THIAMAZOL 20MG HENNING

Sanofi-Aventis Deutschland GmbH
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Wirkstoff: Thiamazol →

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Fachinformationen

Indikation

  • konservative Behandlung der Hyperthyreose, insbesondere bei kleiner oder fehlender Struma sowie bei jüngeren Patienten
    • Ziel der Therapie: Herstellung einer euthyreoten Stoffwechsellage und Dauerremission nach einer begrenzten Therapiedauer
  • Operationsvorbereitung bei allen Formen der Hyperthyreose
    • durch zeitlich begrenzte Dauer der Vorbehandlung (etwa 3 - 4 Wochen, im Einzelfall auch länger) kann eine euthyreote Stoffwechsellage hergestellt werden, die das Operationsrisiko senkt
    • die durch Thiamazol bedingte erhöhte Brüchigkeit und Blutungsbereitschaft des Schilddrüsengewebes kann durch zusätzliche präoperative Gabe von Iod („Plummerung") kompensiert werden
  • Vorbereitung bzw. Intervalltherapie ergänzend zu einer Radioiodtherapie

Dosierung

  • Hyperthyreose (auch vor einer Schilddrüsenoperation bzw. vor und nach einer Radioiodtherapie)
    • initial:
      • 20 - 40 mg Thiamazol / Tag (je nach Schweregrad der Erkrankung), verteilt auf regelmäßige Einzelgaben von 5 - 20 mg
    • Erhaltungsdosis nach Normalisierung der Schilddrüsenfunktionslage (i. d. R. nach 3 - 8 Wochen):
      • 2,5 - 10 mg (20 mg) Thiamazol 1mal / Tag
      • bei Erreichen der euthyreoten Stoffwechsellage kann eine antistrumigene Zusatztherapie mit Schilddrüsenhormonen (50 - 100 µg Levothyroxin-Natrium / Tag) einsetzen
    • iodinduzierten Hyperthyreosen: möglicherweise höhere Dosierungen erforderlich
    • Behandlungsdauer
      • bei der konservativen Behandlung der Hyperthyreose i. A. 1/2 - 2 Jahre (im Mittel 1 Jahr), wobei statistisch die Heilungswahrscheinlichkeit mit der Behandlungsdauer ansteigt
  • Operationsvorbereitung bei allen Formen der Hyperthyreose
    • Therapie bis zum Erreichen einer euthyreoten Stoffwechsellage, wie oben beschrieben
    • sobald diese erfolgt ist, sollte operiert werden, oder es müssen ergänzend Schilddrüsenhormone gegeben werden
    • in den letzten 10 Tagen vor der Operation kann, wenn vom Chirurgen bevorzugt, Iod zur Verfestigung des Schilddrüsengewebes gegeben werden
    • Behandlungsdauer
      • Anwendung bis zum Operationstermin (i. d. R. mit Betarezeptorenblockern und / oder Iodpräparaten und bei längerer Zeitspanne bis zur Operation auch Schilddrüsenhormon)
  • Behandlung vor einer Radioiodtherapie
    • Therapie bis zum Erreichen einer euthyreoten Stoffwechsellage, wie oben beschrieben
    • Thiamazol beeinflusst Iodkinetik, daher u. U. höhere Radioioddosen erforderlich
    • Hinweis:
      • Thioamide können die Strahlenempfindlichkeit des Schilddrüsengewebes herabsetzen
      • bei geplanter Radioiodtherapie autonomer Adenome muss gewährleistet sein, dass das paranoduläre Gewebe durch eine Vorbehandlung nicht aktiviert wird
    • Behandlungsdauer
      • bis zum vollen Einsetzen der Radioiodwirkung (über ca. 2 - 3 Monate, evtl. </= 6 Monate)
      • bei der Vorbereitung von Patienten mit autonomem Adenom oder latenter Hyperthyreose vor einer notwendigen Iodexposition richtet sich die Dauer der Thiamazol-Gabe nach der Verweildauer der iodhaltigen Substanz im Organismus
  • thyreostatische Intervalltherapie nach einer Radioiodtherapie
    • individuelle Dosisierung und Behandlungsdauer, je nach Schwere des Krankheitsbildes und geschätztem Intervall bis zum Eintritt der Radioiodwirkung
  • thyreostatische Dauertherapie in Fällen, in denen eine Remission der Erkrankung nicht zu erzielen ist und definitive Therapiemaßnahmen nicht in Betracht kommen oder abgelehnt werden
    • möglichst niedrige Dosierung: 2,5 - 10 mg Thiamazol / Tag, ohne Zusatz oder zusammen mit einer geringen Menge von Schilddrüsenhormonen

Dosisanpassung

  • Kinder und Jugendliche (3 - 17 Jahre)
    • initial:
      • Anfangsdosis an das Körpergewicht (KG) des Patienten anpassen
      • 0,5 mg / kg KG / Tag, aufgeteilt auf 2 oder 3 gleiche Einzelgaben
    • Erhaltungsdosis:
      • Dosis kann reduziert werden, abhängig vom Ansprechen des Patienten auf die Therapie
      • um eine Hypothyreose zu vermeiden, kann eine zusätzliche Behandlung mit Levothyroxin erforderlich sein
      • max. Tagesdosis: </= 40 mg Thiamazol
  • Kinder (2 Jahre und jünger)
    • Sicherheit und Wirksamkeit nicht geprüft
    • Anwendung bei Kindern unter 2 Jahren nicht empfohlen
  • Leberinsuffizienz
    • Dosis sollte möglichst niedrig gehalten werden
    • Plasmaclearance von Thiamazol vermindert
  • Schwangerschaft und Stillzeit
    • Dosis so gering wie möglich (2,5 - 10 mg / Tag)
    • Behandlung sollte ohne zusätzliche Schilddrüsenhormongabe durchgeführt werden
    • Stillzeit
      • max. Dosis: 10 mg / Tag

Kontraindikationen

Thiamazol - peroral
  • Überempfindlichkeit gegen Thiamazol oder andere Thioamidderivate (z.B. Carbimazol)
  • mäßige bis schwere Blutbildveränderungen (Granulozytopenie)
  • vorbestehende Cholestase, die nicht durch die Hyperthyreose verursacht wurde
  • früher Knochenmarkschädigung nach einer Behandlung mit Thiamazol oder Carbimazol
  • Patienten mit akuter Pankreatitis in der Vorgeschichte nach Verabreichung von Thiamazol oder seinem Prodrug Carbimazol
  • Kombinationsbehandlung mit Thiamazol und Schilddrüsenhormonen in der Schwangerschaft kontraindiziert

Therapiehinweise

Mit Flüssigkeit einnehmen.

Nebenwirkungen

Thiamazol - peroral
  • Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Agranulozytosen
        • in etwa 0,3 - 0,6 % der Fälle treten Agranulozytosen auf
        • können sich auch noch Wochen bis Monate nach Therapiebeginn manifestieren und zwingen zum Absetzen des Arzneimittels
        • meist sind sie spontan rückbildungsfähig
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Thrombozytopenie
      • Panzytopenie
      • generalisierte Lymphadenopathie
  • Endokrine Erkrankungen
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Insulin-Autoimmunsyndrom (mit starkem Abfall des Blutzuckerwertes)
  • Erkrankungen des Nervensystems
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Geschmacksstörungen (Dysgeusie, Ageusie) bzw. Geruchsstörungen, die nach dem Absetzen rückbildungsfähig sind, wobei die Normalisierung mehrere Wochen dauern kann
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Neuritiden
      • Polyneuropathien
  • Augenerkrankungen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Auftreten oder Verschlimmerung einer endokrinen Orbitopathie
        • weitgehend unabhängig vom Verlauf der Schilddrüsenerkrankung; nicht als Nebenwirkung einer sachgemäß durchgeführten Therapie aufzufassen
  • Gefäßerkrankungen
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Vaskulitiden
  • Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • akute Speicheldrüsenschwellung
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • akute Pankreatitis
  • Leber- und Gallenerkrankungen
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • cholestatischer Ikterus oder toxische Hepatitis
        • Symptome bilden sich im Allgemeinen nach Absetzen des Arzneimittels zurück
        • klinisch inapparente Cholestasezeichen unter der Behandlung sind abzugrenzen von Störungen, die durch die Hyperthyreose verursacht werden, z.B. Anstieg der GGT (Gammaglutamyltransferase) und der alkalischen Phosphatase bzw. ihres Knochen-Isoenzyms im Serum
  • Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • allergische Hauterscheinungen (Pruritus, Exanthem, Urtikaria) wechselnder Ausprägung
        • meist leichter Verlauf; oft auch unter fortgeführter Therapie rückbildungsfähig
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • schwere Verlaufsformen allergischer Hautreaktionen einschließlich generalisierter Dermatitis und Stevens-Johnson-Syndrom, Haarausfall, ein medikamentös induzierter Lupus erythematodes
  • Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Arthralgien und Myalgien
        • können sich schleichend entwickeln und noch nach mehrmonatiger Therapiedauer auftreten
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Arthritis
  • Erkrankungen der Nieren und Harnwege
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Nephritis
  • Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Ödeme
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Arzneimittelfieber

Anwendungshinweise

  • Einnahme erfolgt unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit
  • Initialtherapie der Hyperthyreose
    • Einnahme der Einzeldosen in regelmäßigen Abständen über den Tag verteilt
  • Erhaltungsdosis
    • kann morgens nach dem Frühstück auf einmal eingenommen werden

Stillzeithinweise

Thiamazol - peroral
  • Thiamazol geht in die Muttermilch über
    • kann dort dem mütterlichen Serumspiegel entsprechende Konzentrationen erreichen, sodass Gefahr einer Schilddrüsenunterfunktion beim Säugling besteht
  • unter Thiamazol-Therapie kann gestillt werden, jedoch sollen nur niedrige Dosen an Thiamazol (bis zu 10 mg / Tag) ohne zusätzliche Gabe von Schilddrüsenhormonen angewendet werden
    • Schilddrüsenfunktion des Säuglings dabei regelmäßig überwachen

Schwangerschaftshinweise

Thiamazol - peroral
  • darf während der Schwangerschaft nur nach einer strengen individuellen Nutzen-Risiko-Bewertung und nur in der niedrigsten effektiven Dosis ohne zusätzliche Gabe von Schilddrüsenhormonen verabreicht werden
    • bei Anwendung von Thiamazol während der Schwangerschaft engmaschige Überwachung der Mutter sowie des Fetus bzw. Neugeborenen empfohlen
  • Kombinationsbehandlung mit Thiamazol und Schilddrüsenhormonen in der Schwangerschaft kontraindiziert
  • Frauen im gebärfähigen Alter
    • müssen während der Behandlung eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden
  • Hyperthyreose bei Schwangeren sollte angemessen behandelt werden, um schwerwiegenden Komplikationen bei Mutter und Fetus vorzubeugen
    • unbehandelte Hyperthyreosen können in der Schwangerschaft zu schwerwiegenden Komplikationen wie Frühgeburten und Missbildungen führen
    • jedoch werden auch Hypothyreosen, bedingt durch eine nicht adäquat dosierte Thiamazol-Therapie, mit Neigung zu Fehlgeburten in Zusammenhang gebracht
  • Thiamazol passiert Plazentaschranke
    • Thiamazol erreicht im fetalen Blut gleiche Konzentrationen wie im mütterlichen Serum
    • bei nicht angemessener Dosierung kann dies zur Entwicklung einer Struma und Hypothyreose beim Feten sowie zu einem erniedrigten Geburtsgewicht führen
  • epidemiologische Studien
    • aufgrund von Erfahrungen aus epidemiologischen Studien und Spontanmeldungen besteht der Verdacht, dass eine Anwendung von Thiamazol während der Schwangerschaft, insbesondere im ersten Trimester und bei hoch dosierter Gabe, angeborene Fehlbildungen auslösen kann
    • zu den gemeldeten Fehlbildungen zählen u.a.
      • Aplasia cutis congenita
      • kraniofaziale Fehlbildungen (Choanalatresie; faziale Dysmorphie)
      • Omphalozele
      • Ösophagusatresie
      • Anomalie des Ductus omphalomesentericus
      • Ventrikelseptumdefek
      • außerdem wurden weitere Missbildungen mit einer hoch dosierten Thiamazol-Therapie in den ersten Schwangerschaftswochen in Verbindung gebracht, z.B.
        • hypoplastische Brustwarzen
        • verzögerte geistige sowie motorische Entwicklung
    • im Gegensatz dazu haben mehrere Fallstudien zur pränatalen Thiamazol-Exposition weder morphologische Entwicklungsstörungen noch Auswirkungen auf die Schilddrüse oder die physische und intellektuelle Entwicklung der Kinder erkennen lassen

Warnhinweise

Thiamazol - peroral
  • Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Agranulozytosen
        • in etwa 0,3 - 0,6 % der Fälle treten Agranulozytosen auf
        • können sich auch noch Wochen bis Monate nach Therapiebeginn manifestieren und zwingen zum Absetzen des Arzneimittels
        • meist sind sie spontan rückbildungsfähig
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Thrombozytopenie
      • Panzytopenie
      • generalisierte Lymphadenopathie
  • Endokrine Erkrankungen
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Insulin-Autoimmunsyndrom (mit starkem Abfall des Blutzuckerwertes)
  • Erkrankungen des Nervensystems
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Geschmacksstörungen (Dysgeusie, Ageusie) bzw. Geruchsstörungen, die nach dem Absetzen rückbildungsfähig sind, wobei die Normalisierung mehrere Wochen dauern kann
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Neuritiden
      • Polyneuropathien
  • Augenerkrankungen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Auftreten oder Verschlimmerung einer endokrinen Orbitopathie
        • weitgehend unabhängig vom Verlauf der Schilddrüsenerkrankung; nicht als Nebenwirkung einer sachgemäß durchgeführten Therapie aufzufassen
  • Gefäßerkrankungen
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Vaskulitiden
  • Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • akute Speicheldrüsenschwellung
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • akute Pankreatitis
  • Leber- und Gallenerkrankungen
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • cholestatischer Ikterus oder toxische Hepatitis
        • Symptome bilden sich im Allgemeinen nach Absetzen des Arzneimittels zurück
        • klinisch inapparente Cholestasezeichen unter der Behandlung sind abzugrenzen von Störungen, die durch die Hyperthyreose verursacht werden, z.B. Anstieg der GGT (Gammaglutamyltransferase) und der alkalischen Phosphatase bzw. ihres Knochen-Isoenzyms im Serum
  • Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • allergische Hauterscheinungen (Pruritus, Exanthem, Urtikaria) wechselnder Ausprägung
        • meist leichter Verlauf; oft auch unter fortgeführter Therapie rückbildungsfähig
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • schwere Verlaufsformen allergischer Hautreaktionen einschließlich generalisierter Dermatitis und Stevens-Johnson-Syndrom, Haarausfall, ein medikamentös induzierter Lupus erythematodes
  • Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Arthralgien und Myalgien
        • können sich schleichend entwickeln und noch nach mehrmonatiger Therapiedauer auftreten
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Arthritis
  • Erkrankungen der Nieren und Harnwege
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Nephritis
  • Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Ödeme
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Arzneimittelfieber