichtigung ihrer Opioid-Erfahrungen höhere Initialdosis möglich
    • Kinder < 12 Jahre
      • Sicherheit und Wirksamkeit noch nicht erwiwesen
      • keine Daten verfügbar

Kontraindikationen

Oxycodon - peroral
  • Überempfindlichkeit gegen Oxycodon
  • schwere Atemdepression mit Hypoxie und/oder Hyperkapnie
  • schwere chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD)
  • schweres Bronchialasthma
  • Cor pulmonale
  • paralytischer Ileus
  • akutes Abdomen, verzögerte Magenentleerung

Therapiehinweise

Mit Flüssigkeit einnehmen.

Nebenwirkungen

Oxycodon - peroral
  • Infektionen und parasitäre Erkrankungen
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Herpes simplex
  • Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Lymphadenopathie
  • Erkrankungen des Immunsystems
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Überempfindlichkeitsreaktionen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • anaphylaktische Reaktionen
      • anaphylaktoide Reaktionen
  • Endokrine Erkrankungen
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • SyndromSyndrom der inadäquaten ADH-Sekretion
  • Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Appetitabnahme bis zum Appetitverlust / Anorexie
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Dehydratation
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Appetitsteigerung
  • Psychiatrische Erkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • verschiedenartige psychische Nebenwirkungen, z.B.
        • Stimmungsveränderungen
          • Angst, Angstzustände
          • Depressionen
        • Veränderungen in der Aktivität
          • meist Dämpfung, ggf. mit Antriebsarmut
          • gelegentlich Erhöhung mit Nervosität und Schlafstörungen
          • psychomotorische Hyperaktivität
        • Unruhe
        • Schlaflosigkeit
        • Nervosität
        • Veränderungen der kognitiven Funktionen
          • Denkstörungen
          • Verwirrtheit / Verwirrtheitszustände
          • in Einzelfällen Sprachstörungen
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Agitiertheit
      • Affektlabiliät / Stimmungslabilität
      • Hyperakusis
      • euphorische Stimmung
      • verminderte Libido
      • Wahrnehmungsstörungen (z.B. Halluzinationen, Derealisation / Depersonalisation)
      • Arzneimittelabhängigkeit
        • Oxycodon kann, selbst in therapeutischen Dosen, zu einer Arzneimittelabhängigkeit führen
        • Risiko für eine Arzneimittelabhängigkeit kann je nach individuellen Risikofaktoren des Patienten, Dosierung und Dauer der Opioidbehandlung variieren
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Aggression
  • Erkrankungen des Nervensystems
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • Somnolenz
      • Sedierung
      • Schwindelgefühl
      • Kopfschmerzen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Tremor
      • Lethargie
      • Asthenie
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Amnesie
      • Konvulsionen (insb. bei Patienten mit Epilepsie oder Prädisposition zu Krampfanfällen)
      • Konzentrationsstörungen
      • Migräne
      • erhöhter Muskeltonus
      • erniedrigter Muskeltonus
      • unwillkürliche Muskelkontraktionen
      • Hypästhesie
      • Koordinationsstörungen
      • Sprachstörungen
      • Synkope
      • Parästhesien
      • Geschmacksstörungen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Hyperalgesie
      • Schlafapnoe-Syndrom
  • Augenerkrankungen
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Sehstörungen
      • Miosis
      • Störungen der Tränensekretion
  • Erkrankungen des Ohrs und des Labyrinths
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Hörstörungen
      • Vertigo
      • Tinnitus
  • Herzerkrankungen
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • (supraventrikuläre) Tachykardie
      • Palpitationen (als Symptom eines Entzugsyndroms)
  • Gefäßerkrankungen
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Vasodilatation
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Hypotonie
      • orthostatische Hypotonie
  • Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Dyspnoe
      • Bronchospasmus
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Dysphonie / Veränderung der Stimme
      • Husten, vermehrtes Husten
      • Atemdepression
      • Pharyngitis
      • Rhinitis
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • zentrales Schlafapnoe-Syndrom
  • Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • Obstipation
      • Übelkeit (vor allem zu Beginn der Therapie)
      • Erbrechen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Magen-Darm-Beschwerden, z.B. Abdominalschmerzen, Dyspepsie, Diarrhö
      • Mundtrockenheit, selten auch mit Durstgefühl und Schluckbeschwerden
      • Schluckauf
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Mundulzerationen
      • Gingivitis
      • Stomatitis
      • Dysphagie
      • Flatulenz
      • Aufstoßen
      • Ileus
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Meläna
      • Zahnerkrankungen
      • Zahnverfärbungen
      • Zahnveränderungen
      • Zahnfleischbluten
      • gesteigerter Appetit
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Karies
  • Leber- und Gallenerkrankungen
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Erhöhung leberspezifischer Enzyme
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Cholestase
      • Gallenkolik
  • Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • Pruritus
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Hautreaktionen/Hauteruptionen einschließlich Hautausschlag
      • Hyperhidrosis
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • trockene Haut
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Urtikaria
      • Lichtempfindlichkeitsreaktionen
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • exfoliative Dermatitis
  • Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Muskelspasmen
  • Erkrankungen der Nieren und Harnwege
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Dysurie
      • Harndrang
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Harnretention
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Hämaturie
  • Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Erektionsstörungen
      • Impotenz
      • Hypogonadismus
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Amenorrhoe
  • Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Asthenie
      • Ermüdung
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Schüttelfrost
      • Arzneimittelentzugssyndrom, körperliche Abhängigkeit mit Entzugssymptomen
      • Toleranzentwicklung
      • Schmerzen (z.B. Brustkorbschmerzen)
      • Unwohlsein
      • Ödeme
      • periphere Ödeme
      • Durst
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Gewichtszu- oder -abnahme
      • Cellulitis
      • Phlegmone
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Arzneimittelentzugssyndrom bei Neugeborenen
  • Verletzung, Vergiftung und durch Eingriffe bedingte Komplikationen
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Verletzungen durch Unfälle

Anwendungshinweise

  • zur oralen Einnahme
  • entweder zu den Mahlzeiten oder unabhängig davon mit ausreichend Flüssigkeit
  • die Retardtabletten dürfen nicht zerbrochen, zerteilt, zerkaut oder zerrieben werden
  • ermittelte Tagesdosierung auf zwei Einnahmen / Tag nach einem festen Zeitschema verteilen (alle 12 Std.)
  • für einige Patienten kann es von Vorteil sein - in Abhängigkeit von der individuellen Schmerzsituation - die Dosis ungleich zu verteilen

Stillzeithinweise

Oxycodon - peroral
  • Oxycodon sollte so weit wie möglich vermieden werden
  • Oxycodon kann in die Muttermilch sezerniert werden und beim gestillten Kind eine Sedierung und Atemdepression verursachen
    • sollte deshalb nicht bei stillenden Müttern angewendet werden

Schwangerschaftshinweise

Oxycodon - peroral
  • Anwendung sollte bei schwangeren Patientinnen so weit wie möglich vermieden werden
  • begrenzte Daten zur Anwendung von Oxycodon bei Schwangeren vorliegend
  • Oxycodon passiert die Plazenta
  • Neugeborene von Müttern, die in den letzten 3 - 4 Wochen vor der Geburt Opioide erhalten haben, sollten hinsichtlich einer Atemdepression überwacht werden
  • bei Neugeborenen von Müttern, die mit Oxycodon behandelt werden, können Entzugserscheinungen auftreten
  • Fertilität
    • keine ausreichenden Daten zum Einfluss von Oxycodon auf die Fertilität beim Menschen vorliegend
    • Studien an Ratten haben keine Auswirkungen auf die Fertilität gezeigt

Warnhinweise

Oxycodon - peroral
  • Atem- und Kreislaufdepression
    • Atemdepression
      • bedeutsamste durch Opioide induzierte Risiko / bedeutsamste Gefährdung einer Opioidüberdosierung
      • tritt am ehesten bei älteren oder geschwächten Patienten auf
    • die atemdämpfende Wirkung von Oxycodon kann zu einer Erhöhung der Kohlendioxidkonzentration im Blut und infolgedessen im Liquor führen
    • Blutdruckabfall
      • bei dafür anfälligen Patienten können Opioide einen starken Blutdruckabfall hervorrufen
  • Vorsicht bei der Verabreichung von Oxycodon bei:
    • älteren oder geschwächten Patienten
    • Patienten mit einer schweren Beeinträchtigung der Lungenfunktion
    • Patienten mit einer Beeinträchtigung der Leber- oder Nierenfunktion
    • Patienten mit Myxödem, Hypothyreose
    • Addisonscher Krankheit (Nebenniereninsuffizienz)
    • Prostatahypertrophie
    • Nebennierenrindeninsuffizienz
    • Intoxikationspsychose
    • Alkoholismus
    • Delirium tremens
    • Opioid-Toleranz
    • bekannte Opioidabhängigkeit / physische Abhängigkeit oder Entzugserscheinungen / psychischer Abhängigkeit (Arzneimittelsucht)
    • Erkrankung der Gallenwege, Pankreatitis
    • Gallen- oder Harnleiterkoliken
    • obstruktiven und entzündlichen Darmerkrankungen
    • Kopfverletzungen (wegen des Risikos von erhöhtem Hirndruck)
    • Hirnverletzungen (intrakranielle Läsionen)
    • Erkrankungen mit erhöhtem Hirndruck
    • Störungen der Kreislaufregulation, Hypotonie, Hypovolämie
    • Epilepsie oder Prädisposition zu Krampfanfällen
    • Bewusstseinsstörungen unklaren Ursprungs
    • Schlafapnoe-Syndrom
    • Obstipation
    • Einnahme von Benzodiazepinen oder anderen zentral dämpfend wirkenden Substanzen einschließlich Alkohol
    • Einnahme von MAO-Hemmern; Einnahme von MAO-Hemmern in den vergangenen zwei Wochen
  • paralytischer Ileus
    • bei Auftreten von oder Verdacht auf paralytischen Ileus sollte Oxycodon unverzüglich abgesetzt werden
  • Patienten mit schwerer Einschränkung der Leberfunktion
    • sollten engmaschig überwacht werden
  • Risiken einer gleichzeitigen Anwendung von sedierenden Arzneimitteln wie Benzodiazepinen oder vergleichbaren Arzneimitteln
    • gleichzeitige Anwendung von Oxycodon und sedierenden Arzneimitteln wie Benzodiazepinen oder vergleichbaren Arzneimitteln kann zu Sedierung, Atemdepression, Koma und Tod führen
    • aufgrund dieser Risiken ist die gleichzeitige Verschreibung mit diesen sedierenden Arzneimitteln nur bei den Patienten angebracht, für die es keine alternativen Behandlungsmöglichkeiten gibt
      • wenn dennoch eine gleichzeitige Verschreibung von Oxycodon zusammen mit Sedativa für notwendig erachtet wird
        • niedrigste wirksame Dosis
        • Behandlungsdauer so kurz wie möglich
    • Patienten sollten engmaschig auf Anzeichen und Symptome von Atemdepression und Sedierung überwacht werden
      • in diesem Zusammenhang dringend empfohlen, Patienten und ihre Bezugspersonen über diese Symptome zu informieren
  • Opioidgebrauchsstörung (Missbrauch und Abhängigkeit), Toleranz
    • bei wiederholter Anwendung von Opioiden wie Oxycodon können sich eine Toleranz und eine körperliche und/oder psychische Abhängigkeit entwickeln
      • bei chronischer Anwendung von Oxycodon kann es zu einer Toleranzentwicklung mit dem Erfordernis höherer Dosen zum Erzielen des erwünschten analgetischen Effektes kommen
      • Kreuztoleranz gegenüber anderen Opioiden besteht
      • längerfristige Anwendung von Oxycodon kann zu physischer Abhängigkeit führen
      • Oxycodon besitzt ein primäres Abhängigkeitspotential
    • wiederholte Anwendung von Oxycodon kann zu einer Opioidgebrauchsstörung (Opioid Use Disorder, OUD) führen
      • höhere Dosis und längere Dauer der Opioidbehandlung kann das Risiko erhöhen, eine Opioidgebrauchsstörung zu entwickeln
      • Missbrauch oder absichtliche Falschanwendung von Oxycodon kann Überdosierung und / oder Tod zur Folge haben
      • Risiko für die Entwicklung einer Opioidgebrauchsstörung ist erhöht bei
        • Patienten mit Substanzgebrauchsstörungen (einschließlich Alkoholgebrauchsstörung) in der persönlichen oder familiären (Eltern oder Geschwister) Vorgeschichte
        • bei Rauchern
        • bei Patienten mit anderen psychischen Erkrankungen (z.B. Major Depression, Angststörungen und Persönlichkeitsstörungen) in der Anamnese
    • vor Beginn der Behandlung mit Oxycodon und während der Behandlung sollten die Behandlungsziele und ein Plan für die Beendigung der Behandlung mit dem Patienten vereinbart werden
    • vor und während der Behandlung sollte der Patient auch über die Risiken und Anzeichen einer Opioidgebrauchsstörung aufgeklärt werden
      • Patienten sollte geraten werden, sich bei Auftreten dieser Anzeichen mit ihrem Arzt in Verbindung zu setzen
    • Patienten müssen auf Anzeichen eines Suchtverhaltens (drug-seeking behaviour) überwacht werden (z.B. zu frühes Nachfragen nach Folgerezepten)
      • hierzu gehört auch die Überprüfung der gleichzeitigen Anwendung von Opioiden und psychoaktiven Arzneimitteln (wie Benzodiazepinen)
      • bei Patienten mit Anzeichen und Symptomen einer Opioidgebrauchsstörung sollte die Konsultation eines Suchtspezialisten in Betracht gezogen werden
    • Entzugssyndrom
      • bei abrupter Beendigung der Therapie kann ein Entzugssyndrom auftreten
      • wenn die Therapie mit Oxycodon nicht mehr länger erforderlich ist, kann es ratsam sein, die Tagesdosis allmählich zu reduzieren, um das Auftreten der Symptome eines Entzugssyndroms zu vermeiden
      • Entzugserscheinungen können Gähnen, Mydriasis, Tränenfluss, Rhinorrhoe, Tremor, Hyperhidrosis, Angstzustände, Unruhe, Krampfanfälle, Schlaflosigkeit oder Myalgie einschließen
  • Opioide sind weder Mittel der ersten Wahl bei chronischen, nicht mit Krebs in Verbindung stehenden Schmerzen, noch werden sie als einzige Behandlung empfohlen
    • Opioide sollten als Teil eines umfassenden Behandlungsprogramms eingesetzt werden, das andere Medikamente und Behandlungsmodalitäten einschließt
    • Patienten mit chronischen, nicht mit Krebs in Verbindung stehenden Schmerzen
      • sollten auf Abhängigkeitsentwicklung und Missbrauch überwacht werden
    • in Übereinstimmung mit den Schmerzrichtlinien ist regelmäßig zu überprüfen, ob die Behandlungsziele erreicht werden
      • Dosierung ist ggf. anzupassen und über die Fortsetzung bzw. Beendigung der Therapie zu entscheiden
  • Alkohol
    • gleichzeitige Einnahme mit Alkohol sollte vermieden werden
      • bei gleichzeitiger Einnahme von Alkohol und Oxycodon können vermehrt Nebenwirkungen von Oxycodon auftreten
        • führt häufiger zu Nebenwirkungen wie Somnolenz oder Atemdepression
  • schlafbezogene Atemstörungen
    • Opioide können schlafbezogene Atemstörungen, einschließlich zentraler Schlafapnoe und schlafbezogener Hypoxämie, verursachen
    • Anwendung von Opioiden geht mit einer dosisabhängigen Erhöhung des Risikos für eine zentrale Schafapnoe einher
    • bei Patienten mit zentraler Schlafapnoe sollte eine Verringerung der Opioidgesamtdosis in Betracht gezogen werden
  • Hyperalgesie
    • Hyperalgesie, die nicht auf eine weitere Erhöhung der Oxycodondosis reagiert, kann besonders bei hohen Dosen auftreten
    • Reduktion der Oxycodondosis oder der Wechsel zu einem alternativen Opioid kann erforderlich sein
  • Warnung vor hormonellen Veränderungen
    • Opioide wie Oxycodon können die Hypothalamus-Hypophysen-Nebennieren- oder Gonaden-Achsen beeinflussen
    • zu den möglichen Veränderungen zählen ein Anstieg von Prolaktin im Serum und eine Abnahme von Cortisol und Testosteron im Plasma
    • auf Grundlage dieser Hormonveränderungen können sich klinische Symptome manifestieren
  • Kinder (< 12 Jahre)
    • Anwendung nicht empfohlen, da keine ausreichenden Daten zur Unbedenklichkeit und Wirksamkeit vorliegen
  • chirurgische Verfahren
    • Gabe Oxycodon präoperativ und während der ersten 12 - 24 Stunden postoperativ nicht empfohlen bzw. nur mit Vorsicht anzuwenden
    • in Abhängigkeit von Art und Umfang des chirurgischen Eingriffs, dem gewählten Anästhesieverfahren, der sonstigen Begleitmedikation sowie vom individuellen Zustand des Patienten, ist der Zeitpunkt des postoperativen Einsatzes von Oxycodon nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko im Einzelfall festzulegen
    • Sicherheit für die präoperative Anwendung nicht nachgewiesen
    • abdominalchirurgische Eingriffe
      • wie alle Opioid-Präparate sollte Oxycodon nach abdominalchirurgischen Eingriffen aufgrund der bekannten Beeinträchtigung der Darmmotilität mit Vorsicht angewendet werden
      • Anwendung sollte erst erfolgen, nachdem sich der Arzt von der Normalisierung der Darmfunktion überzeugt hat
  • ausschließlich zum Einnehmen vorgesehen
    • missbräuchliche parenterale Verabreichung kann zu schwerwiegenden, potentiell letalen, unerwünschten Ereignissen führen
  • Hinweise zu Darreichungsformen mit unterschiedlichen Freisetzungsverhalten beachten
  • Doping
    • Anwendung kann bei Dopingkontrollen zu positiven Ergebnissen führen
    • gesundheitlichen Folgen der Anwendung als Dopingmittel können nicht abgesehen werden, schwerwiegende Gesundheitsgefährdungen sind nicht auszuschließen