THIAMAZOL 40MG HENNING

Sanofi-Aventis Deutschland GmbH
Rezeptpflichtig
Wirkstoff: Thiamazol →

Packungsgrößen & Preise

Packungsgröße Menge Apothekenpreis
N1 10X1 ML 53,17 €

Deutschlands medizinische KI – mit Ärzten entwickelt.

Jetzt Fragen zu Medikamenten und Behandlungen stellen. Kostenlos, anonym und ohne Anmeldung.

Jetzt KI fragen

Fachinformationen

Indikation

  • Thyreotoxische Krise
  • alle Formen von Hyperthyreosen, bei denen eine orale Medikation nicht möglich ist

Dosierung

Basiseinheit: 1 Ampulle zu 1 ml enthält 40 mg Thiamazol

  • thyreotoxische Krise (durch schwere Überfunktion bedingter Komazustand)
    • initial: 80 mg Thiamazol 1mal (neben anderen allgemein üblichen Maßnahmen)
    • anschließend: Dauerinfusion mit 120 - 240 mg Thiamazol pro 24 Stunden
    • Hinweis: in bestimmten Fällen kann Plasmapherese oder Thyreoidektomie (z. B. bei Iodkontamination) erforderlich werden
    • Behandlungsdauer
      • so lange, bis die durch die Schilddrüsenüberfunktion verursachte lebensbedrohende Krisensituation behoben ist bzw. bis die Gründe, die eine intravenöse Gabe erforderlich machten, nicht mehr existieren
      • anschließend kann auf orale Medikation mit 5 mg oder 20 mg Thiamazol umgestellt werden
  • alle Formen von Hyperthyreosen, bei denen eine orale Medikation nicht möglich ist (z.B. mangelnde Resorption, unregelmäßige Tabletteneinnahme, Zustand nach einer Operation etc.)
    • Anwendung in den einer oralen Medikation entsprechenden Dosen (10 - 40 mg / Tag), je nach Schweregrad der Erkrankung
    • entsprechende Dosierungsempfehlungen beachten

Dosisanpassung

  • Kinder und Jugendliche (3 - 17 Jahre):
    • Anfangsdosis an das Körpergewicht des Patienten anpassen
    • initial: 0,5 mg / kg aufgeteilt auf 2 oder 3 gleiche Einzelgaben
    • zur weiteren Behandlung Erhaltungsdosis abhängig vom Ansprechen des Patienten auf die Therapie reduzieren
    • zur Vermeidung einer Hypothyreose kann eine zusätzliche Behandlung mit Levothyroxin erforderlich sein
    • max. Tagesdosis: 40 mg Thiamazol
  • Anwendung bei Kindern (2 Jahre und jünger):
    • Sicherheit und Wirksamkeit von Thiamazol bei Kindern unter 2 Jahren nicht systematisch geprüft
    • Anwendung daher nicht empfohlen

Kontraindikationen

Thiamazol - invasiv
  • Überempfindlichkeit gegen Thiamazol oder andere Thioamidderivate (z.B. Carbimazol)
  • mäßige bis schwere Blutbildveränderungen (Granulozytopenie)
  • vorbestehende Cholestase, die nicht durch die Hyperthyreose verursacht wurde
  • akuter Pankreatitis in der Vorgeschichte nach Verabreichung von Thiamazol oder seinem Prodrug Carbimazol
  • frühere Knochenmarkschädigung nach einer Behandlung mit Thiamazol oder Carbimazol
  • Kombinationsbehandlung mit Thiamazol und Schilddrüsenhormonen in der Schwangerschaft

Nebenwirkungen

Thiamazol - invasiv
  • Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Agranulozytose (0,3 - 0,6 % der Fälle)
        • Manifestation auch noch Wochen bis Monate nach Therapiebeginn möglich
        • zwingt zur zum Absetzen der Therapie
        • meistens spontan rückbildungsfähig
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Thrombozytopenie
      • Panzytopenie
      • generalisierte Lymphadenopathie
  • Endokrine Erkrankungen
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Insulin-Autoimmunsyndrom (mit starkem Abfall des Blutzuckerwertes)
  • Erkrankungen des Nervensystems
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Geschmacksstörungen (Dysgeusie, Ageusie) bzw. Geruchsstörungen
        • nach dem Absetzen rückbildungsfähig, wobei Normalisierung mehrere Wochen dauern kann
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Neuritiden
      • Polyneuropathien
  • Augenerkrankungen
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Auftreten oder Verschlimmerung einer endokrinen Orbitopathie
        • weitgehend unabhängig vom Verlauf der Schilddrüsenerkrankung
        • nicht als Nebenwirkung einer sachgemäß durchgeführten Therapie aufzufassen
  • Gefäßerkrankungen
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Vaskulitiden
  • Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • akute Speicheldrüsenschwellung
    • ohne Häufigkeitsangaben
      • akute Pankreatitis
  • Leber- und Gallenerkrankungen
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • cholestatischer Ikterus oder toxische Hepatitis
        • Symptome bilden sich im Allgemeinen nach Absetzen des Arzneimittels zurück
        • klinisch inapparente Cholestasezeichen unter der Behandlung sind abzugrenzen von Störungen, die durch die Hyperthyreose verursacht werden, z.B. Anstieg der GGT (Gamma-Glutamyl-Transferase) und der alkalischen Phosphatase bzw. ihres Knochen-Isoenzyms im Serum
  • Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
    • sehr häufig: größer bzw. gleich 1/10
      • allergische Hauterscheinungen (Pruritus, Exanthem, Urtikaria)
        • wechselnde Ausprägung, meist leichter Verlauf
        • oft auch unter fortgeführter Therapie rückbildungsfähig
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • schwere Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut inkl.
        • generalisierte Dermatitis
        • Stevens-Johnson-Syndrom
        • Haarausfall
        • medikamentös induzierter Lupus erythematodes
  • Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Arthralgien und Myalgien
        • können sich schleichend entwickeln
        • Auftreten auch nach mehrmonatiger Therapiedauer möglich
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Arthritis
  • Erkrankungen der Nieren und Harnwege
    • sehr selten: kleiner 1/10000, einschließlich Einzelfälle
      • Nephritis
  • Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Ödeme
    • selten: größer bzw. gleich 1/10000 bis kleiner 1/1000
      • Arzneimittelfieber

Anwendungshinweise

  • Tagesdosis wird in mehreren Portionen über den Tag verteilt i. v. injiziert bzw. als Dauerinfusion gegeben

Stillzeithinweise

Thiamazol - invasiv
  • Stillen unter Thiamazol-Therapie möglich, jedoch
    • sollen nur niedrige Dosen an Thiamazol (bis zu 10 mg/Tag) ohne zusätzliche Gabe von Schilddrüsenhormonen angewendet werden
    • Schilddrüsenfunktion des Säuglings sollte dabei regelmäßig überwacht werden
  • Thiamazol geht in die Muttermilch über
    • kann dort dem mütterlichen Serumspiegel entsprechende Konzentrationen erreichen, so dass Gefahr einer Schilddrüsenunterfunktion beim Säugling besteht

Schwangerschaftshinweise

Thiamazol - invasiv
  • Thiamazol darf während der Schwangerschaft nur nach einer strengen individuellen Nutzen-Risiko-Bewertung und nur in der niedrigsten effektiven Dosis ohne zusätzliche Gabe von Schilddrüsenhormonen verabreicht werden
    • bei Anwendung engmaschige Überwachung der Mutter sowie des Fetus bzw. Neugeborenen empfohlen
  • Kombinationsbehandlung mit Thiamazol und Schilddrüsenhormonen in der Schwangerschaft kontraindiziert
  • Hyperthyreose bei Schwangeren sollte angemessen behandelt werden, um schwerwiegenden Komplikationen bei Mutter und Fetus vorzubeugen
    • diese schließen Frühgeburten und Missbildungen ein
    • jedoch werden auch Hypothyreosen, bedingt durch eine nicht adäquat dosierte Thiamazol-Therapie, mit einer Neigung zu Fehlgeburten in Zusammenhang gebracht
  • Thiamazol passiert Plazentaschranke und erreicht im fetalen Blut gleiche Konzentrationen wie im mütterlichen Serum
    • bei nicht angemessener Dosierung kann dies zur Entwicklung einer Struma und Hypothyreose beim Fetus sowie zu einem erniedrigten Geburtsgewicht führen
  • epidemiologische Studien und Spontanmeldungen
    • Verdacht, dass eine Anwendung von Thiamazol während der Schwangerschaft, insbesondere im 1. Trimenon und bei hoch dosierter Gabe, angeborene Fehlbildungen auslösen kann
    • zu den gemeldeten Fehlbildungen zählen u. a.
      • Aplasia cutis congenita
      • kraniofaciale Fehlbildungen (Choanalatresie, faziale Dysmorphie)
      • Omphalozele
      • Ösophagusatresie
      • Anomalie des Ductus omphalomesentericus
      • Ventrikelseptumdefekt
    • außerdem wurden weitere Missbildungen mit einer hoch dosierten Thiamazol-Therapie in den ersten Schwangerschaftswochen in Verbindung gebracht
      • z.B. hypoplastische Brustwarzen
      • verzögerte geistige sowie motorische Entwicklung
    • im Gegensatz dazu haben mehrere Fallstudien zur pränatalen Thiamazol-Exposition weder morphologische Entwicklungsstörungen noch Auswirkungen auf die Schilddrüse oder die physische und intellektuelle Entwicklung der Kinder erkennen lassen
  • Frauen im gebärfähigen Alter
    • Frauen im gebärfähigen Alter müssen während der Behandlung eine zuverlässige Verhütungsmethodeanwenden

Warnhinweise

Thiamazol - invasiv
  • Thiamazol sollte nicht angewendet werden bei Patienten mit leichten Überempfindlichkeitsreaktionen in der Vorgeschichte (z.B. allergische Exantheme, Pruritus)
  • Patienten mit großen Strumen mit Einengung der Trachea
    • Thiamazol sollte nur kurzfristig und unter sorgfältiger ärztlicher Überwachung angewendet werden, wegen der Gefahr eines Strumawachstums
  • bei der vorgesehenen speziellen Anwendung Nutzen und Risiken einer solchen Behandlung bei jedem Patienten individuell gegeneinander abwägen
  • Blutbildkontrolle
    • regelmäßige Kontrollen des Blutbildes vor und während der Behandlung erforderlich zur Beurteilung von Blutbildveränderungen (Leukopenie, Thrombozytopenie, Agranulozytose)
  • Agranulozytose
    • Berichten zufolge tritt Agranulozytose in ca. 0,3 - 0,6% der Fälle auftritt
      • üblicherweise während der ersten Behandlungswochen
      • Manifestation jedoch auch noch einige Monate nach Beginn bzw. nach Wiederaufnahme einer Thiamazol-Behandlung möglich
    • Patienten müssen vor Behandlungsbeginn auf deren Symptome hingewiesen werden
      • Stomatitis
      • Pharyngitis
      • Fieber
      • Furunkulose
    • engmaschige Blutbildkontrolle vor und nach Therapiebeginn empfohlen
      • besonders in Fällen mit vorbestehender, leichter Granulozytopenie
    • beim Auftreten dieser Symptome, besonders während der ersten Behandlungswochen, müssen die Patienten angehalten werden, ihren Arzt unverzüglich zur Blutbildkontrolle aufzusuchen
    • im Falle einer bestätigten Agranulozytose
      • Thiamazol absetzen
  • andere knochenmarktoxische Nebenwirkungen
    • im empfohlenen Dosisbereich selten
    • häufig bei sehr hohen Thiamazol-Dosen (etwa 120 mg / Tag) beschrieben
      • Dosierungen dieser Höhe sollten nur bei besonderen Indikationen zur Anwendung kommen
        • schwere Krankheitsverläufe
        • thyreotoxische Krise
    • bei Auftreten einer Knochenmarkschädigung unter der Therapie mit Thiamazol
      • Absetzen des Arzneimittels
      • gegebenenfalls Umstellung auf ein Thyreostatikum aus einer anderen Stoffgruppe
  • akute Pankreatitis
    • es liegen Berichte nach dem Inverkehrbringen über akute Pankreatitis bei Patienten vor, die Thiamazol oder dessen Prodrug Carbimazol erhalten haben
    • im Falle einer akuten Pankreatitis ist Thiamazol unverzüglich abzusetzen
    • Thiamazol darf nicht an Patienten mit akuter Pankreatitis nach Verabreichung von Thiamazol oder dessen Prodrug Carbimazol in der Vorgeschichte verabreicht werden
    • eine erneute Exposition kann zu einem akuten Pankreatitis-Rezidiv mit verkürzter Zeitspanne bis zum Auftreten von Symptomen führen
  • Frauen im gebärfähigen Alter
    • müssen während der Behandlung eine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden
    • Anwendung von Thiamazol bei Schwangeren muss auf der individuellen Nutzen-Risiko-Bewertung beruhen
    • wird Thiamazol während der Schwangerschaft angewendet, ist die niedrigste effektive Dosis ohne zusätzliche Gabe von Schilddrüsenhormonen zu verabreichen
    • eine engmaschige Überwachung der Mutter sowie des Fetus bzw. Neugeborenen ist geboten
  • subklinische / klinische Hypothyreose
    • infolge einer zu hohen Dosierung kann es, bedingt durch einen TSH-Anstieg, zu einer subklinischen oder klinischen Hypothyreose und zum Strumawachstum kommen
    • deshalb Reduktion der Thiamazol-Dosis nach Erreichen der euthyreoten Stoffwechsellage empfohlen
    • sofern erforderlich, sollte zusätzlich Levothyroxin gegeben werden
      • es ist nicht sinnvoll, Thiamazol ganz abzusetzen und nur mit Levothyroxin weiterzubehandeln
  • Strumawachstum möglich
    • Strumawachstum unter der Therapie mit Thiamazol, trotz supprimiertem TSH, ist als Folge der Grunderkrankung anzusehen und kann durch zusätzliche Behandlung mit Levothyroxin nicht verhindert werden
  • Auftreten oder Verschlimmerung einer endokrinen Orbitopathie
    • Erreichen eines normalen TSH-Wertes äußerst wichtig zur Risikominimierung
    • Auftreten der endokrinen Orbitopathie dennoch häufig unabhängig vom Verlauf der Schilddrüsenerkrankung
    • kein Anlass zur Änderung des Therapiekonzeptes (Thyreostatika, Operation, Radioiod)
    • nicht als Nebenwirkung einer sachgemäß durchgeführten Therapie aufzufassen
  • Späthypothyreosen
    • Auftreten nach thyreostatischer Therapie ohne zusätzliche ablative Maßnahmen (geringer Prozentsatz)
    • wahrscheinlich keine Nebenwirkung des Arzneimittels, sondern entzündliche / destruktive Prozesse im Schilddrüsenparenchym, bedingt durch die Grunderkrankung
  • Energieverbrauch, Körpergewicht
    • durch Verminderung des krankhaft gesteigerten Energieverbrauchs bei Hyperthyreose kann es unter der Behandlung mit Thiamazol zu einem (im Allgemeinen erwünschten) Anstieg des Körpergewichts kommen
    • Patienten sollten darauf hingewiesen werden, dass sich mit Besserung des Krankheitsbildes der Energieverbrauch normalisiert
  • Unverträglichkeitserscheinungen
    • bei notwendiger Therapie-Umstellung aufgrund von Unverträglichkeitserscheinungen auf ein anderes Thyreostatikum
      • soll nicht auf Carbimazol umgestellt werden, sondern auf Propylthiouracil oder Perchlorat übergegangen werden
    • Patienten, die Carbimazol nicht vertragen, sollten ebenso auch kein Thiamazol erhalten