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Fachinformationen

Indikation

  • akute und chronische bakterielle Infektionen (Erkrankung durch Ansteckung) durch Clindamycin-empfindliche Erreger
    • Infektionen der Knochen und Gelenke
    • Infektionen des HNO-Bereichs
    • Infektionen des Zahn- und Kieferbereichs
    • Infektionen der tiefen Atemwege
    • Infektionen des Becken- und Bauchraumes
    • Infektionen der weiblichen Geschlechtsorgane
    • Infektionen der Haut und Weichteile
    • Scharlach
  • Hinweis
    • bei schweren Krankheitsbildern: Behandlung mit Clindamycin-haltigen Arzneimitteln, die langsam in ein Blutgefäß verabreicht werden

Dosierung

Basiseinheit: 1 Messlöffel (5 ml) der gebrauchsfertigen Lösung entält 75 mg Clindamycin

  • akute und chronische bakterielle Infektionen durch Clindamycin-empfindliche Erreger
    • Säuglinge (> 4 Wochen) und Kinder (bis 14 Jahre)
      • 8 - 25 mg Clindamycin / kg KG / Tag
      • Tagesdosis verteilt auf 3 - 4 Gaben, i. d. Regel bevorzugt 4 Gaben
      • z.B.:
        • 10 kg KG: 3 Messlöffel (225 mg Clindamycin) / Tag
        • 20 kg KG: 4 - 6 Messlöffel (300 - 450 mg Clindamycin) / Tag
        • 30 kg KG: 4 - 10 Messlöffel (300 - 750 mg Clindamycin) / Tag
      • Dosierung auf Grundlage des Gesamtkörpergewichts unabhängig von Adipositas
    • Erwachsene und Jugendliche > 14 Jahre
      • Arzneimittel mit höherem Wirkstoffgehalt bzw. geeigneteren Darreichungsformen verfügbar
    • Behandlungsdauer
      • bei Verdacht auf Infektion mit beta-hämolysierenden Streptokokken oder bei Nachweis von beta-hämolysierenden Streptokokken: mindestens 10 Tage
      • Infektionen im kleinen Becken und Infektionen durch Chlamydia trachomatis: 10 - 14 Tage
      • bei Langzeittherapie (> 10 Tage)
        • Kontrolle von Blutbild, Leber- und Nierenfunktion in regelmäßigen Abständen
      • langfristige und wiederholte Anwendung
        • Superinfektion bzw. Kolonisation mit resistenten Keimen oder Sprosspilzen der Haut und Schleimhäute möglich
    • eingeschränkte Nierenfunktion
      • verlängerte Eliminationshalbwertszeit
      • leicht - mäßig
        • keine Dosisreduktion erforderlich
      • schwere Niereninsuffizienz oder Anurie
        • Überwachung der Plasmaspiegel
        • eventuelle Dosisverminderung oder Verlängerung des Dosierungsintervalls auf 8 - 12 Stunden bei zu hohen Plasmaspiegeln von Clindamycin
      • Hämodialyse
        • Clindamycin ist nicht hämodialysierbar
        • nach einer Dialyse keine zusätzliche Dosis erforderlich
    • eingeschränkte Leberfunktion
      • Anwendung mit Vorsicht
      • mittelschwere bis schwere Lebererkrankung
        • verlängerte Eliminationshalbwertszeit
        • i.d.R. keine Dosisreduktion erforderlich beim Anwendungsintervall von 8 Stunden
      • schwere Leberinsuffizienz
        • Überwachung der Plasmaspiegel
        • eventuelle Dosisverminderung oder Verlängerung des Dosierungsintervalls bei zu hohen Plasmaspiegeln von Clindamycin

Kontraindikationen

Clindamycin - intraoral
  • Überempfindlichkeit gegen Clindamycin oder Lincomycin (Parallergie besteht)

Therapiehinweise

Mit Flüssigkeit einnehmen.

Nebenwirkungen

Clindamycin - intraoral
  • Infektionen und parasitäre Erkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • pseudomembranöse Colitis (Nebenwirkung von Antibiotika (Klasseneffekt))
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Clostridium-difficile Colitis
      • Vaginalinfektion
  • Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Agranulozytose
      • Neutropenie
      • Thrombozytopenie
      • Leukopenie
      • Eosinophilie
  • Erkrankungen des Immunsystems
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Arzneimittelfieber
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • anaphylaktische Reaktion
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • anaphylatischer Schock
      • anaphylaktoide Reaktion
      • Überempfindlichkeit
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • (schwere) allergische Reaktionen, teilweise schon nach Erstanwendung (Nebenwirkungvon Antibiotika (Klasseneffekt))
  • Erkrankungen des Nervensystems
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • neuromuskulär blockierende Wirkung
      • Dysgeusie
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Schwindel
      • Schläfrigkeit
      • Kopfschmerzen
  • Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • Speiseröhrenreizung
      • Ösophagitis
      • Stomatitis
      • Durchfall
      • abdominale Schmerzen
      • Übelkeit
      • Erbrechen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Ösophagusulkus
  • Leber- und Gallenerkrankungen
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • vorübergehende Hepatitis mit cholestatischem Ikterus
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Ikterus
  • Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • makulopapulöses Exanthem
      • masernähnliches Exanthem
      • Urtikaria
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • toxische epidermale Nekrolyse (TEN)
      • Stevens-Johnson-Syndrom (SJS)
      • Lyell-Syndrom
      • Quincke-/Angioödem
      • exfoliative Dermatitis
      • bullöse Dermatitis
      • Erythema multiforme
      • Pruritus
      • Vaginitis
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Ausschlag und Blasenbildung (Überempfindlichkeitsreaktionen)
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Arzneimittelreaktion mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS)
      • akutes generalisiertes pustulöses Exanthem (AGEP)
  • Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Polyarthritis
  • Erkrankungen der Nieren und Harnwege
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • akute Nierenschädigung
  • Untersuchungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Leberfunktionstest anomal

Anwendungshinweise

  • zum Einnehmen nach Zubereitung
  • Granulat auflockern und in 60 ml Wasser auflösen
    • 2mal 30 ml Wasser in die Flasche geben
    • nach jeder Wasserzugabe Flasche kräftig schütteln
  • in Gebieten mit bekanntermaßen hoher Wasserhärte zur Auflösung des Granulates weiches (demineralisiertes oder destilliertes) Wasser verwenden
  • weitere Informationen s. Fachinformation

Stillzeithinweise

Clindamycin - intraoral
  • wegen der Gefahr von schwerwiegenden Nebenwirkungen beim gestillten Säugling soll Clindamycin von stillenden Müttern nicht eingenommen werden
  • Clindamycin geht in die Muttermilch über
    • berichtet, dass systemisch angewendetes Clindamycin Werte von < 0,5 bis 3,8 µg/ml in der menschlichen Muttermilch erreicht
    • negative Auswirkungen auf die gastrointestinale Flora, wie Durchfälle oder Blut im Stuhl, Sensibilisierungen, Hautausschlag und Sprosspilzbesiedlung der Schleimhäute beim gestillten Säugling sind nicht auszuschließen

Schwangerschaftshinweise

Clindamycin - intraoral
  • während der Schwangerschaft müssen Nutzen und Risiko sorgfältig gegeneinander abgewogen werden
  • Clindamycin passiert die Plazenta
    • Annahme, dass eine therapeutisch wirksame Konzentration im Fötus erreicht wird
  • große Studie an schwangeren Frauen, in der ca. 650 Neugeborene untersucht wurden, die während des 1. Trimenons der Schwangerschaft Clindamycin ausgesetzt waren, zeigte keinen Anstieg an Missbildungen
    • dennoch ist die Datenlage bezüglich der Sicherheit von Clindamycin während der Schwangerschaft unzureichend
  • tierexperimentelle Studien
    • lassen nicht auf direkte oder indirekte schädliche Auswirkungen auf Schwangerschaft, embryonale/fetale Entwicklung, Geburt oder postnatale Entwicklung schließen
  • Fertilität
    • Tierstudien zeigten keine Hinweise auf Fertilitätsstörungen
    • Humandaten zur Wirkung von Clindamycin auf die Fertilität liegen nicht vor

Warnhinweise

Clindamycin - intraoral
  • Hinweise
    • bei schweren Krankheitsbildern sollte einleitend eine Behandlung mit Clindamycin-haltigen Arzneimitteln vorgenommen werden, die langsam in ein Blutgefäß verabreicht werden (Infusionen)
    • Clindymycin sollte nicht bei akuten Infektionen der Atemwege angewendet werden, wenn diese viral verursacht sind
  • Vorsicht geboten bei
    • eingeschränkter Leberfunktion
    • Störungen der neuromuskulären Übertragung (Myasthenia gravis, Parkinson-Krankheit)
    • Magen-Darm-Erkrankungen in der Vorgeschichte (z.B. frühere Entzündungen des Dickdarms)
    • Atopie
    • Allergien
    • Asthma
  • Überempfindlichkeitsreaktionen
    • über schwere Überempfindlichkeitsreaktionen unter Clindamycin berichtet, einschließlich schwerer Hautreaktionen wie z.B. Medikamentenausschlag mit Eosinophilie und systemischen Symptomen (DRESS-Syndrom), Stevens-Johnson-Syndrom (SJS), toxisch-epidermale Nekrolyse (TEN) und akut generalisierendes pustulöses Exanthem (AGEP)
    • beim Auftreten einer Überempfindlichkeit oder schwerer Hautreaktionen sollten die Behandlung mit Clindamycin abgebrochen und eine geeignete Behandlung eingeleitet werden
  • Langzeittherapie
    • bei Langzeittherapie (> 10 Tage) sollten in regelmäßigen Abständen Blutbild sowie Leber- und Nierenfunktion kontrolliert werden
    • langfristige und wiederholte Anwendung von Clindamycin kann zu einer Superinfektion bzw. Kolonisation mit resistenten Keimen oder Sprosspilzen der Haut und Schleimhäute führen
  • Clostridium-difficile-assoziierte Diarrhöen (CDAD)
    • bei Anwendung von nahezu allen Antibiotika, einschließlich Clindamycin, über das Auftreten von Clostridium-difficile-assoziierten Diarrhöen (CDAD) berichtet
      • von der Ausprägung her reichten diese von leichtem Durchfall bis hin zu einer Colitis mit letalem Ausgang
    • Therapie mit Antibiotika verändert die normale Darmflora, was zu einer Überwucherung mit C. difficile führen kann
      • C. difficile produziert die Toxine A und B, die zur Entwicklung von CDAD beitragen und eine Hauptursache für die „antibiotikaassoziierte Colitis" darstellen
      • hypertoxinproduzierende Stämme von C. difficile sind mit einer erhöhten Morbidität und Mortalität assoziiert, da derartige Infektionen therapieresistent gegenüber einer antibiotischen Therapie sein können und eventuell eine Kolektomie notwendig machen
    • CDAD ist bei allen Patienten mit Durchfall nach antibiotischer Behandlung in Betracht zu ziehen
      • hierbei ist eine sorgfältige medikamentöse Anamnese durchzuführen, da eine CDAD bis zu 2 Monate nach Durchführung einer Antibiotikatherapie auftreten kann
      • daraus kann sich eine Colitis, einschließlich einer pseudomembranösen Colitis entwickeln, deren Schweregrad von leicht bis tödlich reichen kann
    • bei Verdacht auf antibiotikaassoziierte Diarrhö oder antibiotikaassoziierte Colitis sowie bei bestätigter antibiotikaassoziierter Diarrhö oder antibiotikaassoziierter Colitis
      • sollten sofort die Behandlung mit Antibiotika, einschließlich Clindamycin, abgebrochen und geeignete therapeutische Maßnahmen eingeleitet werden
        • Peristaltikhemmer sind in dieser Situation kontraindiziert
  • Meningitis
    • nicht zur Therapie einer Meningitis geeignet, da Clindamycin nicht in ausreichender Konzentration in den Liquor cerebrospinalis diffundiert
  • Nierenschädigung
    • Fälle von akuter Nierenschädigung, einschließlich akuten Nierenversagens, gelegentlich berichtet
    • bei Patienten, die an vorbestehenden Nierenfunktionsstörungen leiden oder gleichzeitig nephrotoxische Arzneimittel anwenden, Überwachung der Nierenfunktion in Betracht ziehen
  • Penicillin-Allergie
    • Clindamycin-Behandlung ist u.U. mögliche Behandlungsalternative bei Penicillin-Allergie (Penicillin-Überempfindlichkeit)
      • Kreuzallergie zwischen Clindamycin und Penicillin ist nicht bekannt und aufgrund der Strukturunterschiede der Substanzen auch nicht zu erwarten
    • gibt jedoch in Einzelfällen Informationen über Anaphylaxie (Überempfindlichkeit) auch gegen Clindamycin bei Personen mit bereits bestehender Penicillin-Allergie
      • sollte bei einer Clindamycin-Behandlung von Patienten mit Penicillin-Allergie beachtet werden