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Fachinformationen

Indikation

  • Behandlung von Erwachsenen bei folgenden Infektionen
    • Nosokomiale Pneumonie (NP) außer beatmungsassoziierter Pneumonie (BAP)
    • Ambulant erworbene Pneumonie (AEP)
  • Hinweis
    • die offiziellen Richtlinien für den angemessenen Gebrauch von antibakteriellen Arzneimitteln sind zu beachten

Dosierung

Basiseinheit: Eine Durchstechflasche enthält 500 mg Ceftobiprol; nach Rekonstitution enthält 1 ml Konzentrat 50 mg Ceftobiprol (= 66,7 mg Ceftobiprolmedocaril-Natrium)

  • Nosokomiale Pneumonie (NP) außer beatmungsassoziierter Pneumonie (BAP) / Ambulant erworbene Pneumonie (AEP)
    • Erwachsene
      • 1 Infusion (500 mg Ceftobiprol) / 8 Stunden als 2stündige Infusion
      • nach mind. 3 Tagen Behandlung kann, je klinischem Ansprechen, bei AEP auf orales Antibiotikum gewechselt werden

Dosisanpassung

  • Kinder und Jugendliche < 18 Jahren
    • Sicherheit und Wirksamkeit noch nicht erwiesen
    • Anwendung nicht empfohlen
  • ältere Patienten
    • außer bei mäßig - schwerer Nierenfunktionsstörungen keine Dosisanpassung erforderlich
  • eingeschränkte Nierenfunktion
    • Kreatinin-Clearance > 150 ml / Min.
      • zu Beginn der Behandlung sollte die Nierenfunktion des Patienten anhand der Kreatinin-Clearance in ml / Min. bestimmen
      • Verlängerung der Infusionsdauer auf 4 Stunden empfohlen
    • Kreatinin-Clearance von 50 - 80 ml / Min
      • keine Dosisanpassung erforderlich
    • Kreatinin-Clearance 30 - < 50 ml / Min
      • 500 mg Ceftobiprol / 12 Stunden als 2-stündige intravenöse Infusion
    • Kreatinin-Clearance < 30 ml/min
      • 250 mg Ceftobiprol / 12 Stunden als 2-stündige intravenöse Infusion
      • vorsichtige Anwendung wegen erhöhter Exposition des Wirkstoffs und seinen Metaboliten
  • dialysepflichtige terminale Nierenfunktionsstörung
    • 250 mg Ceftobiprolmedocaril-Natrium / 24 Stunden als 2-stündige Infusion
  • eingeschränkte Leberfunktion
    • keine klinischen Erfahrungen vorliegend
    • Dosisanpassung als nicht erforderlich erachtet

Kontraindikationen

Ceftobiprol medocaril - invasiv
  • Überempfindlichkeit gegen Ceftobiprol(medocaril)
  • Überempfindlichkeit gegen Antibiotika der Cephalosporin-Gruppe
  • plötzlich einsetzende schwere Überempfindlichkeitsreaktionen (z.B. anaphylaktische Reaktionen) gegen jegliche Art von Beta-Lactam-Antibiotika (z.B. Penicilline, Carbapeneme)

Nebenwirkungen

Ceftobiprol medocaril - invasiv
  • Infektionen und parasitäre Erkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Pilzinfektionen (inkl. vulvovaginaler, oraler und kutaner Pilzinfektionen)
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Clostridium difficile - Colitis (einschließlich pseudomembranöse Colitis)
  • Erkrankungen des Blutes und des Lymphsystems
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Eosinophilie
      • Leukopenie
      • Anämie
      • Thrombozytose
      • Thrombozytopenie
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • Agranulozytose
  • Erkrankungen des Immunsystems
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Überempfindlichkeitsreaktionen, einschließlich
        • Urtikaria
        • juckende Hautausschläge
        • Arzneimittelüberempfindlichkeit
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Anaphylaktische Reaktionen
  • Stoffwechsel- und Ernährungsstörungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Hyponatriämie
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Hypokaliämie
  • psychiatrische Erkrankungen
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Schlaflosigkeit
      • Unruhe, einschließlich
        • Angst
        • Panikattacken
        • Alpträume
  • Erkrankungen des Nervensystems
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Geschmacksstörung
      • Kopfschmerzen
      • Schwindel
      • Schläfrigkeit
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Krampfanfälle, einschließlich
        • epileptischer Krampfanfall
        • Epilepsie
        • generalisierter tonischgeneralisierter tonisch-klonischer Anfall
        • myoklonische Epilepsie
        • Myoklonie
        • Krampfanfall-ähnliche Phänomene
        • Status epilepticus
  • Erkrankungen der Atemwege, des Brustraums und des Mediastinums
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Dyspnoe
      • Pharyngolaryngealschmerzen
      • Asthma
  • Erkrankungen des Gastrointestinaltraktes
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Übelkeit
      • Erbrechen
      • Durchfall
      • Bauchschmerzen
      • Dyspepsie
  • Leber- und Gallenerkrankungen
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Anstieg der Leberenzyme (AST, ALT, LDH und alkalische Phosphatase)
  • Erkrankungen der Haut und des Unterhautzellgewebes
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Hautausschlag (fleckiger, papulöser, fleckig-papulöser und generalisierter Ausschlag)
      • Juckreiz
  • Skelettmuskulatur-, Bindegewebs- und Knochenerkrankungen
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Muskelkrämpfe
  • Erkrankungen der Nieren und Harnwege
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Nierenversagen (einschließlich potentieller Wechselwirkungen mit nephrotoxischen Arzneimitteln)
  • Allgemeine Erkrankungen und Beschwerden am Verabreichungsort
    • häufig: größer bzw. gleich 1/100 bis kleiner 1/10
      • Reaktionen am Infusionsort
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • periphere Ödeme
  • Untersuchungen
    • gelegentlich: größer bzw. gleich 1/1000 bis kleiner 1/100
      • Triglyceride im Blut erhöht
      • Kreatinin im Blut erhöht
      • erhöhte Blutzuckerwerte
    • ohne Häufigkeitsangabe
      • positiver direkter Coombs-Test

Anwendungshinweise

  • das Arzneimittel muss aufgelöst und weiter verdünnt werden (s. Fachinformation)
  • intravenöse Infusion über einen Zeitraum von zwei Stunden
  • keine Mischung mit Calcium-haltigen Lösungen (außer Ringer-Laktat-Injektionslösung) oder Verabreichung im gleichen intravenösen Zugang (Gefahr von Ausfällung)
  • weitere Hinweise s. Fachinformation

Stillzeithinweise

Ceftobiprol medocaril - invasiv
  • Entscheidung muss getroffen werden entweder
    • das Stillen zu beenden
    • oder die Therapie mit Ceftobiprol abzubrechen oder
    • auf eine Therapie mit Ceftobiprol zu verzichten
  • Berücksichtigung sollte dabei finden
    • der Nutzen der Therapie für die Mutter
    • der Nutzen des Stillens für das Kind
  • nicht bekannt, ob Ceftobiprol bei Menschen über die Muttermilch ausgeschieden wird
    • Risiko einer Diarrhö und Pilzinfektionen der Schleimhäute bei gestillten Kindern kann nicht ausgeschlossen werden
    • Möglichkeit einer Allergieentwicklung sollte in Betracht gezogen werden
  • tierexperimentelle Studien
    • es konnte gezeigt werden, dass Ceftobiprol und seine Metaboliten in geringen Konzentrationen in die Muttermilch übergehen

Schwangerschaftshinweise

Ceftobiprol medocaril - invasiv
  • Ceftobiprol sollte während der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn der klinische Zustand der Frau macht die Behandlung unbedingt notwendig
  • keine hinreichenden, gut kontrollierten Studien über die Verwendung von Ceftobiprol bei Schwangeren vorliegend
  • tierexperimentelle Studien
    • lassen nicht auf direkte oder indirekte schädliche Auswirkungen auf Schwangerschaft, embryonale / fetale Entwicklung, Geburt oder postnatale Entwicklung schließen
  • Fertilität
    • Auswirkungen von Ceftobiprol auf die menschliche Fertilität wurden nicht untersucht
    • tierexperimentelle Studien
      • kein Hinweis auf schädigende Wirkungen in Bezug auf die Fertilität

Warnhinweise

Ceftobiprol medocaril - invasiv
  • offiziellen Richtlinien für den angemessenen Gebrauch von antibakteriellen Arzneimitteln sind zu beachten
  • Überempfindlichkeitsreaktionen
    • analog zu allen Beta-Lactam-Antibiotika
    • Berichte über schwere, z.T. tödlich verlaufende Überempfindlichkeitsreaktionen (anaphylaktische Sofortreaktionen)
    • bei Auftreten schwerer Überempfindlichkeitsreaktionen:
      • Behandlung mit Ceftobiprol sofort abbrechen
      • geeignete Notfallbehandlung einleiten
    • vor Beginn einer Ceftobiprol-Therapie
      • Überprüfung der Vorgeschichte des Patienten auf Überempfindlichkeiten gegen
        • Ceftobiprol
        • Cephalosporine (allgemein)
        • andere Beta-Lactam-Antibiotika
      • bei Überempfindlichkeiten in der Vorgeschichte jeglicher Art gegen andere Betalaktam-Antibiotika
        • besondere Vorsicht walten lassen
  • Dosierung oberhalb des empfohlenen Dosisbereiches
    • keine klinischen Erfahrungen bei Dosen > 500 mg Ceftobiprol alle 8 Stunden
  • Patienten mit bekanntem epileptischem Anfallsleiden
    • Auftreten epileptischer Anfälle im Zusammenhang mit Ceftobiprol
    • Risikofaktoren:
      • vorbestehende Störung des zentralen Nervensystems
      • mit Krampfanfällen einhergehende Erkrankungen
    • Anwendung bei dieser Patientenpopulation mit besonderer Vorsicht
  • Clostridium difficile-assoziierte Diarrhoe
    • Auftreten Antibiotika-assoziierter und pseudomembranöser Colitis assoziiert mit Ceftobiprol
    • Schweregrade leicht bis lebensbedrohlich möglich
    • Diagnose in Betracht ziehen, wenn Patient nach Ceftobiprol-Behandlung Durchfall entwickelt
      • Abbruch der Behandlung
      • Einleitung einer spezifischen Behandlung von Clostridium difficile - Colitis
      • keine Verabreichung von Arzneimitteln die die Peristaltik hemmen
  • Superinfektion mit nicht-empfindlichen Erregern
    • Anwendung kann zu übermäßigem Wachstum von nicht empfindlichen Erregern, inkl. Pilzen führen
    • entsprechende Behandlungsmaßnahmen einleiten, falls Anzeichen einer Superinfektion auftreten
  • Nierentoxizität bei Tieren
    • bei Tieren wurde bei hohen Dosen von Ceftobiprol eine reversible renale Toxizität und eine Präzipitation von arzneimittelähnlichem Material in den distalen Tubuli beobachtet
    • klinische Bedeutung dieser Beobachtung ist nicht bekannt
    • Patienten, die Ceftobiprol erhalten sollten
      • eine eventuelle Hypovolämie korrigieren
      • normale Harnausscheidung aufrechterhalten
  • Ausfällung mit Calcium-haltigen Lösungen
    • Ausfällungen bei Mischung von Ceftobiprol mit Calcium-haltigen Lösungen im gleichen intravenösen Zugang
    • keine Mischung bzw. Verabreichung über den selben intravenösen Zugang (exkl. Ringer-Lactat-Lösung)
  • eingeschränkte klinische Daten
    • keine Erfahrungen mit Ceftobiprol bei der Behandlung von nosokomialer Pneumonie (außer BAP) und ambulant erworbener Pneumonie (AEP) vorliegend bei
      • HIV-positiven Patienten
      • Patienten mit Neutropenie
      • immungeschwächten Patienten
      • Patienten mit Myelosuppression
    • bei der Behandlung solcher Patienten ist Vorsicht geboten
    • Patienten mit beatmungsassoziierter Pneumonie (BAP)
      • Ceftobiprol nicht wirksam bei der Behandlung der BAP
      • Anwendung zur Therapie der BAP nicht empfohlen
      • Anwendung von Ceftobiprol bei Patienten mit nosokomialer Pneumonie, die in der Folge künstlich beatmet werden nur mit besonderer Vorsicht
  • Empfindlichkeit gegen Enterobacteriaceae
    • analog zu anderen Cephalosporinen ist auch Ceftobiprol anfällig für Hydrolyse durch Enzyme, die vor allem von Enterobacteriaceae produziert werden, u.a.
      • Extended Spectrum Beta-Lactamasen (ESBL)
      • Serin-Carbapenemasen
      • Metallo-Beta-Lactamasen
    • Prävalenz von ESBL-produzierenden Enterobacteriaceae für eine Behandlung mit Ceftobiprol in Erwägung ziehen
  • Wechselwirkungen bei serologischen Untersuchungen: Direkter Antiglobulin-Test (Coombs-Test), Serokonversion und potentielles Risiko für hämolytische Anämie
    • Auftreten eines positiven direkten Antiglobulin-Tests (DAGT) während der Behandlung mit Cephalosporinen möglich
    • keine Hinweise auf hämolytische Anämie in den klinischen Studien
    • Auftreten einer hämolytischen Anämie kann jedoch nicht ausgeschlossen werden
    • bei Patienten, bei denen während oder nach der Behandlung mit Ceftobiprol eine Anämie auftritt, sollte dies als Möglichkeit in Betracht gezogen werden
  • Wechselwirkungen bei Untersuchungen
    • Serum-Kreatinin-Tests
      • nicht bekannt, ob Ceftobiprol, wie einige andere Cephalosporine, das alkalische Pikrat-Assay zur Bestimmung des Serumkreatinins (Jaffé-Reaktion) beeinflusst
      • Irrtümlich hohe Werte möglich, wenn es zu einer derartigen Beeinflussung kommt
      • besser: Verwendung einer enzymatischen Methode zur Bestimmung des Serum-Kreatinins
    • Urin-Glucose-Tests
      • Tests, die auf der Reduktion von Kupfer beruhen, könnten beeinflusst werden
      • besser: enzymatische Methode zum Nachweis einer Glucosurie verwenden