Perazin-neuraxpharm 200mg

neuraxpharm Arzneimittel GmbH
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Wirkstoff: Perazin →

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Fachinformationen

Indikation

  • akute psychotische Syndrome mit
    • Wahn
    • Halluzinationen
    • Denkstörungen
    • Ich-Störungen
  • katatone Syndrome
  • chronisch verlaufende endogene und exogene Psychosen (Symptomsuppression und Rezidivprophylaxe)
  • maniforme Syndrome
  • psychomotorische Erregungszustände

Dosierung

  • akute psychotische und katatone Symptome, psychomotorische Erregungszustände, maniforme Syndrome, chronisch verlaufende endogene und exogene Psychosen
    • Dosierung und Dauer der Anwendung anpepasst an individuelle Reaktionslage, Indikation und Schwere der Krankheit
    • Maximum der antipsychotischen Wirkung zuweilen erst nach 1- bis 3wöchiger Behandlung, sofortiger Eintritt der psychomotorisch dämpfenden Wirkung
    • ambulante Behandlung: Behandlungsbeginn mit langsam ansteigender Dosierung
    • stationäre Behandlung: Behandlungsbeginn mit höheren Dosen zur Erzielung einer raschen Wirkung möglich
    • akute psychotische und katatone Symptome, psychomotorische Erregungszustände, maniforme Syndrome
      • zu Beginn 50 - 150 mg Perazin als Einzeldosis
      • Dosissteigerung bis max. 500 mg Perazin in den ersten 24 Stunden
      • nach Abklingen akuter Symptome Erhaltungsdosis bei
        • stationärer Behandlung
          • 1 - 3 Tabletten (200 - 600 mg Perazin) / Tag
          • therapieresistente Fälle: bis 5 Tabletten (1000 mg Perazin) / Tag
        • ambulanter Behandlung
          • bis 300 mg Perazin / Tag, bei sorgfältiger Beobachtung auch darüber
    • chronisch verlaufende endogene und exogene Psychosen (Symptomsuppression und Rezidivprophylaxe)
      • Tagesgesamtdosis: 75 - 600 mg Perazin
    • abrupte starke Dosisänderungen vermeiden (erhöhtes Nebenwirkungsrisiko)
    • nach längerfristiger Therapie Abbau der Dosis in sehr kleinen Schritten über große Zeiträume
    • Behandlungsdauer richtet sich nach Krankheitsbild

Dosisanpassung

  • ältere Patienten
    • ausreichende therapeutische Wirkung mit niedrigeren Dosen, meist der Hälfte der o.g. Mengen
    • bereits bei niedrigen Dosierungen extrapyramidale Nebenwirkungen möglich
    • erhöhte Häufigkeit von Spätdyskinesien
    • sedierende Wirkung ist stärker ausgeprägt
    • Hypotonien können häufiger auftreten
  • Kinder und Jugendliche < 16 Jahre
    • von der Behandlung ausnehmen, da kein ausreichendes klinisches Erkenntnismaterial vorliegt
  • eingeschränkte Leberfunktion
    • Dosisreduktion
    • ältere Patienten
      • besondere Vorsicht wegen der erhöhten Empfindlichkeit
      • häufig stärkere Ausprägung anticholinerger Nebenwirkungen
    • schwere Lebererkrankung
      • Anwendung nur unter besonderer Vorsicht
  • eingeschränkte Nierenfunktion
    • keine Dosisanpassung

Kontraindikationen

Perazin - peroral
  • Überempfindlichkeit gegen Perazin oder andere Neuroleptika, insbesondere vom Phenothiazin-Typ
  • schwere Blutzell- und Knochenmarkschädigung

Therapiehinweise

Mit Flüssigkeit einnehmen.

Nebenwirkungen

Perazin - peroral
  • Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Blutbildungsstörungen (passagere Eosinophilien und relative Granulozytopenien bei Lympho- oder Monozytosen)
      • Leukopenie
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Thrombopenie
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Agranulozytose
  • Erkrankungen des Immunsystems
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Lupus erythematodes
  • Psychiatrische Erkrankungen
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • die nach Abklingen einer akuten Psychose häufig zu beobachtenden depressiven Syndrome können in seltenen Fällen durch eine Perazin-Behandlung verstärkt werden
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Verwirrtheitszustände
      • allgemeine Unruhe
      • amentielle Syndrome
  • Erkrankungen des Nervensystems
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Sedierung
      • Frühdyskinesien (krampfartiges Herausstrecken der Zunge, Verkrampfung der Schlundmuskulatur, okulogyre Krisen, Schiefhals, Versteifung der Rückenmuskulatur, Kiefermuskelkrämpfe)
        • beim Auftreten Dosisreduktion oder Behandlung mit anticholinergen Antiparkinsonmitteln erforderlich
      • Parkinson-Syndrom (Zittern, Steifigkeit, Bewegungsarmut)
        • beim Auftreten Dosisreduktion oder Behandlung mit anticholinergen Antiparkinsonmitteln erforderlich
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Akathisie (beinbetonte Bewegungsunruhe, häufig mit depressiver Verstimmung verbunden)
        • v.a. unter höheren Dosen und bei längerer Behandlung
        • Behandlung der Akathisie ist schwierig
          • zunächst kann eine Dosisreduktion versucht werden
          • Sedativa, Hypnotika und GABA-Rezeptoragonisten sind mit wechselndem Erfolg eingesetzt worden
      • Spätdyskinesien, v.a. im Mundbereich (können noch nach der Beendigung der Behandlung anhalten und sind manchmal irreversibel)
        • nach längerfristiger Anwendung
        • insbesondere bei älteren Patienten und beim weiblichen Geschlecht
        • bei langandauernder Perazin-Monotherapie in individuell abgestimmter und möglichst niedriger Dosierung sind Spätdyskinesien bisher nicht beobachtet worden bzw. in ihrem kausalen Zusammenhang zu Perazin fraglich
        • Spätdyskinesien können unter der Neuroleptika-Therapie maskiert werden und dann erst nach Beendigung der Behandlung in Erscheinung treten
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Krampfanfälle
      • anticholinerges Delir
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Schlafstörungen
      • Bewusstseinstrübungen
      • stuporöse Zustandsbilder
      • vermehrtes Träumen
      • Alp- und Angstträume
      • malignes neuroleptisches Syndrom
        • mit Fieber über 40 °C und Muskelstarre (Anstieg des Myoglobins und der Kreatinkinase-Aktivität [CK] im Blut)
  • Augenerkrankungen
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Akkommodationsstörungen*
      • Veränderungen des Augeninnendrucks*
      • Photosensibilität der Augen
  • Herzerkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • EKG-Veränderungen in Form klinisch nicht bedeutsamer Erregungsrückbildungsstörungen
      • reflektorische Beschleunigung der Herzfrequenz, insbesondere zu Behandlungsbeginn
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Kreislaufversagen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • QT-Intervall-Verlängerung
      • Torsades de Pointes-Arrhythmien sind insbesondere beim Vorliegen weiterer Risikofaktoren nicht auszuschließen
        • in diesen Fällen ist die Behandlung mit Perazin abzubrechen
  • Gefäßerkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Hypotonie bzw. orthostatische Dysregulation, insbesondere zu Behandlungsbeginn
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Nasenbluten
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Thromboembolien (einschließlich Fälle von Lungenembolie und Fälle von tiefer Venenthrombose)
  • Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und Mediastinums
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • verstopfte Nase*
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • respiratorische Störungen
  • Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Störungen der Speichelsekretion*
      • Mundtrockenheit*
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Obstipation
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • nekrotisierende Enteritis
  • Leber- und Gallenerkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • passagere Erhöhungen der Leberenzymaktivitäten
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • schwere Leberschädigungen (können unter extrem hohen Dosen häufiger sein)
  • Erkankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Schwitzen*
      • Photosensibilität der Haut
      • Sensibilitätsstörungen an Händen und/ oder Füßen (insbesondere nach starker Sonnenbestrahlung)
      • allergische Hauterscheinungen
  • Erkrankungen der Nieren und Harnwege
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Störungen beim Harnlassen
  • Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Galaktorrhö
      • Amenorrhö
      • Brustdrüsenvergrößerung
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Auswirkungen auf die sexuellen Funktionen (Beeinträchtigung der sexuellen Reaktionsfähigkeit, der sexuellen Appetenz sowie Störungen der Erektion und Ejakulation)
  • Schwangerschaft, Wochenbett und perinatale Erkrankungen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Arzneimittelentzugssyndrom des Neugeborenen
  • Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • vermehrtes Durstgefühl*
      • Gewichtszunahme*
      • Temperaturerhöhungen
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • schwere phototoxische Reaktionen
  • Untersuchungen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Veränderungen des oralen Glukosetoleranztestes im Sinne hyperglykämischer Normabweichung (unter mittleren bis hohen Dosen häufig)

Legende

  • * = v.a. unter höheren Dosen

Anwendungshinweise

  • Einnahme der Tabletten unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit
  • Verteilung der Tagesdosis auf mehrere Einzeldosen möglich

Stillzeithinweise

Perazin - peroral
  • Perazin und dessen Metabolite gehen in die Muttermilch über
  • sollte Therapie unverzichtbar sein, ist abzustillen

Schwangerschaftshinweise

Perazin - peroral
  • 1. Trimenon
    • Perazin soll nicht angewendet werden
  • 2. und 3. Trimenon
    • Perazin soll nur bei zwingender Indikation unter Berücksichtigung des Risikos für Mutter und Kind verordnet werden
      • dabei sollte die niedrigste wirksame Dosis eingesetzt werden
    • zur Verhinderung von Extrapyramidal- oder Entzugssymptomatik beim Neugeborenen sollte Perazin in den letzten 10 Tagen der Schwangerschaft nicht mehr eingenommen werden
  • Neugeborene, die während des 3. Trimenons der Schwangerschaft gegenüber Antipsychotika (einschließlich Perazin) exponiert sind
    • sind durch Nebenwirkungen einschließlich extrapyramidaler Symptome und/oder Entzugserscheinungen gefährdet, deren Schwere und Dauer nach der Entbindung variieren können
    • Berichte über Agitiertheit, erhöhten oder erniedrigten Muskeltonus, Tremor, Somnolenz, Atemnot oder Störungen bei der Nahrungsaufnahme
    • dementsprechend sollten Neugeborene sorgfältig überwacht werden
  • Phenothiazine
    • in Einzelfallberichten und einer kontrollierten Studie wurde über unterschiedliche Fehlbildungen bei der Anwendung von Phenothiazinen berichtet
      • kausaler Zusammenhang ließ sich durch größere Studien nicht erhärten
  • Perazin ist plazentagängig
  • zu Perazin keine ausreichend dokumentierten Erfahrungen über die Wirkung auf den menschlichen Embryo oder Feten vorliegend
  • keine tierexperimentellen Studien zur Reproduktionstoxizität von Perazin vorliegend
  • Frauen im reproduktionsfähigen Alter
    • Patientin darauf hinweisen sich unverzüglich mit Ihrem Arzt in Verbindung zu setzen, wenn sie schwanger zu werden wünscht oder eine Schwangerschaft vermutet

Warnhinweise

Perazin - peroral
  • Perazin darf nur unter besonderer Vorsicht angewendet werden bei:
    • anamnestisch bekanntem malignen neuroleptischen Syndrom
    • akuter Intoxikation mit zentraldämpfenden Pharmaka (z.B. Opiaten, Hypnotika, Antidepressiva, Neuroleptika, Tranquilizern) oder Alkohol
    • Leukopenie und anderen Erkrankungen des hämatopoetischen Systems
    • prolaktinabhängigen Tumoren, z.B. Mamma-Tumoren
    • schweren Lebererkrankungen
    • kardialer Vorschädigung
    • schwerer Hypotonie, orthostatischer Dysregulation
    • Hypertonie
    • Hypotonie
    • Bradykardie
    • Hypokaliämie
    • Glaukom
    • Miktionsstörungen
    • Pylorusstenose
    • Prostatahypertrophie
    • epileptischen Anfällen in der Anamnese
    • nicht pharmakogenen Parkinson-Syndromen
    • angeborenem langem QT-Syndrom oder anderen klinisch signifikanten kardialen Störungen (insbesondere koronare Herzkrankheit, Erregungsleitungsstörungen, Arrhythmien)
    • gleichzeitiger Behandlung mit Arzneimitteln, die ebenfalls das QT-Intervall im EKG verlängern, eine Hypokaliämie oder andere Störungen des Elektrolythaushalts hervorrufen können
  • Kinder und Jugendliche (< 16 Jahre)
    • Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren sind von der Behandlung mit Perazin auszunehmen, da kein ausreichendes klinisches Erkenntnismaterial vorliegt
  • Blutbildkontrollen
    • vor der Behandlung Blutbild (einschließlich des Differentialblutbildes und der Thrombozytenzahl) kontrollieren
      • bei abweichenden Blutwerten darf keine Behandlung mit Perazin erfolgen
    • während der Behandlung regelmäßige Blutbildkontrollen (Leukozytenzahl und Differentialblutbild) durchführen
    • nach Beginn der Behandlung sollten über einen Zeitraum von 4 Monaten wöchentlich Blutbildkontrollen vorgenommen werden
      • bei unauffälligen Befunden erscheint danach eine monatliche Blutbildkontrolle ausreichend
      • bei schnellem Absinken der Leukozytenzahl (insbesondere bei Werten < 3000/mm3) oder anderen Blutbildveränderungen, ist die Behandlung mit Perazin sofort abzubrechen und durch andere Therapieformen zu ersetzen
      • ggf. intensivmedizinische Maßnahmen durchführen
        • Blutbildkontrollen bis zur Normalisierung erforderlich
  • Patient sollte angehalten werden, bei Fieber, Zahnfleisch- und Mundschleimhautentzündungen, Halsschmerzen oder eitriger Angina sowie grippeähnlichen Symptomen, insbesondere wenn diese Symptome innerhalb der ersten 3 Monate nach Beginn der medikamentösen Behandlung auftreten, keine Selbstmedikation mit Analgetika/Antibiotika durchzuführen, sondern sofort seinen behandelnden Arzt aufzusuchen
  • Sonnenbestrahlung
    • wegen einer möglichen Lichtüberempfindlichkeit der Haut sollten intensive Sonnenbäder vermieden oder zumindest die Haut durch Anwendung eines Lichtschutzmittels geschützt werden
  • Patienten mit organischen Hirnschäden, arteriosklerotischen Gehirngefäßerkrankungen und Depressionen
    • besondere Vorsicht ist bei einer Therapie mit Perazin (zum Teil Verstärkung der depressiven Symptomatik)
  • Stammganglienerkrankung (z.B. M. Parkinson)
    • Perazin sollte nur in Ausnahmefällen angewendet werden
    • bei Verschlechterung der Symptomatik Behandlung absetzen
  • epileptische Anfälle
    • bei Patienten mit epileptischen Anfällen berücksichtigen, dass Perazin die Anfallsbereitschaft erhöhen kann
    • Auftreten von Krampfanfällen wird durch hohe Dosen zu Behandlungsbeginn, schnelle Dosissteigerungen und abruptes Absetzen hoher Dosen begünstigt
    • bei Bestehen eines Anfallsleidens ist, bei gleichzeitiger Fortführung der antikonvulsiven Medikation, keine absolute Kontraindikation für eine Verordnung von Neuroleptika bei psychiatrischer Indikation gegeben
  • malignes neuroleptisches Syndrom
    • In Einzelfällen kann es bei der Behandlung mit Neuroleptika zu einem lebensbedrohlichen malignen neuroleptischen Syndrom mit Fieber über 40 °C und Muskelstarre (Anstieg des Myoglobins und der Kreatinkinase-Aktivität [CK] im Blut) kommen
    • bisher ist über eine derartige Nebenwirkung unter Perazin-Therapie nicht berichtet worden
    • bei Auftreten von hohem Fieber und Muskelstarre an ein malignes neuroleptisches Syndrom denken, welches nicht selten als Katatonie fehldiagnostiziert wird
    • da hier eine erneute Gabe eines Neuroleptikums lebensbedrohend sein kann, ist die Differentialdiagnose von entscheidender Bedeutung (u.a. Medikamentenanamnese, Prüfung auf Rigor, Fieber sowie Anstieg der Kreatinkinase- Aktivität im Blut, Myoglobinanstieg in Blut und Harn)
    • Behandlung dieses Syndroms ist schwierig, folgende Maßnahmen empfohlen:
      • sofortiges Absetzen des Medikamentes
      • Behandlung der Hyperthermie durch Kühlen, da Antipyretika bei hohem Fieber möglicherweise nicht wirksam sind,
      • Behandlung von Störungen des Elektrolyt- und Wasserhaushaltes, der kardiovaskulären Manifestationen, Infektionen, der respiratorischen und renalen Komplikationen
      • Therapieversuch mit Dantrolen-Infusionen (3 - 10 mg/kg KG / Tag) in Kombination mit Bromocriptin (7,5 - 30 mg/Tag, oral)
  • Leberfunktionsstörung
    • bei gestörter Leberfunktion müssen die Dosen angepasst werden
  • ältere Patienten
    • besonders bei älteren Patienten besondere Vorsicht wegen der erhöhten Empfindlichkeit
    • anticholinerge Nebenwirkungen sind häufig stärker ausgeprägt
    • ältere Patienten können bereits bei niedrigen Dosierungen extrapyramidale Nebenwirkungen entwickeln
    • Häufigkeit von Spätdyskinesien ist erhöht
    • sedierende Wirkung bei älteren Patienten stärker ausgeprägt
    • Hypotonien können häufiger auftreten
  • erhöhte Mortalität bei älteren Menschen mit Demenz-Erkrankungen
    • Daten zweier großer Anwendungsstudien zeigten, dass ältere Menschen mit Demenz-Erkrankungen, die mit konventionellen (typischen) Antipsychotika behandelt wurden, einem leicht erhöhten Mortalitätsrisiko im Vergleich zu nicht mit Antipsychotika Behandelten ausgesetzt sind
      • genaue Höhe dieses Risikos kann nicht angegeben werden
      • Ursache für die Risikoerhöhung nicht bekannt
    • Perazin nicht zur Behandlung von Verhaltensstörungen, die mit Demenz-Erkrankungen zusammenhängen, zugelassen
  • erhöhtes Risiko für das Auftreten von unerwünschten cerebrovaskulären Ereignissen
    • in randomisierten, placebokontrollierten klinischen Studien mit an Demenz erkrankten Patienten, die mit einigen atypischen Antipsychotika behandelt wurden, ein etwa um das dreifache erhöhtes Risiko für unerwünschte cerebrovaskuläre Ereignisse beobachtet
      • Mechanismus, der zu dieser Risikoerhöhung führt, unbekannt
    • kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese Wirkung auch bei der Anwendung anderer Antipsychotika oder bei anderen Patientengruppen auftritt
    • Perazin sollte daher bei Patienten, die ein erhöhtes Schlaganfallrisiko haben, mit Vorsicht angewendet werden
  • Thromboembolie-Risiko
    • im Zusammenhang mit der Anwendung von Antipsychotika Fälle von venösen Thromboembolien (VTE) berichtet
    • da Patienten, die mit Antipsychotika behandelt werden, häufig erworbene Risikofaktoren für VTE aufweisen, sollten alle möglichen Risikofaktoren für VTE vor und während der Behandlung identifiziert und Präventivmaßnahmen ergriffen werden